Invalid refusal to hear objection due to missing power of attorney

c-3530-2009Bundesverwaltungsgericht / 3. Abteilung18.09.2009Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Administrative Court upheld the appeal against SAK’s refusal to hear an objection to the exclusion from voluntary AHV/IV insurance. It held that the representative’s authority was sufficiently shown by the faxed power of attorney and the file, and that SAK itself effectively addressed the merits in its submissions. The non-entry decision of 29 April 2009 was annulled and the matter remitted to SAK for substantive review. No court costs were imposed, and the appellant received CHF 1,000 in party compensation payable by SAK.

Omnilex-Regeste

Art. 37 Abs. 2 ATSG; Art. 59 and 60 ATSG; Art. 61 Abs. 1 VwVG; objection non-entry for lack of proof of authority. A social insurance authority may require written proof of representation, but refusal to enter into an objection is unlawful where the mandate is sufficiently evidenced by the file and the authority itself proceeds to address the merits. In appellate review of a non-entry decision, only the legality of the refusal to hear the matter is examined. If the refusal is unjustified, the objection decision must be annulled and the matter remitted for substantive determination; no procedural costs are levied against the successful appellant, and reasonable party compensation may be awarded (consid. on standing, admissibility, representation, and costs).

Gesamter Gesetzestext

BVGer C-3530/2009

Entscheiddatum: 18.09.2009Publikationsdatum: 07.10.2009

Bundesverwaltungsgericht

Tribunal administratif fédéral

Tribunale amministrativo federale

Tribunal administrativ federal

Abteilung III

C-3530/2009/

{T 0/2}

Urteil vom 18. September 2009

Besetzung

Richter Beat Weber (Vorsitz),

Richter Johannes Frölicher,

Richter Alberto Meuli,

Gerichtsschreiber Daniel Stufetti.

Parteien

T._______,

vertreten durch Integration Handicap, Rechtsdienst, Schützenweg 10, 3014 Bern,

Beschwerdeführer,

gegen

Schweizerische Ausgleichskasse SAK,

avenue Edmond-Vaucher 18, Postfach 3100, 1211 Genf 2,

Vorinstanz.

Gegenstand

Ausschluss aus der freiwilligen AHV-/IV-Versicherung; Einspracheentscheid der SAK vom 29. April 2009.

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass die Schweizerische Ausgleichskasse (SAK, Vorinstanz) mit Ein- spracheentscheid vom 29. April 2009 auf die Einsprache gegen die SAK-Verfügung vom 19. Januar 2009 (Ausschluss aus der freiwilligen Versicherung) wegen Fehlen der Bevollmächtigung der Vertreterin nicht eingetreten ist,

dass T._______ (Beschwerdeführer) den Einspracheentscheid mit Beschwerde vom 2. Juni 2009 beim Bundesverwaltungsgericht angefochten hat,

dass das Bundesverwaltungsgericht gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) in Verbindung mit Art. 85bis Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1946 über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG, SR 831.10) zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen von Vorinstanzen gemäss Art. 33 VGG zuständig ist,

dass die SAK eine Vorinstanz gemäss Art. 33 Bst. d VGG ist, und vorliegend keine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt,

dass der Beschwerdeführer im Sinne von Art. 59 ATSG beschwerdelegitimiert ist,

dass die Beschwerde im Übrigen frist- und formgerecht eingereicht wurde (Art. 60 ATSG und Art. 52 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]) und somit auf die Beschwerde einzutreten ist,

dass bei Nichteintreten auf eine Einsprache im Beschwerdeverfahren die Überprüfung auf die Frage beschränkt bleibt, ob die Vorinstanz die Einsprache zu Recht mit Nichteintreten erledigen durfte (BGE 118 V 311 E. 2),

dass die Vorinstanz ihren Nichteintretensentscheid mit der fehlenden Vollmacht der Vertreterin begründete,

dass der Versicherungsträger den Vertreter der Partei auffordern kann, sich durch schriftliche Vollmacht auszuweisen (Art. 37 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG, SR 830.1]),

