Legal aid not excluded above enforcement minimum

ZZ.1977.8Übriges Gericht10.05.1977Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Obergericht held that legal aid under § 106(1) ZPO is not automatically excluded merely because the applicant's net income exceeds the enforcement minimum. Since the appellant's surplus was only CHF 150 per month and she had to support herself and her child, she could not reasonably pay litigation advances and lawyer's fees. Full legal aid was therefore granted.

Omnilex-Regeste

§ 106 Abs. 1 ZPO; unentgeltliche Rechtspflege and enforcement minimum: entitlement is not excluded per se where the applicant's net income exceeds the enforcement minimum by a modest amount. The statutory test is whether, after meeting the necessary living expenses of the applicant and family, the costs of litigation can be borne without undue hardship. A small surplus above the enforcement minimum may still be insufficient, in particular where advance payments and counsel fees cannot reasonably be financed (consid. 1).

Gesamter Gesetzestext

Geschäftsnummer:** ZZ.1977.8**
Instanz:Zivilkammer
Entscheiddatum:11.05.1977
FindInfo-Nummer:O_ZK.2015.251
Titel:** Unentgeltliche Rechtspflege, betreibungsrechtliches Existenzminimum**
Resümee:§ 106 Abs. 1 ZPO. Die unentgeltliche Rechtspflege ist nicht zum vornherein ausgeschlossen, wenn das Einkommen des Gesuchstellers das betreibungsrechtliche Existenzminimum übersteigt.
SOG 1977 Nr. 8 **§ 106 Abs. 1 ZPO.*Die unentgeltliche Rechtspflege ist nicht zum vornherein ausgeschlossen, wenn das Einkommen des Gesuchstellers das betreibungsrechtliche Existenzminimum übersteigt. In einem Rekursentscheid, der die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege betraf, berechnete das Obergericht vorerst das betreibungsrechtliche Existenzminimum der Gesuchstellerin und stellte fest, dass das Einkommen das Existenzminimum um Fr. 150.-- überstieg. Es führte anschliessend dazu aus: $ 106 Abs. 1 ZPO besagt nicht, dass der Gesuchsteller auf dem Existenzminimum sein müsse, wenn er nebst der unentgeltlichen Rechtspflege für die Gerichtskosten auch noch diejenigen für die Anwaltskosten erhalten wolle. $ 106 Abs. 1 ZPO sagt nur, wer vermögenslos sei und wessen Einkommen nicht ausreiche, neben dem notwendigen Lebensunterhalt für sich und seine Familie die Kosten der Prozessführung aufzubringen, könne die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege verlangen. Somit ist klar, dass auch ein Netto-Einkommen, welches das betreibungsrechtliche Existenzminimum etwas übersteigt, gemeint ist. Im vorliegenden Fall beträgt die Differenz zwischen Netto-Einkommen und Existenzminimum nur 150.-- Franken pro Monat. Wenn die Rekurrentin für sich und ihr Kind nicht unzumutbare Einschränkungen in der Lebenshaltung in Kauf nehmen will, kann sie die Kosten der Prozessführung, insbesondere die Vorschusszahlungen an ihren Anwalt nicht aufbringen. Ihr ist deshalb die volle unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen. * Obergericht Zivilkammer, Urteil vom 11. Mai 1977

Schlagwörter

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Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether legal aid is excluded when the applicant's income exceeds the enforcement minimum by a small amount.

Extrahierter Entscheid

No. Legal aid is not ruled out merely because income is slightly above the enforcement minimum; the decisive question is whether the applicant can still meet litigation costs without unreasonable restrictions on the necessary support for self and child.

Extrahierte Begründung

Section 106(1) ZPO refers to a person whose income is insufficient, after covering necessary living expenses, to bear the costs of litigation. This includes cases where net income is only somewhat above the enforcement minimum. With only CHF 150 monthly surplus, the appellant could not reasonably fund court advances and lawyer’s fees.

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