Replacement judge did not violate lawful judge requirement

OG 1994 18Übriges Gericht15.03.1994Dismissed

Zusammenfassung

The plaintiff invoked cassation on the ground of violation of an essential procedural form, arguing that the appellate court panel was unlawfully composed because the president of the first chamber did not participate and a replacement judge sat on the panel. The court rejected the complaint. It held that the Obergericht’s internal business rules do not conclusively regulate the use of replacement judges, that parties have no right to reasons for a panel’s concrete composition, and that the decisive requirements are compliance with recusal rules and participation of properly elected judges.

Regest

§ 259 Ziff. 1 ZPO; right to the lawful judge and use of replacement judges: the internal business regulations of a court govern only the distribution of work and case management and do not exhaustively regulate the participation of substitute judges. Parties have no subjective right to an explanation why a case is not decided by the ordinary panel or why a substitute judge sits. A violation of the essential procedural form is excluded so long as the recusal rules are observed and the deciding panel is composed exclusively of persons duly elected to exercise judicial office. The mere absence of an ordinary member, whether for organizational reasons or due to recusal, is not objectionable (cf. consid. 1).

Gesamter Gesetzestext

Der Kläger beruft sich vorab auf den Kassationsgrund der Verletzung einer gesetzlich vorgeschriebenen wesentlichen Prozessform (§ 259 Ziff. 1 ZPO). Die Vorinstanz habe seinen Anspruch auf den verfassungsmässigen und gesetzlichen Richter missachtet, weil der Präsident der I. Kammer des Obergerichts nicht mitgewirkt habe und zudem ein Ersatzrichter beigezogen worden sei. Damit vermag der Kläger nicht durchzudringen. Die von ihm in diesem Zusammenhang angerufene Geschäftsordnung des Obergerichts (SRL Nr. 266) regelt intern Aufgabenteilung und Geschäftsgang. Es ist Sache des Gerichts selbst sicherzustellen, dass seine Arbeit beförderlich und gleichzeitig unter Wahrung aller Parteirechte erledigt wird. Dass wegen der grossen Geschäftslast vermehrt Ersatzrichter eingesetzt werden, wird heute fast von allen Gerichten praktiziert. § 34 der Geschäftsordnung regelt in keiner Weise abschliessend den Beizug von Ersatzrichtern. Dasselbe gilt auch für den "Ausstand" eines ordentlichen Mitglieds des Obergerichts, der beispielsweise aus organisatorischen Gründen oder wegen Befangenheit erfolgen kann. Die Parteien haben keinen Anspruch auf Begründung, weshalb nicht die ordentliche Besetzung urteilt oder warum ein Ersatzrichter mitwirkt. Wesentlich ist, dass keine Ausstandsvorschriften verletzt werden und sich der Spruchkörper aus Personen zusammensetzt, die für diese richterliche Funktion gewählt wurden (vgl. im übrigen dazu BGE 105 Ia 178 und 107 Ib 165). Im vorliegenden Fall ist daher die Berufung auf § 259 Ziff. 1 ZPO unbegründet.

Schlagwörter

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