dass die Vertreterin beschwerdeweise darauf hinwies, sie habe sich genügend über ihr Vertretungsmandat ausgewiesen, die entsprechende Vollmacht sei in Faxkopie eingereicht worden und der Anfechtungswille sowie die gewünschte Vertretung durch Integration Handicap gehe aus den beiden Telefax vom 5. Februar und 5. März 2009 deutlich hervor,

dass die Vorinstanz vernehmlassungsweise stillschweigend von der rechtsgenüglichen Vertretung des Beschwerdeführers auszugehen scheint und materiell zu den Ausschlussvoraussetzungen, die Gegenstand ihrer Verfügung vom 19. Januar 2009 waren, Stellung nimmt,

dass die Vorinstanz damit zu erkennen gibt, auf die Einsprache vom 11. März 2009 sei zu Unrecht nicht eingetreten worden,

dass sich auch aus den Akten ergibt, dass Integration Handicap mit Vollmacht vom 1. Juni 2009 rechtsgültig bevollmächtigt ist (act. 1 Beilage 8, Telefax),

dass der Einspracheentscheid vom 29. April 2009 somit aufzuheben ist,

dass es in der Zuständigkeit der SAK liegt, im Sinne ihrer Erwägungen in der Vernehmlassung die Einsprache gutzuheissen, ihre Ausschlussverfügung vom 19. Januar 2009 wiedererwägungsweise aufzuheben und eine neue Beitragsverfügung zu erlassen,

dass die Beschwerde aus den obgenannten Gründen gutzuheissen, der Einspracheentscheid vom 29. April 2009 aufzuheben und die Sache zur materiellen Prüfung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen ist (Art. 61 Abs. 1 VwVG),

dass keine Verfahrenskosten zu erheben sind (Art. 85bis Abs. 2 AHVG),

dass die Beschwerdeinstanz gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen kann,

dass dem obsiegenden Beschwerdeführer, der anwaltlich vertreten ist, unter Berücksichtigung des - mangels Vorliegens einer Kostennote - abzuschätzenden Aufwandes für Beschwerde und Replik eine Parteientschädigung von Fr. 1'000.- auszurichten (Art. 14 Abs. 2 VGKE), welche der unterliegenden Vorinstanz aufzuerlegen ist.

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

Die Beschwerde wird gutgeheissen.

Der Einspracheentscheid vom 29. April 2009 wird aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen.

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

Dem Beschwerdeführer wird eine Parteientschädigung in Höhe von Fr. 1'000.- zugesprochen. Diese geht zu Lasten der Vorinstanz.

Dieses Urteil geht an:

den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde)

die Vorinstanz (Ref-Nr. _______)

das Bundesamt für Sozialversicherungen

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Beat Weber Daniel Stufetti

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten geführt werden, sofern die Voraussetzungen gemäss den Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) gegeben sind. Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizulegen (vgl. Art. 42 BGG).

Versand:

Schlagwörter

social insurancerepresentationpower of attorneynon-entry decisionobjectionremandparty compensationcourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Was the objection representative duly authorized so that SAK could not refuse to hear the objection?

Extrahierter Entscheid

The record showed valid authorization; the non-entry decision was unjustified.

Extrahierte Begründung

The Court found that the faxed power of attorney and the correspondence sufficiently evidenced the mandate, and the file later contained a valid written authorization. SAK also effectively addressed the merits in its submissions.

Kernrechtsfrage

Should the SAK's non-entry decision of 29 April 2009 be upheld or set aside?

Extrahierter Entscheid

The decision had to be annulled and the matter remitted for substantive review.

Extrahierte Begründung

Because the refusal to enter into the objection was wrong, the objection decision could not stand; SAK must deal with the objection on the merits and issue a new contribution decision if necessary.

Kernrechtsfrage

Who bears procedural costs and is party compensation owed?

Extrahierter Entscheid

No procedural costs were charged, and the appellant received CHF 1,000 in party compensation at the respondent's expense.

Extrahierte Begründung

The appellant prevailed; under the applicable procedural rules, no court costs were imposed and a reasonable compensation for necessary representation was awarded.

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