Appeal discontinued for failure to file appeal statement

STK 2020 27Übriges Gericht26.05.2020Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Schwyz Cantonal Court President dealt with the defendant’s appeal against a first-instance fraud conviction. Although the notice of appeal was filed in time, no appeal statement was submitted within the 20-day deadline. The court held that both steps are validity requirements; the missing statement amounted to a later waiver. The appeal was therefore discontinued. Second-instance court costs of CHF 300 were charged to the state, and no compensation was awarded.

Omnilex-Regeste

Art. 399 Abs. 1 und 3 StPO; validity requirements for appeal notice and appeal statement; consequence of missing appeal statement. The filing of a notice of appeal does not by itself perfect the appeal. Where the appeal statement is not submitted within the statutory period, the appeal is not validly pursued; the omission is to be treated as a subsequent waiver. In such a constellation, the appeal is not processed under the withdrawal provisions of Art. 403 StPO, but discontinued by presiding order pursuant to cantonal procedural practice and Art. 386 StPO (consid. 3). Court costs may be charged to the state where the appeal is discontinued for this reason, and compensation is denied absent compensable effort (consid. 4).

Gesamter Gesetzestext

Kantonsgericht Schwyz

1

Verfügung vom 26. Mai 2020

STK 2020 27

Mitwirkend

Kantonsgerichtspräsident Dr. Urs Tschümperlin.

In Sachen

A.________, Beschuldigter und Berufungsführer, amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________,

gegen

Kantonale Staatsanwaltschaft,

Postfach 75, Sicherheitsstützpunkt Biberbrugg, 8836 Bennau, Anklagebehörde und Berufungsgegnerin, vertreten durch Staatsanwalt C.________,

betreffend

Betrug

(Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts vom 11. Oktober 2019, SGO 2018 26);-

hat der Kantonsgerichtspräsident,

nachdem sich ergeben und in Erwägung:

  • dass das Strafgericht Schwyz mit Urteil vom 11. Oktober 2019 im Verfahren SGO 2018 26 den Beschuldigten A.________ des mehrfachen Betrugs und mehrfachen versuchten Betrugs zu Lasten der kantonalen Arbeitslosenkasse St. Gallen im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB schuldig sprach, ihn mit einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten bedingt bei einer Probezeit von 2 Jahren bestrafte sowie die Verfahrenskosten regelte,

  • dass der Verteidiger des Beschuldigten namens und auftrags seines Klienten gegen das im Dispositiv eröffnete Urteil am 25. Oktober 2019 fristgerecht Berufung angemeldet hat (Art. 399 Abs. 1 StPO) und ihm das begründete Urteil am 20. April 2020 zugestellt wurde (KG-act. 5);

  • dass innert der zwanzigtägigen Frist von Art. 399 Abs. 3 StPO, welche am Montag, 11. Mai 2020 endete, keine Berufungserklärung eingegangen ist;

  • dass die Befristungen für Berufungsanmeldung und -erklärung Gültigkeitsvorschriften sind, sodass zur gültigen Einlegung einer Berufung der diesbezügliche Wille zweimal zu erklären ist, abgesehen vom Fall, in welchem ein Urteil direkt begründet zugestellt wird (BGE 138 IV 157 , E. 2.1 f.; Luzius Eugster, in: Basler Kommentar StPO, 2. Auflage, Art. 399 N 1 StPO; Markus Hug, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Art. 399 N 10 f.; a.M. Schmid StPO PK, Art. 399 N 10 f. und 403 N 4);

  • dass damit die Berufung zwar angemeldet, aber nicht erklärt worden ist, was auf einen nachträglichen Verzicht hinausläuft, weshalb praxisgemäss nicht nach Art. 403 Abs. 1 lit. a und Abs. 3 StPO zu verfahren, sondern die Berufung im Verfahren nach § 40 Abs. 2 JG präsidial abzuschreiben ist (Art. 386 StPO und STK 2012 22 vom 7. Mai 2012);

  • dass die Gerichtskosten der zweiten Instanz bei diesem Ausgang zu Lasten des Staates gehen und Entschädigungen mangels Aufwands nicht zu sprechen sind;-

verfügt:

1. Die Berufung wird als durch Verzicht auf Berufungserklärung erledigt abgeschrieben.

2. Die zweitinstanzlichen Gerichtskosten von Fr. 300.00 gehen zu Lasten des Staates.

3. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung nach Massgabe von Art. 78 ff. des Bundesgerichtsgesetzes *Beschwerde in Strafsachen * beim Bundesgericht in Lausanne eingereicht werden. Die Beschwerdeschrift muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen.

4. Zufertigung an Rechtsanwalt B.________ (2/R), die Oberstaatsanwaltschaft (1/R), die kantonale Staatsanwaltschaft (1/A), die Vorinstanz (1/ü) sowie nach definitiver Erledigung an die Vorinstanz (1/ES, die Rückgabe der Akten erfolgt nach Erledigung aller Berufungen; zur Erstattung der Meldungen an das Amt für Justizvollzug und an die KOST) und an die Kantonsgerichtskasse (1/ü im Dispositiv).

Der Kantonsgerichtspräsident

Versand

26. Mai 2020 sl

Schlagwörter

appeal proceduredeadlinewaiverdiscontinuationcriminal fraudcourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the appeal had to be discontinued because no appeal statement was filed after timely notice of appeal.

Extrahierter Entscheid

The appeal was only noticed, but not properly perfected by filing an appeal statement within the deadline; this is treated as a subsequent waiver and the appeal must be discontinued.

Extrahierte Begründung

The deadlines for appeal notice and appeal statement are validity requirements. Since no appeal statement was filed by the statutory deadline, the appeal was not validly pursued and should be struck from the docket rather than processed under the ordinary withdrawal provisions.

Kernrechtsfrage

Allocation of second-instance costs and compensation

Extrahierter Entscheid

Second-instance court costs are borne by the state and no compensation is awarded because no compensable effort occurred.

Extrahierte Begründung

Given the procedural outcome, costs are assigned to the state; no party expenditure was established, so no indemnity is granted.

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