Writing treated as an objection to summary penalty order

502 2018 4Kantonsgericht31.01.2018Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The appellant, fined by summary penalty order, sent a timely handwritten submission asking for cancellation of the high bill and explaining her version of the accident. The police judge held that no valid objection had been filed and that the order was final. The Court Chamber held that an uncounseled defendant need not motivate an objection and that, in case of doubt, a filing must be accepted as an objection. The appeal was therefore upheld, the challenged decision annulled, and the matter remitted for objection handling. Appeal costs were charged to the State of Fribourg, and no party compensation was awarded.

Omnilex-Regeste

Art. 354 StPO; objection to summary penalty order: the defendant need not give reasons for the objection, which is effective by a written expression of disagreement. In doubtful cases, especially where the person is unrepresented, the filing must be construed in favor of admissibility as an objection if it does not clearly reveal acceptance of the summary penalty order (consid. 2). A request for leniency or cancellation of the monetary consequences does not, by itself, exclude an objection where the overall submission contests the case or the sanction.

Gesamter Gesetzestext

502 2018 4

Urteil vom 31. Januar 2018 Strafkammer

Besetzung

Präsident: Hubert Bugnon Richter: Jérôme Delabays, Sandra Wohlhauser Gerichtsschreiberin- Berichterstatterin: Cornelia Thalmann El Bachary

Parteien

A.________, Beschwerdeführerin gegen POLIZEIRICHTER DES SEEBEZIRKS, Beschwerdegegner

Gegenstand

Strafrecht – Einsprache der beschuldigten Person (Art. 354 StPO) Beschwerde vom 3. Januar 2018 gegen den Entscheid des Polizeirichters des Seebezirks vom 22. Dezember 2017

erwägend,

dass A.________, geboren 1937, mit Strafbefehl Nr. bbb der Vize-Oberamtfrau des Seebezirks vom 4. Dezember 2017 wegen Unaufmerksamkeit, Nichtbeherrschen des Fahrzeugs und pflichtwidrigem Verhalten nach Verkehrsunfall mit Sachschaden zu einer Busse von CHF 250.- und zu den Verfahrenskosten von total CHF 268.- verurteilt wurde;

dass A.________ am 11. Dezember 2017 ein Schreiben an das Oberamt des Seebezirks richtete;

dass das Oberamt des Seebezirks am 19. Dezember 2017 die Angelegenheit zuständigkeitshalber dem Polizeirichter des Seebezirks zur weiteren Behandlung überwies;

dass der Polizeirichter mit Entscheid vom 22. Dezember 2017 feststellte, dass keine Einsprache gegen den Strafbefehl Nr. bbb erhoben wurde und dieser somit in Rechtskraft erwachsen sei;

dass A.________ gegen diesen Entscheid am 3. Januar 2018 rechtzeitig Beschwerde erhob, um „Erlass der hohen 268.- + 225.- Summe zu bezahlen“ ersuchte und ihre Eingabe rechtsgenüglich begründete;

dass die beschuldigte Person die Einsprache nicht zu begründen hat und es genügt, wenn sie schriftlich erklärt, mit dem Strafbefehl nicht einverstanden zu sein; vor allem wenn die beschuldigte Person nicht anwaltlich vertreten ist, soll ihr die Einsprachemöglichkeit nicht erschwert werden (vgl. Botschaft zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts vom 21. Dezember 2005, S. 1291);

dass im Zweifelsfall – u.a. wenn sie nicht klar ist – die Eingabe als Einsprache entgegen zu nehmen ist (vgl. Moreillon/Parein-Reymond, CPP Code de procédure pénale, 2016, Art. 354 N. 18 m.H.);

dass die 80-jährige Beschuldigte im Schreiben vom 11. Dezember 2017, welches sie innert der Einsprachefrist eingereicht hat, u.a. ihre Sicht des Unfallhergangs schilderte und darum bat, die „sehr hohe Rechnung zu erlassen“;

dass daraus nicht ohne Weiteres abgeleitet werden kann, dass die nicht anwaltlich vertretene Beschuldigte mit dem Strafbefehl einverstanden ist und nur den Erlass der Rechnung fordert, dies umso weniger, als eine Busse nicht einfach erlassen werden kann;

dass ihr Schreiben in casu als Einsprache hätte entgegen genommen werden müssen, so dass das Oberamt die Angelegenheit zu Recht dem Polizeirichter überwies und die Rechnung mit der Begründung „Einsprache des Debitors – Weiterleitung an Polizeirichter“ annullierte;

dass die Beschwerde somit gutzuheissen, der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Angelegenheit dem Polizeirichter zur Behandlung der Einsprache zurückzuweisen ist;

dass die Kosten des Beschwerdeverfahrens dem Staat Freiburg aufzuerlegen sind;

dass keine Parteientschädigung zugesprochen wird;

Die Kammer erkennt:

I. Die Beschwerde wird gutgeheissen.

Der Entscheid des Polizeirichters des Seebezirks vom 22. Dezember 2017 wird aufgehoben.

Die Angelegenheit wird dem Polizeirichter des Seebezirks zur Behandlung der Einsprache zurückgewiesen.

II. Die Kosten für das Beschwerdeverfahren von CHF 350.- (Gebühr: CHF 300.-; Auslagen: CHF 50.-) werden dem Staat Freiburg auferlegt.

III. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

IV. Zustellung.

Dieses Urteil kann innert 30 Tagen nach seiner Eröffnung mit Beschwerde in Strafsachen beim Bundesgericht angefochten werden. Das Beschwerderecht und die übrigen Zulässigkeitsvoraussetzungen sind in den Art. 78–81 und 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 (BGG) geregelt. Die begründete Beschwerdeschrift ist beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.

Freiburg, 31. Januar 2018/swo

Der Präsident

Die Gerichtsschreiberin-Berichterstatterin

Schlagwörter

objectionsummary penalty orderdoubtful filingunrepresented defendantremandcourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the appellant's 11 December 2017 submission had to be accepted as an objection to the summary penalty order under Art. 354 StPO.

Extrahierter Entscheid

Yes. A criminal defendant need not give reasons for an objection; in doubtful cases, especially without counsel, a filing must be accepted as an objection if it does not clearly show agreement with the order.

Extrahierte Begründung

The submission was filed within the objection period and described the accident while asking for cancellation of the high bill. This did not clearly amount to acceptance of the penalty order, all the more so because a fine cannot simply be waived.

Kernrechtsfrage

Whether the police judge's decision finding no objection and declaring the penalty order final should stand.

Extrahierter Entscheid

No. The submission should have been treated as an objection, so the challenged decision had to be annulled and the matter returned for objection handling.

Extrahierte Begründung

Because the lower authority wrongly refused to treat the filing as an objection, it had to be set aside and remitted for further treatment.

Kernrechtsfrage

Costs and compensation of the appeal proceedings.

Extrahierter Entscheid

The appeal costs are borne by the State of Fribourg; no party compensation is awarded.

Extrahierte Begründung

The appellant succeeded on appeal, but the court saw no basis to grant party compensation.

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