Victim must be allowed to comment on expert report

AKBES.2003.65Übriges Gericht27.01.2004Confirmed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The complainants challenged the investigating judge’s no-further-action decision in a sexual-offences case. The judge had relied on an expert opinion from parallel proceedings and had not given the victims an opportunity to comment on it. The Anklagekammer held that, even though cantonal procedure and the Victim Assistance Act did not expressly grant such a right, the constitutional right to be heard requires that victims and injured parties be allowed to comment on expert evidence used against their interests.

Omnilex-Regeste

Art. 29(2) BV; right to be heard in criminal proceedings: a deciding authority may base its decision only on facts and evidence disclosed to the affected parties and on which they have been able to comment. This applies not only to the accused but also to the victim and injured party as participants. Even where cantonal criminal procedure and the Victim Assistance Act do not expressly provide for a right to comment on an expert report, such a right follows from the constitutional guarantee when the report is relied upon for the decision (consid. 3).

Gesamter Gesetzestext

Geschäftsnummer:** AKBES.2003.65**
Instanz:Anklagekammer
Entscheiddatum:28.01.2004
FindInfo-Nummer:O_AK.2004.162
Titel:** Keine-Folge-Verfügung des Untersuchungsrichters**
Resümee:** Anspruch auf rechtliches Gehör. Das Opfer als Partei hat das Recht, zu einem Gutachten Stellung zu nehmen.**
SOG 2004 Nr. 20 § 14 StPO. Anspruch auf rechtliches Gehör. * Das Opfer als Partei hat das Recht, zu einem Gutachten Stellung zu nehmen.* * Sachverhalt:* Im Dezember 2002 reichte X. als gesetzliche Vertreterin von Peter und Ruedi X. eine Strafanzeige gegen Y. ein; dies wegen Verdachts der sexuellen Nötigung, der Schändung, der wiederholten sexuellen Handlung mit Kindern, der einfachen Körperverletzung und der Drohung. Der Untersuchungsrichter gab der Strafanzeige keine Folge mit der Begründung, in einem parallel gegen Z. geführten Strafverfahren habe ein Gutachter empfohlen, die Aussagen von Peter und Ruedi nicht als Grundlage für ein Strafverfahren heranzuziehen. Da sich der Tatverdacht lediglich auf die Aussagen der beiden Buben stütze und keine weiteren Beweismittel vorlägen, reiche das Beweismaterial für eine Verurteilung nicht aus. * Aus den Erwägungen:* 3. Die Beschwerdeführer machen geltend, ihnen hätte nach Vorliegen des Gutachtens Gelegenheit zur Stellungnahme und zum Einreichen von Beweismitteln gegeben werden müssen. Sie machen sinngemäss die Verletzung des Anspruchs auf Gewährung des rechtlichen Gehörs geltend. Nach § 14 StPO (Strafprozessordnung, BGS 321.1) kann der Verletzte bzw. das Opfer Untersuchungshandlungen beantragen. Weder die Strafprozessordnung noch das Opferhilfegesetz (OHG, SR 312.5) sehen aber das Recht auf Stellungnahme zu einem Gutachten vor. Aus Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV, SR 101) ergibt sich jedoch ein Anspruch auf Gewährung des rechtlichen Gehörs. Einem gerichtlichen Entscheid dürfen nur Tatsachen und Beweismittel zugrunde gelegt werden, die den betroffenen Beteiligten eröffnet wurden und zu denen sie sich äussern konnten (Niklaus Schmid: Strafprozessrecht, Zürich 1997, N 251 zu § 16 ZH-StPO). Als Beteiligte gelten nicht nur der Beschuldigte, sondern auch das Opfer und der Verletzte (Niklaus Schmid, a.a.O., N 253 zu § 16 ZH-StPO). Daraus folgt, dass ein Opfer Gelegenheit erhalten muss, zu einem Gutachten Stellung nehmen zu können (sinngemäss Niklaus Schmid: a.a.O., N 250 zu § 16 f. ZH-StPO). (...) * Obergericht Anklagekammer, Beschluss vom 28. Januar 2004 (AKBES.2003.65)*

Schlagwörter

right to be heardvictimexpert reportcriminal complaintno-further-action decision

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the victim/complainant had to be given an opportunity to comment on the expert report before the no-further-action decision.

Extrahierter Entscheid

Yes. Under the constitutional right to be heard, the victim or injured party must be able to comment on an expert report used as a basis for the decision.

Extrahierte Begründung

Although the cantonal criminal procedure and the Victims Assistance Act did not expressly provide for a right to comment on an expert opinion, Art. 29(2) BV requires that parties be able to respond to evidence relied upon by the deciding authority. The victim and injured party are among those affected by the decision.

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