Amendment of opened dispositive ex officio on revision grounds

RBOG 1998 Nr. 30Übriges Gericht24.02.1998Confirmed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Obergericht Thurgau held that it may amend a dispositive already served to the parties if a revision ground under § 246 Ziff. 1 ZPO TG is present. Here, the court had overlooked an agreed due date when deciding the default interest. In the reasoned judgment it corrected the interest ruling ex officio. The court acknowledged the general rule of binding force after service, but distinguished mere clerical corrections from substantive correction based on a revision-type factual oversight. It considered an ex officio amendment permissible for reasons of procedural economy and to avoid unnecessary revision proceedings or a Federal Supreme Court appeal.

Omnilex-Regeste

§ 246 Ziff. 1 ZPO TG; revision ground based on inadvertent failure to consider material facts; amendment of an opened dispositive ex officio. After service of the dispositive, the court is in principle bound by its judgment; only clerical, arithmetic, or redactional errors may be corrected without more. Where, however, the applicable cantonal law admits revision because the court omitted or misconstrued decisive facts through inadvertence, the same rationale permits an ex officio amendment of the dispositive already opened. This is especially so where procedural economy and cost considerations militate against requiring the parties to file a revision request or pursue an appeal (consid. 2).

Gesamter Gesetzestext

Änderung des eröffneten Dispositivs von Amtes wegen bei Vorliegen eines Revisionsgrunds nach § 246 Ziff. 1 ZPO


§ 246 Ziff. 1 aZPO (TG)


1. Der Entscheid des Obergerichts wurde den Parteien im Dispositiv versandt. Der Berufungskläger verlangte ein begründetes Urteil. Im begründeten Urteil änderte das Obergericht das Dispositiv mit Bezug auf den Verzugszins ab: Es hatte zuvor übersehen, dass die Parteien einen Fälligkeitstermin vereinbart hatten.

2. Zwar wird nicht verkannt, dass das Gericht nach der Eröffnung des Urteils an seinen Entscheid gebunden ist, selbst wenn er auf einem rechtlichen Irrtum oder einer irrtümlichen Sachverhaltsfeststellung beruht, es sei denn, es handle sich lediglich um eine blosse Berichtigung von Rechnungs-, Schreib- oder Redaktionsfehlern (Leuch/Marbach/Kellerhals, Die Zivilprozessordnung für den Kanton Bern, 4.A., Art. 334 N 3a; Frank/Sträuli/Messmer, Kommentar zur zürcherischen Zivilprozessordnung, 3.A., § 190 N 3; RBOG 1991 Nr. 14). Es wurde indessen im Kanton Bern auch schon entschieden, die Urteilsberichtigung von Amtes wegen sei zulässig, wenn die Feststellungen des Entscheids zum Sachverhalt einen offenkundigen Irrtum enthalten, sofern an der Korrektur ungeachtet des Fehlens der Möglichkeit einer Änderung des Dispositivs oder ungeachtet fehlenden Einflusses auf dieses ein Interesse einer Partei oder - z.B. um des Ansehens willen - des Gerichts besteht (Leuch/Marbach/Kellerhals, Art. 334 N 3a am Schluss). Die ZPO BE kennt indessen den Revisionsgrund gemäss Art. 136 lit. d OG bzw. insbesondere denjenigen von § 246 Ziff. 1 lit. a ZPO TG nicht, wonach die Revision - mithin auch die Änderung des Urteilsdispositivs - zulässig ist, wenn das Gericht erhebliche Tatsachen aus Versehen gar nicht oder in irrtümlicher Weise gewürdigt hat. Für den Kanton Thurgau bedeutet dies, dass selbst die Änderung des eröffneten Dispositivs von Amtes wegen zulässig ist, wenn ein Revisionsgrund nach § 246 Ziff. 1 ZPO gegeben ist. Es macht bereits aufgrund der Prozessökonomie und aus Kostengründen keinen Sinn, entweder ein entsprechendes Revisionsgesuch abzuwarten oder die Parteien zu zwingen, den Entscheid an das Bundesgericht weiterzuziehen.

Obergericht, 24. Februar 1998, ZB 97 61

Schlagwörter

revision groundsdispositiveex officio correctiondefault interestprocedural economybinding force of judgment

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the Obergericht could amend an already served dispositive ex officio because a revision ground existed under § 246 Ziff. 1 ZPO TG.

Extrahierter Entscheid

Yes. In Thurgau, the court may amend the opened dispositive on its own motion if the factual mistake amounts to a revision ground under § 246 Ziff. 1 ZPO TG.

Extrahierte Begründung

Although a court is generally bound by its judgment after service, that rule is limited to mere correction of clerical, arithmetic, or drafting errors. Since Thurgau law recognizes revision for a court's inadvertent failure to consider material facts, allowing the dispositive to be corrected ex officio is justified by procedural economy and costs; otherwise the parties would need to seek revision or appeal to the Federal Supreme Court.

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