Federal competence to conclude development and humanitarian treaties

150000668Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (VPB)22.05.1987Other

Zusammenfassung

The Directorate for Public International Law clarified the federal competence to conclude international cooperation and humanitarian aid agreements. It held that Art. 10 EHG empowers the Federal Council to conclude such treaties without parliamentary approval, but only within the limits of Parliament-approved framework credits. The financial competence rules in the implementing ordinance do not alter the treaty-making allocation. Further subdelegation to federal offices under Art. 21 EHG-V is unlawful for norm-setting treaties because Art. 7(5) VwOG requires express statutory authorization. The 1975 Federal Council decree delegating disaster-relief framework agreements to the former Political Department is valid, but only for individual technical-administrative agreements.

Regest

Art. 10 EHG; treaty-making competence for international development cooperation and humanitarian aid agreements; autonomous conclusion by the Federal Council and limits of subdelegation. The Federal Council may conclude agreements on measures of international development cooperation and humanitarian aid without parliamentary approval, but only within the limits of the financial authorization granted by Parliament (framework credits). Ordinance rules on financial competence do not modify the constitutional/statutory allocation of treaty-making powers. A subdelegation to federal offices is unlawful insofar as it concerns norm-setting treaties, absent an express authorization under Art. 7(5) VwOG; it is admissible only for technical-administrative contracts. An ad hoc Federal Council delegation to a department is valid only within that restricted sphere (consid. 1-2).

Gesamter Gesetzestext

JAAC 52.20

Direktion für Völkerrecht, 22. Mai 1987 - vgl. auch VPB 51.58

Traités. Compétence de les conclure. Autorité fédérale compétente dans le domaine de la coopération au développement et de l'aide humanitaire internationales.

Staatsvertrag. Abschlusskompetenz. Zuständige Bundesbehörde im Bereich von Massnahmen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und der humanitären Hilfe.

Trattati. Competenza a concluderli. Autorità federale competente in materia di cooperazione allo sviluppo e di aiuto umanitario internazionale.

Nach Art. 10 des BG vom 19. März 1976 über die internationale Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe (EHG, SR 974.0) ist der Bundesrat ermächtigt, internationale Vereinbarungen über Massnahmen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe selbständig, das heisst ohne parlamentarische Genehmigung (vereinfachtes Verfahren), abzuschliessen. Diese Kompetenzdelegation an den Bundesrat ist begrenzt auf die Verwendung der von der Bundesversammlung bewilligten Finanzmittel (Rahmenkredite).

Die Finanzkompetenz-Ordnung, wie sie in der EHG-Ausführungsverordnung vom 12. Dezember 1977 (EHG-V, SR 974.01) vom Bundesrat, gestützt auf Art. 9 Abs. 3 EHG, festgelegt wurde, hat keinen rechtlich relevanten Einfluss auf die Kompetenzordnung in bezug auf den Abschluss von völkerrechtlichen Verträgen.

1

In Art. 21 Abs. 2 und 3 EHG-V wird die bundesratliche Vertragsabschlusskompetenz innert gewisser Grenzen (Abs. 3) an die «zuständigen Bundesämter, einschliesslich des Delegierten» weiterdelegiert. Die zuständigen Bundesämter sind die Direktion für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe (DEH) und das Bundesamt für Aussenwirtschaft (BAWI). Diese Subdelegation vom Bundesrat an Bundesämter ist, soweit sie sich auf den Abschluss von rechtsetzenden (im Gegensatz zu hoheitlich-rechtsgeschäftlichen) Verträgen bezieht, rechtswidrig: Sie widerspricht Art. 7 Abs. 5 des BG vom 19. September 1978 über die Organisation und die Geschäftsführung des Bundesrates und der Bundesverwaltung (Verwaltungsorganisationsgesetz [VwOG], SR 172.010), wo vom Gesetzgeber angeordnet wurde, dass die Zuständigkeit zum Erlass von Rechtssätzen Ämtern nur übertragen werden kann, wenn ein Bundesgesetz oder ein allgemein verbindlicher Bundesbeschluss dazu ausdrücklich ermächtigt. Eine derartige Ermächtigung liegt weder im EHG noch in einem andern geeigneten Rechtssatz des Bundesrechtes vor.

Ein nicht veröffentlichter Bundesratsbeschluss vom 29. September 1975 ermächtigt das damalige Politische Departement (EPD), Rahmenabkommen über Hilfe in Katastrophenfällen mit einer bestimmten, allerdings nicht abschliessend namentlich aufgezählten Anzahl von Staaten, abzuschliessen. In Praxis und Doktrin ist unbestritten, dass der Bundesrat eine ihm zustehende selbständige Vertragsabschlusskompetenz mittels Verordnung oder, in Einzelfällen, mittels Bundesratsbeschluss, an Departemente delegieren kann. Solche Subdelegationen sind allerdings nur zulässig, wenn sie sich auf den Abschluss von Verträgen beschränken, die vorwiegend technische und administrative Fragen regeln. Der BRB von 1975 ist somit zwar rechtmässig, aber auf den Abschluss einzelner Verträge beschränkt.

Nach geltendem Organisationsrecht sind somit Verträge betreffend Massnahmen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe grundsätzlich vom Bundesrat abzuschliessen (Art. 10 EHG), es sei denn:

  • es handle sich lediglich um den Austausch politischer Absichtserklärungen, das heisst nicht um «Verträge», die auf Grund völkerrechtlicher Massstäbe Vertragscharakter im Sinne von Art. 85 Ziff. 5 BV haben (in diesen Fällen sind für die Beurteilung der «Abschlusszuständigkeit» weniger rechtliche als vielmehr politische Kriterien massgebend);

  • es handle sich um rechtsgeschäftliche Verträge des Völkerrechts (zuständig sind gemäss Art. 21 Abs. 2 EHG-V die DEH, das BAWI oder der Delegierte für Katastrophenhilfe);

  • es handle sich um öffentlich-rechtliche Verträge in Anlehnung an das Landesrecht des einen oder andern Vertragspartners;

  • der Vertragsschluss sei derart dringlich, dass Verhandlung, Unterzeichnung und Inkraftsetzung gleichzeitig erfolgen müssen (z. B. Hilfsverträge in Katastrophensituationen).

2

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 52.20 - Direktion für Völkerrecht, 22. Mai 1987 - vgl. auch VPB 51.58

In

Verwaltungspraxis der Bundesbehörden

Dans

Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

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1988

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52

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150 000 668

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Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert. Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale. Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.

Schlagwörter

treaty-making competencefederal councilsubdelegationdevelopment cooperationhumanitarian aidframework creditsordinanceadministrative agreements