Habeas appeal struck out as moot after release from detention

BEK 2017 174Übriges Gericht20.12.2017Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The defendant appealed an order of pre-trial detention in relation to allegations of attempted serious bodily injury and assault, seeking immediate release, access to records, substitute measures, a time limit, and findings of breaches of expedition and hearing rights. During the appeal, he was released from custody. The Schwyz Cantonal Court held that the appeal had become moot because no current protected interest remained in reviewing the detention grounds before the release date. It further refused to decide the asserted file-access and delay complaints, and ordered no costs while leaving appointed-counsel compensation to the main case.

Omnilex-Regeste

Art. 212 Abs. 2 lit. a StPO, Art. 224 Abs. 2 StPO, Art. 135 Abs. 2 StPO; mootness of detention appeal after release from custody. A complaint against pre-trial detention becomes moot once the accused is released, absent a current or otherwise legally protected interest in adjudicating the earlier detention grounds. A retrospective review is not justified merely by an allegedly excessive detention duration or by abstract interest in the legality of custody; a special interest beyond the individual case must be shown. Alleged violations concerning access to investigative records are not examined in detention proceedings unless the prosecutor has incorporated those records into the detention file. If the appeal is struck out as moot, the court may waive costs and leave the appointed defense counsel’s compensation to the merits proceedings.

Gesamter Gesetzestext

Kantonsgericht Schwyz

1

Verfügung vom 20. Dezember 2017

BEK 2017 174

Mitwirkend

Kantonsgerichtsvizepräsidentin lic. iur. Daniela Pérez-Steiner, Gerichtsschreiber lic. iur. Mathis Bösch.

In Sachen

A.________, Beschuldigter und Beschwerdeführer, amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________,

gegen

Kantonale Staatsanwaltschaft, Postfach 75, SSB, 8836 Bennau, Strafverfolgungsbehörde und Beschwerdegegnerin, vertreten durch Staatsanwalt C.________,

betreffend

Untersuchungshaft

(Beschwerde gegen die Verfügung des Einzelrichters am Zwangsmassnahmengericht vom 4. November 2017, ZME 2017 129);-

hat die Kantonsgerichtsvizepräsidentin,

nachdem sich ergeben und in Erwägung:

  • dass der Einzelrichter am Zwangsmassnahmengericht mit Verfügung vom 4. November 2017 die Haft des wegen Verdachts versuchter schwerer Körperverletzung und Angriffs inhaftierten Beschuldigten bis am 1. Februar 2018 anordnete;

  • dass der Beschuldigte mit Beschwerde vom 14. November 2017 in Aufhebung dieser Verfügung sofortige Haftentlassung, eventualiter Akteneinsicht und erneute Stellungnahme, subeventualiter die Anordnung von Ersatzmassnahmen anstelle von Untersuchungshaft und subsubeventualiter die Befristung der Untersuchungshaft sowie ausserdem die Feststellung der vorinstanzlichen Verletzung des Beschleunigungsgebotes sowie des rechtlichen Gehörs im Dispositiv beantragt;

  • dass die kantonale Staatsanwaltschaft dazu am 20. November 2017 Stellung nahm und unter Einreichung zusätzlicher Akten die Beschwerdeabweisung beantragte (KG-act. 6), wozu der Beschwerdeführer am 27. November 2017 replizierte (KG-act. 9);

  • dass der Beschwerdeführer am 29. November 2017 von der Staatsanwaltschaft aus der Untersuchungshaft entlassen wurde (KG-act. 11), sein Verteidiger jedoch auf Anfrage (KG-act. 12) mit Eingabe vom 6. Dezember 2017 an der Beschwerde, namentlich der Behandlung seiner Feststellungsanträge festhielt (KG-act. 13), wozu die Staatsanwaltschaft innert angesetzter Frist sich nicht mehr vernehmen liess;

  • dass nach der Entlassung das Beschwerdeverfahren gegenstandslos geworden ist, wobei die Entlassung nach Art. 212 Abs. 2 lit. a StPO nicht indiziert, die anfänglich durch den Vorderrichter angeordnete Haftdauer sei unangemessen, und der Beschwerdeführer kein aktuelles oder über den Einzelfall hinaus schützenswertes Interesse an der Prüfung des Vorliegens der Haftvoraussetzungen vor dem 29. November 2017 begründet;

