projekte
VVGE 1971/75 Nr. 37 ΓÇó Municipalities lack independent criminal authority
VVGE 1971/75 Nr. 37Übriges Gericht01.04.1971Other
In this published statement, the Regierungsrat clarified the scope of cantonal constitutional criminal competence. It held that Art. 77 Abs. 2 KV cannot be relied upon to derive criminal jurisdiction for municipal councils, because that provision concerns cantonal administrative authorities and their disciplinary and administrative-judicial powers. The power to administer criminal justice is exhaustively allocated in Art. 80 KV to the listed cantonal bodies. Accordingly, municipalities do not possess autonomous criminal authority and are limited to reporting offences to the Verhöramt or the police.
Art. 80 KV; municipal authorities do not possess independent criminal jurisdiction, but only a duty to report offences. Art. 77 Abs. 2 KV cannot serve as a basis for municipal criminal competence, since it is systemically limited to cantonal authorities under the section on cantonal powers and refers to disciplinary and administrative-judicial powers of administrative bodies. The enumeration in Art. 80 KV of the authorities exercising criminal justice is exhaustive; a further municipal penal competence would require an express constitutional provision. The communal authorities therefore lack criminal adjudicatory power (consid. systematics/exhaustive enumeration).
Entscheidpublikation VVGE 1971/75 Nr. 37, S. 33:
Art. 80 KV.
Die Gemeinden haben keine selbständige Strafbefugnis, sondern lediglich eine Anzeigepflicht.
Stellungnahme des Regierungsrates vom 1. April 1971 (Nr. 1515).
Art. 77 Abs. 2 KV kann zur Begründung einer strafrichterlichen Kompetenz des Gemeinderates nicht herangezogen werden. Dies folgt aus der Systematik der Verfassung; denn Art. 77 steht unter dem Abschnitt "Kantonale Gewalten" (Art. 57 bis 81), hat also keine Anwendung auf die kommunalen Gewalten, die in Art. 82 ff. (Abschnitt III, Kommunale Gewalten) geregelt sind. Art. 77 Abs. 2 KV will besagen, dass die Verwaltungsbehörden (Regierungsrat, Departemente, Erziehungsrat, Sanitätsrat usw). Disziplinarbefugnis besitzen, was an sich eine Selbstverständlichkeit ist, jedoch auch eine Art Rechtsprechung darstellt, und überdies Verwaltungsrechtspflege ausüben (Erlass von Verwaltungsverfügungen, Rekursentscheide, Beschwerdeentscheide), soweit sie nach der geltenden Gesetzgebung hiezu als zuständig erklärt sind. Aber auch diesen kantonalen Verwaltungsbehörden kommt keine strafrichterliche Befugnis zu. Wer im Kanton die Strafrechtspflege ausübt, ist abschliessend in Art. 80 KV genannt. Es sind dies: Der Verhörrichter, die Strafkommission, das Kantonsgericht, die Obergerichtskommission und das Obergericht. Wenn auch den Gemeinden noch eine Strafrechtsbefugnis zukommen sollte, so müsste dies in der geltenden Verfassung irgendwo gesagt sein. Dies ist jedoch nicht der Fall.
Wir halten fest, dass den Gemeinden gemäss geltendem Recht keine selbständige Strafbefugnis mehr zukommt und die Gemeinden lediglich befugt bzw. verpflichtet sind, Anzeige an das Verhöramt oder die Polizei zu erstatten.