Victim participation rights in criminal proceedings under the OHG

RBOG 1995 Nr. 24Übriges Gericht10.05.1994Other

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Obergericht held that the seriously injured child is a victim under the OHG and that the parents, as close relatives pursuing civil claims, may invoke the same procedural rights. It further held that Art. 8 OHG requires victim participation already in the investigation and first-instance criminal proceedings, including on issues relevant to criminal liability where this may affect civil claims. Although the district court had wrongly denied the victims a chance to explain their motions at the hearing, the defect was cured on appeal because they were later given full participation rights and used them.

Omnilex-Regeste

Art. 2, Art. 8 OHG; victim status and scope of participation rights in criminal proceedings: A person is a victim if directly and immediately impaired in bodily or psychological integrity by an offence. Close relatives are treated like the victim for the exercise of procedural rights and the pursuit of civil claims, provided they assert claims against the offender. Art. 8 OHG must be construed teleologically so as to ensure effective enforcement of compensation claims; where the criminal determination may affect civil claims, participation rights extend already to the investigation and first-instance proceedings, including the criminal point. A denial of participation may be cured on appeal if the victims are subsequently granted full and effective participation (consid. 2-3).

Gesamter Gesetzestext

Mitwirkung des Opfers im Strafverfahren


Art. 8 aOHG


1. Der Berufungskläger machte sich der fahrlässigen schweren Körperverletzung zum Nachteil eines Kindes schuldig. Im Berufungsverfahren bringen das Kind und dessen Eltern vor, in der Strafuntersuchung und vor Bezirksgericht seien ihre Parteirechte krass verletzt worden.

2. Um als Opfer im Sinn des OHG anerkannt zu werden, muss nach Art. 2 OHG eine Person durch eine Straftat in ihrer körperlichen und psychischen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden sein. Zu den in Frage kommenden Beeinträchtigungen zählen Tötung, Körperverletzung, psychische Schädigung sowie Beeinträchtigungen der Gesundheit (RBOG 1993 Nr. 34). Das schwerverletzte Kind ist daher Opfer im Sinn des OHG.

Der Ehegatte des Opfers, dessen Kinder und Eltern sowie andere Personen, die ihm in ähnlicher Weise nahestehen, werden, soweit ihnen Zivilansprüche gegenüber dem Täter zustehen, bei der Geltendmachung von Verfahrensrechten und Zivilansprüchen gemäss Art. 8 und 9 OHG sowie bei der Geltendmachung von Entschädigung und Genugtuung nach Art. 11 bis 17 OHG dem Opfer gleichgestellt (Art. 2 Abs. 1 lit. b und c OHG). Wie das Kind selbst berufen sich dessen Eltern, welche zusammen mit dem Kind im Grundsatz eine Schadenersatz- und Genugtuungsforderung gegen den Berufungskläger geltend machen, somit zu Recht auf die Verfahrensrechte, die Art. 8 OHG einräumt.

3. Art. 8 Abs. 1 lit. a OHG schreibt nicht ausdrücklich vor, welche konkreten Mitwirkungsrechte einem Opfer zukommen, das im Rahmen des Strafverfahrens Zivilforderungen erhebt. Art. 8 OHG soll jedoch gewährleisten, dass ein Opfer seine Entschädigungsansprüche wirksam geltend machen kann (vgl. BBl 1990 II 985). Dieser Zweck kann in der Regel nur dadurch erreicht werden, dass das Opfer die Möglichkeit erhält, Einfluss auf die Frage der strafrechtlichen Verantwortlichkeit und des strafrechtlichen Verschuldens des Schädigers zu nehmen, sofern der Entscheid darüber Auswirkungen auf den Zivilpunkt haben kann. Dass einem Opfer im Sinn des OHG umfassendere Mitwirkungsrechte zustehen als einem anderen Geschädigten, ergibt sich auch aus Art. 8 Abs. 1 lit. c OHG, wonach das Opfer den Gerichtsentscheid mit den gleichen Rechtsmitteln anfechten kann wie der Beschuldigte, wenn es sich bereits vorher am Verfahren beteiligt hat und soweit der Entscheid seine Zivilansprüche betrifft oder sich auf deren Beurteilung auswirken kann. In solchen Fällen, in denen das Opfer also auch im Strafpunkt Berufung erheben könnte, ist eine Beteiligungsmöglichkeit des Opfers deshalb auch für die Strafuntersuchung und das erstinstanzliche Gerichtsverfahren zu bejahen, denn es würde wenig Sinn machen, hinsichtlich des Strafpunkts das Opfer gleichsam auf die Berufungsmöglichkeit zu vertrösten.

Demnach hätten das Bezirksamt und das Bezirksgericht - jedenfalls ab dem 1. Januar 1993, dem Zeitpunkt des Inkrafttretens des OHG - dem Kind und dessen Eltern eine Mitwirkung am Strafverfahren auch in bezug auf den Strafpunkt in gleicher Weise wie dem Berufungskläger gestatten müssen. Dies gilt erst recht hinsichtlich der Zivilforderungen. Diesen sich aus dem OHG ergebenden Anspruch der drei Opfer auf rechtliches Gehör zum Strafpunkt und zu den Zivilansprüchen missachtete das Bezirksgericht insbesondere dadurch, dass den Opfern anlässlich der Gerichtsverhandlung verwehrt wurde, Ausführungen zur Begründung der von ihnen gestellten Anträge zu machen.

Dieser Verfahrensmangel im Zusammenhang mit dem Mitwirken der Opfer wurde im Rahmen des Berufungsverfahrens geheilt: Den Opfern wurden umfassende Mitwirkungsmöglichkeiten eingeräumt, die sie auch nutzten.

Obergericht, 10. Mai 1994, SB 94 15

Schlagwörter

victim rightscriminal procedurecivil claimsright to be heardparticipation rightsbodily injuryfamily membersappeal cure

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the injured child qualifies as a victim under the OHG.

Extrahierter Entscheid

Yes. A person is a victim if directly affected in physical or psychological integrity by an offence; the seriously injured child therefore qualifies as a victim.

Extrahierte Begründung

Art. 2 OHG covers direct impairment of bodily and mental integrity, including bodily injury and health injury.

Kernrechtsfrage

Whether the parents may invoke the participation rights under Art. 8 OHG.

Extrahierter Entscheid

Yes, to the extent they assert civil claims arising from the offence and stand close to the victim as parents.

Extrahierte Begründung

Under Art. 2 para. 1 lit. b and c OHG, close relatives are treated like the victim for asserting procedural rights and civil claims, if they have civil claims against the offender.

Kernrechtsfrage

Whether victims must be allowed to participate in the criminal proceedings on the criminal point and civil claims.

Extrahierter Entscheid

Yes. Art. 8 OHG must be interpreted to allow effective assertion of compensation claims; where the victim may later appeal also on the criminal point, participation must already be granted in investigation and first-instance proceedings.

Extrahierte Begründung

The purpose of Art. 8 OHG and Art. 8 para. 1 lit. c OHG shows that a victim’s role is broader than that of an ordinary injured person; denying participation at first instance would make the later appeal right on the criminal point pointless.

Kernrechtsfrage

Whether the procedural defect caused by denying the victims a hearing at trial was cured on appeal.

Extrahierter Entscheid

Yes. The appeal proceedings provided the victims with full participation rights, which they actually exercised, so the defect was remedied.

Extrahierte Begründung

A violation of the victims’ participation rights can be cured in appellate proceedings if the victims are subsequently given comprehensive opportunities to participate.

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