  • dass die Kosten- und Entschädigungsauflagen zur Hauptsache verwiesen sind, weshalb darüber ohnehin kein anfechtbarer Entscheid vorliegt;

  • dass der Beschwerdeführer die Rechtzeitigkeit des vorderrichterlichen, im Dispositiv umgehend eröffneten Entscheids nicht bestreitet, aber – abgesehen davon, dass es nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zulässig sein soll, schon nach Vorliegen eines blossen Dispositivs Beschwerde zu erheben (BGE 137 IV 230 E. 2.3) – auch keine konkreten Umstände dartut, weshalb die unüblich lange Begründungsdauer von sechs Tagen derart schwerwiegend gegen das Beschleunigungsgebot verstosse, dass die Überprüfung dessen Einhaltung nicht dem Sachrichter überlassen werden könnte (dazu vgl. auch Beeler, ASR 822, 2016, S. 125);

  • dass der Beschwerdeführer, soweit er mangelnde Einsicht in Einvernahmeprotokolle der Geschädigten und anderen Beschuldigten beanstandet, übersieht, dass Untersuchungsakten weder Gegenstand des Haftprüfungsverfahrens noch des Haftbeschwerdeverfahrens sind, soweit sie durch die Staatsanwaltschaft nicht ins Haftverfahren eingeführt werden (Art. 224 Abs. 2 StPO; vgl. Schmid/Jositsch, PK, 32018, Art. 224 StPO N 8), weshalb die von ihm geltend gemachten angeblichen Gehörsverletzungen vorliegend nicht zu beurteilen bzw. festzustellen sind;

  • dass damit das vorliegende Verfahren, soweit auf die Beschwerde überhaupt einzutreten ist, gegenstandslos geworden präsidial abzuschreiben ist (§ 40 Abs. 2 JG); und

  • dass von einer Kostenerhebung abzusehen ist und die Entschädigung des Verteidigers bei der Hauptsache verbleibt (Art. 135 Abs. 2 StPO);-

verfügt:

1. Die Beschwerde wird, soweit darauf einzutreten ist, als gegenstandslos geworden abgeschrieben.

2. Für das Beschwerdeverfahren werden keine Kosten erhoben.

3. Die Entschädigung des amtlichen Verteidigers verbleibt bei der Hauptsache.

4. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung nach Art. 78 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) Beschwerde in Strafsachen beim Bundesgericht in Lausanne eingereicht werden. Die Beschwerdeschrift muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen.

5. Zufertigung an Rechtsanwalt B.________ (2/R), die kantonale Staatsanwaltschaft (1/A), die Oberstaatsanwaltschaft (1/R) und die Vorinstanz (1/ü sowie nach definitiver Erledigung 1/ES mit den Akten).

Die Kantonsgerichtsvizepräsidentin

Der Gerichtsschreiber

Versand

20. Dezember 2017 rfl

Schlagwörter

pre-trial detentionmootnesscurrent interestexpedition principleright to be heardfile accesscostsappointed counsel

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the detention appeal remained justiciable after the appellant's release from custody.

Extrahierter Entscheid

The appeal became moot after release because the appellant lacked a current or otherwise protected interest in reviewing the detention grounds before 2017-11-29.

Extrahierte Begründung

Once the defendant was released, there was no practical need to decide the detention question; no exceptional interest in reviewing the earlier detention was shown.

Kernrechtsfrage

Whether the court had to examine alleged violations of the duty of expedition and of the right to be heard.

Extrahierter Entscheid

No. The appellant did not show concrete circumstances making the six-day delay in drafting reasons a serious breach of the acceleration principle, and the claimed access-to-file complaints were not reviewable in the detention appeal because the investigative records were not introduced into the detention file.

Extrahierte Begründung

The challenge to the reasoning delay was insufficiently substantiated; access to investigative records is not part of the detention review unless the prosecutor includes them in the detention proceedings.

Kernrechtsfrage

Whether costs and counsel compensation had to be decided in the appeal proceedings.

Extrahierter Entscheid

No separate appealable decision on costs or compensation was before the court; those matters remained reserved to the main proceedings.

Extrahierte Begründung

Because the cost and compensation issues were referred to the merits, they were not independently open to appellate review at this stage.

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