Conditional sentence in absentia proceedings

ZZ.1975.17Übriges Gericht23.04.1975Modified

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Criminal Chamber held that in an absentia criminal proceeding the court may not deny conditional suspension of a sentence merely because the accused is not present. Relying on § 139(2) StPO, it stressed that the proceedings must be conducted with equal thoroughness and that this principle extends to sentencing. Since the accused had an excellent reputation and no prior convictions in Switzerland, the lower court’s reliance on a supposed practice of refusing conditional sentences in absentia was rejected.

Omnilex-Regeste

Art. 41 Ziff. 1 StGB; § 139 Abs. 2 StPO: In absentia proceedings, the conditional sentence may not be refused solely because the accused is absent. The procedural guarantee that the investigation be conducted with the same thoroughness as against a present accused applies mutatis mutandis to the rendering of judgment. If the substantive prerequisites of Art. 41 Ziff. 1 StGB are satisfied, the benefit of a suspended execution must also be granted in contumacy; absence alone does not justify unequal treatment (consid. implicit).

Gesamter Gesetzestext

Geschäftsnummer:** ZZ.1975.17**
Instanz:Strafkammer
Entscheiddatum:24.04.1975
FindInfo-Nummer:O_ST.2015.29
Titel:** Bedingter Strafvollzug im Abwesenheitsverfahren**
Resümee:** Art. 41 Ziff. 1 StGB; § 139 Abs. 2 StPO. Auch im Abwesenheitsverfahren ist der bedingte Strafvollzug zu gewähren, wenn die Voraussetzungen nach Art. 41 StGB erfüllt sind.**
SOG 1975 Nr. 17 ** Art. 41 Ziff. 1 StGB; § 139 Abs. 2 StPO.*Auch im Abwesenheitsverfahren ist der bedingte Strafvollzug zu gewähren, wenn die Voraussetzungen nach Art. 41 StGB erfüllt sind. Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten unter Hinweis auf die "feststehende Praxis bei Abwesenheitsverfahren" den bedingten Strafvollzug verweigert. Dem kann nicht zugestimmt werden. Gemäss § 139 Abs. 2 StPO hat der abwesende Beschuldigte ein Anrecht darauf, dass die Untersuchung gegen ihn mit gleicher Gründlichkeit wie gegen einen Anwesenden geführt wird. Dieser Grundsatz muss auch bei der Urteilsfällung Anwendung finden. Wenn also die Voraussetzungen von Art. 41 Ziff. 1 StGB erfüllt sind, muss dem Beschuldigten auch im Kontumazverfahren die Rechtswohltat einer bedingten Strafe zugestanden werden. Der Beschuldigte G. geniesst sowohl persönlich wie beruflich einen ausgezeichneten Leumund und ist in der Schweiz nicht vorbestraft. Es wäre ungerecht, würde man hier mit ungleichen Ellen messen und eine bedingte Strafe nur deshalb verweigern, weil er bei der Verhandlung (zu der er persönlich gar nicht vorgeladen werden konnte) nicht anwesend war. Im vorliegenden Falle wäre dies auch deshalb stossend, weil der Beschuldigte die Schweiz nicht verliess, um sich dem Strafvollzug zu entziehen, wurde doch das Strafverfahren gegen ihn erst fünf Monate nach seiner Abreise eröffnet. * Obergericht Strafkammer, Urteil vom 24. April 1975

Schlagwörter

conditional sentenceabsentia proceedingssentencingequality of treatmentcriminal procedure

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether a conditional sentence may be refused solely because the accused is tried in absentia.

Extrahierter Entscheid

No. If the statutory requirements for a conditional sentence are met, it must also be available in absentia proceedings.

Extrahierte Begründung

Section 139(2) StPO requires that proceedings against an absent accused be conducted with the same thoroughness as against a present one; this principle also applies to judgment. The accused's absence alone cannot justify unequal treatment, especially where his character is good and he has no prior convictions.

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