Subsistence minimum of maintenance debtor despite obligee's own income

RBOG 1997 Nr. 02Übriges Gericht06.10.1997Other

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Rekurskommission held under former Art. 145 ZGB that the maintenance debtor's subsistence minimum is generally protected even when the maintenance creditor also earns income. A shortfall in maintenance is not to be allocated to the employed, support-obliged spouse so long as the debtor contributes the majority of the total income. The court emphasized that the debtor's financial capacity remains the decisive limit for family-law maintenance, and that equal shortfall allocation would be impractical and would weaken incentives to maintain earning capacity.

Omnilex-Regeste

Art. 145 aZGB; allocation of maintenance shortfall where both spouses have income. The financial capacity of the maintenance debtor constitutes the general limit for all family-law maintenance obligations. As a rule, the debtor's subsistence minimum must be preserved; the creditor spouse bears the shortfall as a consequence of the spouses' role distribution and this is not contrary to equality or gender equality. This principle also applies in child-maintenance contexts and even where the entitled parent engages in gainful employment in addition to childcare. A different allocation is not justified merely because both spouses earn income; the debtor's minimum livelihood is to be spared at least so long as that spouse contributes predominantly to the total family income (consid. cited in the headnote).

Gesamter Gesetzestext

Ein Manko darf den erwerbstätigen, unterhaltspflichtigen Ehegatten nicht belasten, solange er mehrheitlich zum Gesamteinkommen beiträgt


Art. 145 aZGB (Stand vom 10.12.1907)


Die Schranke der finanziellen Leistungskraft des Rentenschuldners bildet für alle familienrechtlichen Unterhaltspflichten die Regel. Dass der Rentengläubiger den Ausfall zu tragen hat, ist Folge der gewählten Rollenverteilung in der Ehe und kann nicht unter Hinweis auf die Rechtsgleichheit und die Gleichstellung der Geschlechter in Frage gestellt werden. Mit dem Verzicht auf eine gleichmässige Mankoaufteilung zwischen den Ehegatten soll primär die Bereitschaft aufrecht erhalten werden, die Arbeitskraft und den Arbeitswillen zu erhalten; bei einem selbst auf die Sozialhilfe angewiesenen unterhaltspflichtigen Ehegatten dürfte diese Bereitschaft in der Regel gering sein. Weiter ist zu berücksichtigen, dass der administrative Mehraufwand, der dadurch entsteht, dass beide Ehegatten anteilsmässig von der Fürsorge unterstützt werden müssen, ohne dass die unterhaltsberechtigte Partei deshalb über mehr Mittel verfügen würde, vermieden werden sollte (BGE 121 I 101). In BGE 123 III 1 ff. (insbesondere S. 8 f.) wurde diese Rechtsprechung dahingehend präzisiert, in der Regel könne sich der Richter auch bei Bemessung des Beitrags für die Kinder nicht über die Schranke der Leistungsfähigkeit des unterhaltspflichtigen Elternteils hinwegsetzen; selbst wenn Kinderunterhaltsbeiträge zur Diskussion stehen, ist dem Rentenschuldner das Existenzminimum grundsätzlich zu belassen. Dies gilt nicht nur dann, wenn lediglich dieser erwerbstätig ist, sondern auch dann, wenn sich der anspruchsberechtigte Elternteil nicht ausschliesslich der Kinderbetreuung widmet, sondern ausserdem teilweise einer entgeltlichen Arbeit nachgeht (vgl. BGE 123 III 3). In einem solchen Fall anders vorzugehen als dann, wenn nur ein Ehegatte erwerbstätig ist, lässt sich sachlich nicht rechtfertigen: Auch hier muss vermieden werden, dass beide Parteien auf die Hilfe der Fürsorge angewiesen sind. Nicht mit unwesentlichen Schwierigkeiten verbunden wäre es ferner, das Manko prozentual aufzuteilen und im Einzelfall zu entscheiden, ab wann es der finanzielle Beitrag des leistungsschwächeren Gatten rechtfertigt, einen Teil des Mankos von ihm tragen zu lassen. Das Existenzminimum des Rentenschuldners ist deshalb grundsätzlich auch dann zu schonen, wenn die anspruchsberechtigte Partei ebenfalls ein Einkommen erzielt; dies gilt zumindest solange, als der Rentenschuldner mehrheitlich zum Gesamteinkommen beiträgt.

Rekurskommission, 6. Oktober 1997, ZR 97 61

Schlagwörter

maintenancesubsistence minimumshortfall allocationearned incomefamily lawequalityability to pay

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the maintenance debtor's subsistence minimum may be encroached upon when the obligee also has earned income, provided the debtor still contributes more than half of the household income.

Extrahierter Entscheid

The debtor's subsistence minimum must generally still be preserved; the shortfall is not to be shifted onto the employed, support-obliged spouse as long as that spouse contributes the majority of the total income.

Extrahierte Begründung

The court relied on the principle that the debtor's financial capacity is the general limit for family-law maintenance obligations. Equal sharing of a shortfall would undermine incentives to maintain work capacity and work willingness and would create unnecessary administrative complexity. These considerations apply even where the entitled spouse also earns income.

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