Inventory under Art. 195a ZGB needs no threat showing

ZZ.1998.4Übriges Gericht27.11.1998Modified

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The appellate civil chamber upheld the wife's complaint against the first-instance refusal to order an inventory. It held that Art. 195a ZGB gives each spouse an unconditional right to demand an inventory of the parties' assets by public deed at any time, including after a divorce action has been filed. The measure is not a special safeguarding measure and therefore does not require prima facie proof that matrimonial property claims are endangered. The court ordered the inventory without remitting the matter.

Omnilex-Regeste

Art. 195a ZGB; inventory of matrimonial assets; no requirement of prima facie danger to matrimonial property claims. The spouse's right to demand an inventory under Art. 195a(1) ZGB is unconditional and may be exercised at any time, even in an intact marriage and a fortiori after commencement of divorce proceedings. The measure does not interfere with the other spouse's power of disposal or use of the assets, but serves informational purposes and is functionally related to the duty to provide information under Art. 170 ZGB. It is therefore not a special protective measure requiring a showing of threatened claims (consid. 10-11).

Gesamter Gesetzestext

Geschäftsnummer:** ZZ.1998.4**
Instanz:Zivilkammer
Entscheiddatum:28.11.1998
FindInfo-Nummer:O_ZK.2014.730
Titel:** Voraussetzung für Inventaraufnahme**
Resümee:** Art. 195a ZGB. Die Aufnahme eines Inventars erfordert kein Glaubhaftmachen der Gefährdung güterrechtlicher Ansprüche.**
SOG 1998 Nr. 4 ** Art. 195a ZGB.** Die Aufnahme eines Inventars erfordert kein Glaubhaftmachen der Gefährdung güterrechtlicher Ansprüche. Im Rahmen der Regelung vorsorglicher Massnahmen nach Art. 145 ZGB hat es der Gerichtspräsident abgelehnt, die Aufnahme eines Inventars anzuordnen. Das Obergericht heisst die durch die Ehefrau erhobene Nichtigkeitsbeschwerde aus folgenden Gründen gut: 10. Schliesslich hat der Gerichtspräsident den Antrag auf Errichtung eines Inventars gemäss Art. 195a ZGB abgewiesen. Zwar hat er richtig (Spühler/Frei-Maurer: Berner Kommentar, Das Familienrecht, Ergänzungsband, N 323 zu Art. 145 ZGB) erkannt, er sei hierfür kompetent, meinte aber, Voraussetzung sei die Glaubhaftmachung einer Gefährdung güterrechtlicher Ansprüche. Das ist unzutreffend: Nach Art. 195a Abs. 1 ZGB kann "jeder Ehegatte [...] jederzeit vom andern verlangen, dass er bei der Aufnahme eines Inventars ihrer Vermögenswerte mit öffentlicher Urkunde mitwirkt". Weder ist erforderlich, dass er eigene Ansprüche nachweist, noch, dass irgend eine Gefährdung glaubhaft gemacht wird. Die Inventaraufnahme ist schon bei intakter Ehe voraussetzungslos "jederzeit" möglich. Umso eher ist sie nach Einreichung einer Scheidungsklage zulässig. Der Vorderrichter irrt, wenn er glaubt, die Inventaraufnahme sei eine spezielle Sicherungsmassregel wie etwa das Verfügungsverbot. Sie gehört vielmehr sachlich zur Auskunftspflicht (Art. 170 ZGB), weil der andere Ehegatte weder in seiner Verfügungsmacht noch im Gebrauch oder in der Nutzung seiner Sachen irgendwie beeinträchtigt wird. Sie werden bloss (mit öffentlicher Urkunde) aufgezeichnet. Weil der Gesuchsgegner in keiner Weise eingeschränkt wird, braucht der Gesuchsteller eine Gefährdung durch den andern auch nicht glaubhaft zu machen. Diese Rechtslage galt übrigens bereits vor der Einführung von Art. 195a ZGB: Nach Bühler/Spühler (Berner Kommentar, Die Ehescheidung, Bern 1980, N 320 - 323 zu Art. 145 ZGB) waren - obwohl im Zivilgesetzbuch noch nicht explizit erwähnt - schon damals Begehren um Auskunft und Inventaraufnahme zulässig. Und diese Massnahmen gehörten eben gerade nicht zu den "Sicherungsmassregeln besonderer Art" (kommentiert in den Noten 344 ff.), welche eine Gefährdung durch den Partner voraussetzen (N 349). 11. Der Massnahmerichter hat somit in diesem Punkt das Recht unrichtig angewandt. Auch hier ist also die Beschwerde gutzuheissen. Eine Rückweisung ist diesbezüglich aber nicht nötig. Es ist die Inventaraufnahme anzuordnen. Die Parteien haben gemeinsam eine Urkundsperson zu ernennen. Können sie sich nicht einigen (oder weigert sich ein Partner mitzumachen), wird der Vorderrichter - auf Antrag hin - diese zu bestimmen haben (Hausheer/Reusser/Geiser: Kommentar zum Eherecht, Bern 1988, N 9 zu Art. 195a ZGB). * Obergericht Zivilkammer, Urteil vom 28. November 1998*

Schlagwörter

inventorymatrimonial propertyinformation dutyinterim measuresfamily law

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether an inventory under Art. 195a ZGB requires prima facie proof of a threat to matrimonial property claims.

Extrahierter Entscheid

No. Each spouse may demand an inventory at any time without having to show any threatened property-rights claim.

Extrahierte Begründung

Art. 195a(1) ZGB grants a right to participate in drawing up an inventory of assets by public deed at any time. The measure does not restrict the other spouse's power of disposal or use and is not a special protective measure; it is functionally akin to the duty to provide information under Art. 170 ZGB. Therefore no showing of danger is required.

Kernrechtsfrage

Whether the inventory should be ordered immediately or remitted to the first instance.

Extrahierter Entscheid

The inventory was ordered directly; remittal was unnecessary because no further factual clarification was needed.

Extrahierte Begründung

Since the legal error concerned only the requirement of a threat showing, the appellate court could decide the matter itself and order the inventory.

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