Victim’s appointed counsel: spouse’s finances count in indigence assessment

RBOG 1997 Nr. 46Übriges Gericht04.12.1997Other

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Thurgau Superior Court held that, when deciding whether a victim is indigent enough for official representation under § 55 para. 2 aStPO (TG), the income and financial capacity of the victim’s spouse must also be considered. This includes the possibility of obtaining a litigation-cost advance from the spouse on the basis of marital support duties or matrimonial property claims. The court treated official victim representation as analogous to legal aid in civil proceedings and as a form of state social assistance that is subsidiary to family-law support obligations. The amount of any spouse contribution depends on the circumstances of the individual case.

Omnilex-Regeste

§ 55 Abs. 2 aStPO (TG); Bedürftigkeit des Opfers bei Bestellung eines Offizialvertreters: Bei der Beurteilung der finanziellen Bedürftigkeit sind auch die Einkünfte des Ehegatten und dessen Fähigkeit zu einem Prozesskostenvorschuss zu berücksichtigen. Die Bestellung eines Offizialvertreters im Opferhilfeverfahren entspricht funktionell der unentgeltlichen Rechtspflege als Sonderfall staatlicher Sozialhilfe und tritt gegenüber familienrechtlichen Beistands- und Beitragspflichten zurück, namentlich unter Ehegatten. Das Ausmass eines allfälligen Vorschusses bestimmt sich nach den konkreten Umständen des Einzelfalls.

Gesamter Gesetzestext

Amtliche Vertretung eines bedürftigen Opfers: Bei der Berechnung der Bedürftigkeit ist die finanzielle Leistungsfähigkeit des Ehegatten des Opfers miteinzubeziehen


§ 55 Abs. 2 aStPO (TG)


Bei Bedürftigkeit kann einem Opfer die amtliche Vertretung gewährt werden, sofern die Wahrung seiner Interessen dies rechtfertigt und seine Zivilansprüche glaubhaft gemacht sind (§ 55 Abs. 2 StPO). Die Bestimmung eines Offizialvertreters ist nicht anders als die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung mit Offizialanwalt im Zivilprozess letztlich ein Spezialfall staatlicher Sozialhilfe (vgl. RBOG 1995 Nr. 34, 1992 Nr. 27).

In Rechnung zu ziehen ist auch das Einkommen des Ehegatten und die Möglichkeit, von diesem entsprechend seinem Leistungsvermögen einen Prozesskostenvorschuss gestützt auf die eheliche Beistandspflicht oder auf güterrechtliche Ansprüche zu erhalten. Die Pflicht des Staates zur Bestellung eines Offizialvertreters im Opferhilfeprozess geht ebenso wie diejenige zur Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Zivilprozess der Beistands- und Beitragspflicht aus Familienrecht nach, insbesondere auch im Verhältnis zwischen Ehegatten; das gilt auch für die Kosten vermögensrechtlicher Prozesse mit einem Dritten und betrifft auch die Ehefrau (Sträuli/Messmer, Kommentar zur Zürcherischen Zivilprozessordnung, Zürich 1982, § 84 N 3; Bräm, Zürcher Kommentar, Zürich 1993, Art. 159 ZGB N 130; Hausheer/Reusser/Geiser, Kommentar zum Eherecht, Bd. I, Bern 1988, Art. 159 ZGB N 38; Hegnauer/Breitschmid, Grundriss des Eherechts, 3.A., N 15.18; BGE 85 I 5; ABOW 1990/91 S. 44 f.). Diese Grundsätze müssen ohne weiteres auch auf den Opferhilfeprozess Anwendung finden. Das Ausmass einer solchen Prozesskostenvorschusspflicht des Ehegatten bestimmt sich nach den Umständen des Einzelfalls.

Präsident des Obergerichts, 4. Dezember 1997, SB 97 56

Schlagwörter

victim assistanceindigenceofficial representationspousal supportcost advancelegal aid

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the spouse’s income and ability to advance litigation costs must be included when assessing the victim’s indigence for official representation.

Extrahierter Entscheid

Yes. The spouse’s financial capacity must be taken into account, including the possibility of a cost advance based on marital support duties or matrimonial property claims.

Extrahierte Begründung

The court analogized official victim representation to state-funded legal aid in civil proceedings and treated both as a special form of social assistance. Because family-law support and contribution duties are prior to state aid, the spouse’s means are relevant; the amount of any advance depends on the case circumstances.

Kernrechtsfrage

Under what conditions may official representation be granted to a victim in need.

Extrahierter Entscheid

It may be granted only if protecting the victim’s interests so warrants and the civil claims are made plausible.

Extrahierte Begründung

These statutory requirements were reiterated as cumulative prerequisites for victim assistance by appointed counsel.

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