Criminal complaint deadline and reconciliation attempt

ZZ.1999.20Übriges Gericht30.08.1999

Zusammenfassung

The court held that for defamation and similar offences prosecuted only upon complaint, the three-month complaint period under Art. 29 StGB is not met merely by requesting a peace-judge summons. Under § 79(2) StPO, the complainant must also file proof within the same period that reconciliation took place or was at least requested. Because Solothurn law does not provide for automatic transmission of the peace-judge file to the investigating authority, the summons request alone does not preserve the deadline.

Regest

Art. 29 StGB; § 79 Abs. 2 StPO: For complaint-only offences, the criminal complaint must be filed within three months, and in honour-offence and assault cases the complainant must additionally submit within the same period proof that a reconciliation attempt took place or was at least requested. A mere request for summons before the peace judge does not preserve the limitation period where cantonal procedure does not provide for automatic forwarding of the file to the investigating authority after the failed conciliation attempt; such preservation exists only where the legal system makes the continuation of proceedings automatic after conciliation has failed.

Gesamter Gesetzestext

Geschäftsnummer:** ZZ.1999.20**
Instanz:Strafkammer
Entscheiddatum:31.08.1999
FindInfo-Nummer:O_ST.2014.679
Titel:** Strafantragsfrist und Sühneversuch des Friedensrichters**
Resümee:** Art. 29 StGB, § 79 Abs. 2 StPO. Strafantragsfrist und Sühneversuch des Friedensrichters.**
SOG 1999 Nr. 20 ** Art. 29 StGB, § 79 Abs. 2 StPO*.Strafantragsfrist und Sühneversuch des Friedensrichters.* 2. Die beim Untersuchungsrichteramt eingegangene "Klage" gegen die Beschuldigten bezieht sich ausdrücklich auf Verleumdung nach Art. 174 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, eventuell auf üble Nachrede gemäss Art. 173 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, beides Delikte, die nur auf Antrag hin verfolgt werden. Der Strafantrag hat innert der dreimonatigen Frist von Art. 29 StGB zu erfolgen. Nach dem unzweideutigen Wortlaut des § 79 Abs. 2 StPO hat der Antragsteller bei Ehrverletzungs- und Tätlichkeitsdelikten innert derselben Frist zudem eine Bescheinigung darüber einzureichen, dass der Sühneversuch stattgefunden hat oder wenigstens verlangt wurde. Das Vorladungsbegehren vor den Friedensrichter allein vermag die Strafantragsfrist jedoch nicht zu wahren, da dieser nach solothurnischem Recht den Weisungsschein nicht von Amtes wegen dem Untersuchungsrichter überweist (im Vorentwurf von 1965 zur Strafprozessordnung war dies noch so vorgesehen, wurde dann aber bei der Überarbeitung von 1967 abgelehnt, s. Vorentwurf Häfliger zu § 78 StPO). Nur diesfalls, wenn nach einem gescheiterten Sühneversuch das Verfahren ohne weitere Erklärung des Antragstellers seinen Lauf nähme, wäre nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung die Antragsfrist durch Vorladungsbegehren zur friedensrichterlichen Verhandlung gewahrt (BGE 106 IV 245; Stefan Trechsel: Schweizerisches Strafgesetzbuch, Kurzkommentar, Zürich 1997, N 11 zu Art. 29). Ein solcher Automatismus war aber nicht der Wille des Gesetzgebers (Botschaft und Entwurf des Regierungsrates über die Änderung der Strafprozessordnung sowie der Gerichtsorganisation in Strafsachen vom 27. Februar 1990, Kommentar zu § 79; vom Kantonsrat in seiner Sitzung vom 4. Juli 1990 kommentarlos angenommen, KRV 1990, S. 729). Auch andere Kantone kennen ähnliche Regelungen (für den Kanton Zürich s. BGE 103 IV 131, für den Kanton St.Gallen s. 105 IV 165). * Obergericht Anklagekammer, Urteil vom 31. August 1999*

Schlagwörter

criminal complaintlimitation periodreconciliation attemptpeace judgedefamationprocedural law