Alcohol abuse cases require guardianship under Art. 370 ZGB

RRE Nr. 2030Übriges Gericht04.07.1995

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The decision explains that where a person's mental illness is caused by chronic alcohol abuse, a guardianship based on mental weakness under Art. 369 ZGB is legally wrong and must be annulled. The court must instead examine Art. 370 ZGB, which governs persons who, through drunkenness, endanger themselves or their family, need lasting assistance and care, or endanger others. The court emphasizes proportionality: guardianship is only permissible if the protection cannot be achieved by a milder measure. A voluntary assistantship under Art. 394 ZGB is the mildest comprehensive measure, but it depends on the protected person's cooperation and is unsuitable where that cooperation cannot be expected.

Omnilex-Regeste

Art. 369 and 370 ZGB; alcoholism-related incapacity and proportionality of protective measures: if the mental disorder is not the cause but the consequence of chronic alcohol abuse, a guardianship ordered under Art. 369 ZGB rests on an incorrect legal basis and must be set aside; the case must be assessed under Art. 370 ZGB. Guardianship under Art. 370 ZGB requires a specific need for protection, typically where the person, because of drunkenness, exposes himself or his family to the risk of destitution or poverty, needs lasting assistance and care, or endangers others. Protective measures under guardianship law are subject to proportionality; if the required protection can be achieved by a milder measure, guardianship is excluded. A voluntary assistantship under Art. 394 ZGB is the mildest comprehensive measure, but it presupposes genuine cooperation by the assisted person and is ineffective where such cooperation cannot be expected.

Gesamter Gesetzestext

  1. Ist die geistige Erkrankung einer Person nicht Ursache, sondern Folge eines chronischen Alkoholmissbrauchs, ist bei Vorliegen der übrigen Voraussetzungen eine Vormundschaft nach Artikel 370 ZGB anzuordnen. Wurde in einem solchen Fall eine Vormundschaft nach Artikel 369 ZGB (wegen Geistesschwäche) angeordnet, beruht sie auf einer falschen Rechtsanwendung und ist aufzuheben.

  2. Es stellt sich in einem solchen Fall die Frage, ob die Voraussetzungen für eine Bevormundung nach Artikel 370 ZGB vorliegen. Nach Artikel 370 ZGB ist unter anderem zu bevormunden, wer sich oder seine Familie infolge Trunksucht der Gefahr eines Notstandes oder der Verarmung aussetzt, zu seinem Schutz dauernd des Beistandes und der Fürsorge bedarf oder die Sicherheit anderer gefährdet. Bei einer Bevormundung nach Artikel 370 ZGB geht es vor allem um die Vertretung der wirtschaftlichen Interessen, aber auch um die persönliche Fürsorge. In diesem Sinne muss eine besondere Schutzbedürftigkeit vorliegen, und es muss voraussehbar sein, dass die betreffende Person ohne diesen besonderen vormundschaftlichen Schutz dem Ruin entgegengeht. Kann das erwähnte Schutzbedürfnis auch mit einer milderen vormundschaftlichen Massnahme erreicht werden, darf eine Bevormundung nicht angeordnet werden. Es gilt der Grundsatz, dass vormundschaftliche Massnahmen verhältnismässig sein müssen.

Die Beistandschaft auf eigenes Begehren stellt eine sowohl die Vermögens- als auch die Personensorge betreffende Dauermassnahme dar, ohne indessen die rechtliche Handlungsfähigkeit zu beschränken und die übrigen an die Entmündigung geknüpften zivil- und öffentlich-rechtlichen Wirkungen auszulösen. Sie ist als die mildeste auf Dauer und umfassende Fürsorge angelegte vormundschaftliche Massnahme zu betrachten. Sie beinhaltet sowohl eine umfassende Vermögenssorge als auch eine umfassende Personensorge. Der Erfolg der Beistandschaft auf eigenes Begehren hängt jedoch weitestgehend von der auf Freiwilligkeit beruhenden Kooperationsbereitschaft des oder der Verbeiständeten ab, weil die Handlungsfähigkeit weder entzogen noch beschränkt wird. Sie versagt somit immer dann, wenn der oder die Verbeiständete mit dem Beistand nicht kooperieren will und dessen Anordnungen durchkreuzt, wenn er oder sie mit anderen Worten die eigenen Schwächen und die Gefahren aus der verbleibenden Handlungsfähigkeit nicht zu erkennen vermag. Der Beistand nach Artikel 394 ZGB kann einen ebenso umfassenden Aufgabenbereich wie der Vormund haben. Der Vorteil der Beistandschaft auf eigenes Begehren liegt jedoch darin, dass sie eigentlich wie eine Entmündigung wirkt, ohne deren einschneidende Wirkungen auszulösen (Schnyder/Murer, Berner Kommentar, N. 7ff. zu Artikel 394 ZGB). In der Regel ist die Beistandschaft auf eigenes Begehren bei Trunksucht zu schwach. Verspricht jedoch die vom oder von der Alkoholkranken freiwillig dem Beistand überlassene Lohn- oder Rentenverwaltung Aussicht auf Erfolg, so ist dennoch von einer Entmündigung abzusehen (Schnyder/Murer, a.a.O., N. 220 zu Artikel 370 ZGB).

Schlagwörter

alcohol abuseguardianshipproportionalitymilder measuremental illnessprotective measurevoluntary assistance

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether a guardianship based on mental weakness under Art. 369 ZGB is correct when the condition results from chronic alcohol abuse.

Extrahierter Entscheid

If the mental disorder is a consequence rather than the cause of chronic alcohol abuse, Art. 369 ZGB is the wrong legal basis and the guardianship must be set aside.

Extrahierte Begründung

The decisive criterion is not the medical label alone but the legal ground for protection; alcoholism-related incapacity falls under the special provision for drunkenness in Art. 370 ZGB.

Kernrechtsfrage

Whether the prerequisites for guardianship under Art. 370 ZGB are met and whether a milder measure suffices.

Extrahierter Entscheid

Art. 370 ZGB applies where the person, because of drunkenness, exposes themselves or their family to destitution, needs lasting assistance and care, or endangers others; however, guardianship is impermissible if the needed protection can be achieved by a milder, proportionate measure.

Extrahierte Begründung

Guardianship under Art. 370 ZGB primarily protects economic interests, but also personal welfare. Vormundschaft is a last resort and must be proportionate; an assisted administration on request is the mildest comprehensive protective measure and may replace guardianship only if cooperation is realistically expected.

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