Applicable law for spousal and child maintenance

ZZ.1997.1Übriges Gericht29.06.1997Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Civil Chamber dealt with an appeal against interim maintenance orders in divorce proceedings. The appellant argued that Turkish law should govern the maintenance contributions. The court held that, while Art. 62(2) IPRG generally points to Swiss law for provisional measures, the maintenance conflict rules in Arts. 49 and 83(1) IPRG and the Hague Maintenance Convention require Turkish law for spousal maintenance and Swiss law for child maintenance. Because this split was unsatisfactory in the concrete case and the spouse herself sought Swiss law, the court accepted a uniform application of Swiss law and upheld the lower court.

Omnilex-Regeste

Art. 62 IPRG, Arts. 49 and 83 Abs. 1 IPRG; Art. 4 and Art. 15 Hague Maintenance Convention: In divorce interim measures, the general Swiss-law rule for provisional measures yields to the special conflict rules on maintenance obligations. Spousal maintenance is governed by the law of the creditor’s habitual residence under Art. 4 of the Convention, provided that law affords a maintenance claim; if the Convention’s connecting factors lead to different laws for spouse and child maintenance, a uniform solution may be adopted where justified by the concrete circumstances and by the protective purpose of the conflict rules. The child-maintenance reservation under Art. 15 may require application of Swiss domestic law when both creditor and debtor are Swiss nationals (consid. 1).

Gesamter Gesetzestext

Geschäftsnummer:** ZZ.1997.1**
Instanz:Zivilkammer
Entscheiddatum:30.06.1997
FindInfo-Nummer:O_ZK.2015.33
Titel:** Internationales Privatrecht, Unterhaltsbeiträge, anwendbares Recht**
Resümee:** Art. 145 ZGB; Art. 62 i.V.m. 49 und 83 Abs. 1 IPRG. Wenn nach internationalem Privatrecht für den Ehegattenunterhalt türkisches, jedoch für den Kinderunterhalt schweizerisches Recht massgebend ist, rechtfertigt es sich, einheitlich schweizerisches Recht anzuwenden.**
SOG 1997 Nr. 1 ** Art. 145 ZGB; Art. 62 i.V.m. 49 und 83 Abs. 1 IPRG**.Wenn nach internationalem Privatrecht für den Ehegattenunterhalt türkisches, jedoch für den Kinderunterhalt schweizerisches Recht massgebend ist, rechtfertigt es sich, einheitlich schweizerisches Recht anzuwenden. 1. Der Rekurrent macht geltend, der Vorderrichter habe die Unterhaltsbeiträge zu Unrecht nach schweizerischem Recht und schweizerischer Gerichtspraxis bemessen. Nach dem Bundesgesetz über das Internationale Privatrecht (IPRG, SR 291) sei türkisches Recht anwendbar. Unbestritten ist die örtliche Zuständigkeit zum Erlass vorsorglicher Massregeln. a) Vorsorgliche Massnahmen im Scheidungsprozess unterstehen nach Art. 62 Abs. 2 IPRG grundsätzlich schweizerischem Recht. Diese Regelung steht indessen unter dem Vorbehalt der Bestimmungen des IPRG über die Unterhaltspflicht der Ehegatten und die Wirkungen des Kindesverhältnisses (Abs. 3). Diese Normen finden sich in Art. 49 und 83 Abs. 1. Dort verweist das IPRG für die Unterhaltspflicht zwischen Ehegatten und zwischen Eltern und Kind auf das Haager Übereinkommen über das auf Unterhaltspflichten anzuwendende Recht (SR 0.211.213.01). Das Übereinkommen ist für die Schweiz seit 1. Oktober 1977 in Kraft. Für die Türkei gilt das Abkommen ebenfalls. Art. 4 des erwähnten Haager Übereinkommens erklärt für die Unterhaltspflichten das am gewöhnlichen Aufenthalt des Unterhaltsberechtigten geltende innerstaatliche Recht als massgebend. Führt diese Anknüpfung nicht zu einem Unterhaltsanspruch, wird das Recht der gemeinsamen Staatsangehörigkeit geprüft (Art. 5). Ergibt sich auch daraus kein Anspruch auf Unterhalt, gelangt schliesslich das innerstaatliche Recht der angerufenen Behörde zur Anwendung (Art. 6). b) Die Ehefrau hält sich mit ihrem Sohn in Istanbul auf. Die Türkei hat das schweizerische Eherecht weitgehend übernommen (Alexander Bergmann/Murad Ferid: Internationales Ehe- und Kindschaftsrecht, Bd. XV, 123. Lieferung 1995, Frankfurt a.M., S. 11 ff.). Es ist folglich davon auszugehen, dass - gleich wie nach schweizerischem Recht - auch nach den türkischen Bestimmungen ein Anspruch auf Unterhalt besteht. Gemäss Art. 4 des Übereinkommens bedeutet das, dass türkisches Recht anzuwenden ist. Dies gilt allerdings nur für den Ehegattenunterhalt. Für den Kinderunterhalt ist der von der Schweiz gestützt auf Art. 15 des Übereinkommens angebrachte Vorbehalt zu beachten (SR 292.021.11). Danach wird, wenn sowohl der Berechtigte als auch der Verpflichtete schweizerische Staatsangehörige sind, das innerstaatliche Recht angewandt. Da Gläubiger des Kinderunterhaltes der Sohn ist (Walter Bühler/Karl Spühler: Berner Kommentar, Die Ehescheidung, Bern 1980, N 239 zu Art. 145 ZGB) und dieser dem Familienbüchlein zufolge wie der Vater die schweizerische Staatsangehörigkeit besitzt, gilt für den Kinderunterhalt somit schweizerisches Recht. c) Für die Bemessung des Unterhaltsbeitrages ist nach dem Gesagten für den Ehegattenunterhalt türkisches und für den Kinderunterhalt schweizerisches Recht massgebend. Dass diese Ausgangslage unbefriedigend ist, liegt auf der Hand, zumal während der Dauer des Scheidungsverfahrens eine Aufteilung der Alimente in Beiträge zugunsten der Ehefrau einerseits und zugunsten des Kindes anderseits aus der Sicht des ehelichen Unterhaltsrechtes an sich gar nicht zwingend ist (Verena Bräm/Franz Hasenböhler: Zürcher Kommentar, Das Familienrecht, Zürich 1993, N 114 ff. zu Art. 163 ZGB). Im vorliegenden Fall rechtfertigt es sich, einheitlich schweizerisches Recht anzuwenden. Die Ehefrau als Berechtigte verlangt selber die Anwendung des schweizerischen Rechtes. Nachdem die Bestimmungen von Art. 4 - 6 des Haager Übereinkommens vor allem sicherstellen wollen, dass das für die berechtigte Person günstigere Recht zum Tragen kommt, kann deren Auffassung nicht unbeachtet bleiben. * Obergericht Zivilkammer, Urteil vom 30. Juni 1997*

