Appeal deemed withdrawn for no written reasoning

SK1 2012 30Übriges Gericht11.09.2012Withdrawn

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The I. Criminal Chamber of the Cantonal Court of Graubünden dealt with a written criminal appeal against a conviction for repeated disobedience to police orders and a CHF 400 fine. The appellant failed to file a timely written appeal reasoning after the court had ordered written proceedings and had warned that omission would make the appeal withdrawn. The chamber therefore struck the appeal from the docket as withdrawn and imposed no costs. It also indicated that a criminal law complaint to the Federal Supreme Court was available within 30 days.

Omnilex-Regeste

Art. 406 Abs. 1, Art. 407 Abs. 1 lit. b StPO; written appeal proceedings and failure to file the substitute written submission: if the appellate court orders the written procedure and expressly warns the appellant, the omission of the required written filing within the prescribed time causes the appeal to be deemed withdrawn. A prior filing that does not satisfy the requirements of a written appeal reasoning cannot preserve the remedy. The consequence is removal of the case from the docket as withdrawn; costs may be waived where the court so orders (consid. concerning the procedural warning and the legal effect of non-submission).

Gesamter Gesetzestext

Ref.:Chur, 11. September 2012Schriftlich mitgeteilt am:

SK1 12 30[nicht/mündlich eröffnet] 12. September 2012

Verfügung

I. Strafkammer

Vorsitz Pritzi

Aktuar ad hoc Ludwig

In der strafrechtlichen Berufung

der X., Berufungsklägerin, vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Dominique von Planta-Sting, Schweizergasse 8, 8021 Zürich,

gegen

das Urteil des Bezirksgerichts Plessur vom 24. April 2012, mitgeteilt am 31. Mai 2012, in Sachen der Staatsanwaltschaft Graubünden, Sennhofstrasse 17, 7001 Chur gegen die Berufungsklägerin,

betreffend mehrfacher Ungehorsam gegen die Polizei (Art. 36d PolG),

hat der Vorsitzende der I. Strafkammer nach Kenntnisnahme der Berufungserklärung vom 26. Juni 2012 sowie aufgrund der Feststellungen und Erwägungen,

  • dass das Bezirksgericht Plessur X. mit Urteil vom 24. April 2012, mitgeteilt am 31. Mai 2012, wegen mehrfachen Ungehorsams gegen die Polizei nach Art. 36d des Polizeigesetzes des Kantons Graubünden (PolG; BR 613.000) mit einer Busse von CHF 400.- bestrafte,

  • dass X. gegen das Urteil des Bezirksgerichts Plessur fristgemäss die Berufung nach Art. 399 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO; SR 312.0) anmeldete und nach Art. 399 Abs. 3 StPO dem Kantonsgericht von Graubünden ebenfalls frist- und formgemäss eine Berufungserklärung einreichte,

  • dass der Vorsitzende der I. Strafkammer darauf mit Verfügung vom 20. Juli 2012 das schriftliche Verfahren nach Art. 406 Abs. 1 StPO anordnete,

  • dass die Berufungsklägerin mit ebendieser Verfügung darauf aufmerksam gemacht wurde, sie habe innert 20 Tagen seit Inempfangnahme der Verfügung dem Kantonsgericht von Graubünden eine schriftliche Berufungsbegründung einzureichen, widrigenfalls die Berufung nach Art. 407 Abs. 1 lit. b StPO als zurückgezogen gelte,

  • dass die Verfügung gemäss Sendungsverfolgung der Berufungsklägerin am 25. Juli 2012 zugestellt wurde,

  • dass die 20-tägige Frist des Art. 399 Abs. 3 StPO daher mit dem 15. August 2012 ablief,

  • dass die Berufungsklägerin es unterliess, dem Kantonsgericht von Graubünden innerhalb der Frist eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen,

  • dass auch die eingereichte Berufungserklärung der Berufungsklägerin die Anforderungen an eine schriftliche Berufungsbegründung vorliegend nicht zu erfüllen vermag,

  • dass dies der Berufungsklägerin bewusst sein musste, führt sie in ihrer Berufungserklärung doch ausdrücklich an, es werde auf eine Begründung der Berufung vorerst verzichtet, da diese kein Erfordernis der schriftlichen Berufungserklärung sei (Act. A.2, S. 6, Rz 15),

  • dass die Berufung, wie es der Berufungsklägerin vorgängig angekündigt wurde, gemäss Art. 407 Abs. 1 lit. b StPO als zurückgezogen gilt, wenn das schriftliche Verfahren nach Art. 406 Abs. 1 StPO angeordnet wurde und die Partei, welche die Berufung erklärt hat, keine schriftliche Eingabe einreicht,

  • dass das Nichteinreichen der das persönliche Erscheinen ersetzenden Eingabe damit den Verlust des Rechtsmittels zur Folge hat (Eugster, in: Niggli / Heer / Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, Basel 2011, Art. 407, N 3),

  • dass die vorliegende Berufung demzufolge als durch Rückzug erledigt vom Geschäftsverzeichnis abgeschrieben werden kann,

  • dass das vorliegende Verfahren damit in Anwendung von Art. 9 Abs. 2 des Gerichtsorganisationsgesetzes (GOG; BR 173.000) einzelrichterlich erledigt werden kann,

  • dass für die vorliegende Verfügung keine Kosten erhoben werden, erkannt

1. Das Berufungsverfahren wird als durch Rückzug erledigt abgeschrieben.

2. Es werden keine Kosten erhoben.

3. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) Beschwerde in Strafsachen an das Bundesgericht geführt werden. Die Beschwerde ist dem Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, schriftlich innert 30 Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Voraussetzungen und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 78 ff. und 90 ff. BGG.

4. Mitteilung an:

Schlagwörter

criminal appealwritten procedurewithdrawal by lawdeadlineprocedural defaultcost waiver

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the appeal must be treated as withdrawn because no written reasoning was filed in the written procedure.

Extrahierter Entscheid

Yes. The appeal is deemed withdrawn because the appellant failed to submit the written filing required within the set deadline after the written procedure was ordered.

Extrahierte Begründung

After written proceedings were ordered, the appellant was expressly warned that failure to file a written submission within 20 days would cause the appeal to be treated as withdrawn. No qualifying filing was made within that period; the previously submitted statement did not meet the requirements of a written appeal reasoning.

Kernrechtsfrage

Whether court costs should be charged for this order.

Extrahierter Entscheid

No costs are charged.

Extrahierte Begründung

The court stated that no costs would be levied for the order.

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