Schlagwörter

maintenanceprivate international lawapplicable lawdivorcechild supportspousal supporthabitual residenceuniform application

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Which law governs spousal maintenance in divorce interim measures under IPRG and the Hague Maintenance Convention?

Extrahierter Entscheid

Turkish law governs spousal maintenance because the spouse is habitually resident in Turkey and Turkish law is available under the Convention.

Extrahierte Begründung

Art. 62(2) IPRG is subject to the maintenance-specific conflict rules in Arts. 49 and 83(1) IPRG. Under Art. 4 of the Hague Convention, the law of the habitual residence of the creditor applies; here that is Turkish law.

Kernrechtsfrage

Which law governs child maintenance when both parents and child are Swiss citizens?

Extrahierter Entscheid

Swiss law governs child maintenance because the Swiss reservation under Art. 15 of the Hague Convention applies when creditor and debtor are both Swiss nationals.

Extrahierte Begründung

The child is the maintenance creditor and, like the father, holds Swiss nationality; therefore the reservation leads to application of Swiss domestic law.

Kernrechtsfrage

Whether a uniform application of Swiss law for both maintenance components is justified despite different conflict rules

Extrahierter Entscheid

Yes; in the concrete case it was justified to apply Swiss law uniformly to determine the maintenance contributions.

Extrahierte Begründung

Although the conflict rules point to Turkish law for spouse maintenance and Swiss law for child maintenance, the resulting split is unsatisfactory. Since the maintenance rules aim to secure the more favorable law for the entitled person and the spouse herself requested Swiss law, a uniform Swiss-law approach was justified.

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