Lifted suspension and discontinued case after indictment returned and prosecution discontinued

SK.2008.21Bundesstrafgericht / Strafkammer15.04.2009Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

In case SK.2008.21, the President of the Criminal Chamber of the Federal Criminal Court dealt with a supplementary indictment for breach of trust against A. After the indictment had been returned for completion and the case suspended, the Federal Prosecutor later discontinued the related investigative proceedings. The court held that the suspension must be understood as having transferred lis pendens back to the Federal Prosecutor. Because the prosecutor had discontinued the case, continuation of the proceedings was no longer possible. The suspension was therefore lifted, the case struck from the docket as concluded, and no court costs were charged.

Omnilex-Regeste

Art. 329 Abs. 2-3 StPO by analogy with the BStP; return of an indictment for completion and subsequent suspension of proceedings: if the indictment is returned to the Federal Prosecutor for further instruction, lis pendens may be deemed transferred back to the prosecutor. Where the prosecutor thereafter discontinues the related proceedings, the prerequisites for continuation before the court cease to exist. The suspended proceedings must then be lifted and removed from the active docket. As to costs, Art. 245 BStP in conjunction with Art. 66 Abs. 4 BGG precludes charging the Confederation for acts performed in its official capacity (consid. 3-4).

Gesamter Gesetzestext

Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale Tribunal penal federal Numéro du dossier: SK.2008.21

Präsidialverfügung vom 15. April 2009 Strafkammer Parteien

BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch Claude Nicati, stellvertretender Bundesanwalt

gegen

A., verteidigt durch Rechtsanwalt Alec Reymond,

Gegenstand

Ungetreue Geschäftsbesorgung, Art. 158 Ziff. 1 StGB; Rückweisung der Anklageschrift; Aufhebung der Ver- fahrenssistierung; Verfahrenseinstellung; Abschrei- bung

  • 2 - Der Präsident erwägt, dass : – die Strafkammer des Bundesstrafgerichts am 8. und 9. Oktober 2008 über die Ankla- ge der Bundesanwaltschaft gegen A. betreffend Unterstützung einer kriminellen Or- ganisation und Geldwäscherei (Geschäftsnummer SK.2007.24) verhandelt und am
  1. Oktober 2008 das diesbezügliche Urteil mündlich eröffnet hat; – die Bundesanwaltschaft zu Beginn des zweiten Verhandlungstags gemäss Art. 165 BStP eine Zusatzanklage gegen A. mit dem Vorwurf der ungetreuen Ge- schäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 StGB beim Gericht deponiert hat; – zwar die Zustimmung der Verteidigung zur gleichzeitigen Beurteilung der Zusatzan- klage umgehend erteilt wurde, das Gericht aber gleichentags den Beschluss gefasst hat, über die Zusatzanklage aus prozessökonomischen Gründen nicht gleichzeitig mit der bisherigen Anklage zu urteilen und den Vorwurf der ungetreuen Geschäfts- besorgung vom Verfahren SK.2007.24 zu trennen (HV-Protokoll Seite 5); – die Zusatzanklage infolgedessen vom Spruchkörper an den Präsidenten der Straf- kammer überwiesen wurde, damit dieser über das weitere Vorgehen entscheide (HV-Protokoll Seite 6); – der vorliegende Entscheid auf deutsch ergeht, da dies die Muttersprache des Präsi- denten der Strafkammer ist und der Entscheid keine Weiterungen nach sich zieht; – die Vorbereitung der Hauptverhandlung und demzufolge (in diesem Vorbereitungs- stadium) die Prüfung, ob eine Anklage genügend sei, dem Präsidenten der Straf- kammer obliegt (Art. 136 ff. BStP); – die Bundesanwaltschaft die vom Präsidenten der Strafkammer eingeräumte Gele- genheit, bis zum 17. November 2008 zur Zuständigkeitsfrage und zum weiteren Vor- gehen Stellung zu beziehen, nicht benützt hat; – sich der notwendige Inhalt einer Anklageschrift aus Art. 126 BStP ergibt; – das Bundesgesetz über die Bundesstrafrechtspflege keine Normen enthält, die das Verfahren bei mangelhaften Anklagen regeln; – gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts bis zum Inkrafttreten der verein- heitlichten Strafprozessordnung Anklagemängel während des Verfahrens zu behe- ben und mangelhafte Anklagen an die Bundesanwaltschaft zur Verbesserung zu- rückzuweisen sind (BGE 133 IV 93 E. 2.2.2);
  • 3 - – der Präsident der Strafkammer mit Präsidialentscheid vom 21. November 2008 die Zusatzanklageschrift der Bundesanwaltschaft gegen A. vom 9. Oktober 2008 zur Er- gänzung an die Bundesanwaltschaft zurückgewiesen und das Verfahren SK.2008.21 bei der Strafkammer des Bundesstrafgerichts sistiert hat; – das Bundesgesetz über die Bundesstrafrechtspflege keine Regelung darüber enthält, ob ein sistiertes Verfahren bei Gericht hängig bleibt oder aber die Rechtshängigkeit an die Bundesanwaltschaft übertragen wird; – sich aufgrund von BGE 133 IV 93 eine analoge Anwendung der Normen der Schwei- zerischen Strafprozessordnung vom 5. Oktober 2007 (StPO) anbietet, soweit die BStP im Hinblick auf bestimmte Verfahrenskonstellationen keine Regelung enthält; – Art. 328 StPO vorsieht, dass mit Eingang der Anklageschrift das Verfahren beim Ge- richt rechtshängig wird und die Verfahrensbefugnisse auf das Gericht übergehen; – das Gericht das Verfahren sistiert, wenn sich ergibt, dass ein Urteil zurzeit nicht er- gehen kann und es die Anklage, falls erforderlich, zur Ergänzung oder Berichtigung an die Staatsanwaltschaft zurückweist (Art. 329 Abs. 2 StPO); – nach Art. 329 Abs. 3 StPO das Gericht entscheidet, ob ein sistierter Fall bei ihm hän- gig bleibt; – gemäss der Botschaft zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts vom
  1. Dezember 2005 ein Verbleib der Hängigkeit beim Gericht sinnvoll ist, wenn die Staatsanwaltschaft nur eine mit wenig Aufwand verbundene Ergänzung oder Berich- tigung der Anklage vorzunehmen hat, andernfalls es angezeigt sein kann, die Rechtshängigkeit an die Staatsanwaltschaft zu übertragen (BBl 2006 S. 1279); – die Rückweisung der Anklageschrift an die Bundesanwaltschaft zwecks weiterer In- struktion erfolgt ist und somit gemäss der StPO die Rechtshängigkeit an die Staats- anwaltschaft (Bundesanwaltschaft) zu übertragen wäre; – die Bundesanwaltschaft mit Verfügung vom 2. April 2009 das polizeigerichtliche Er- mittlungsverfahren gegen A. wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung (Geschäfts- nummer EA.05.0129-NIC) in Anwendung von Art. 120 BStP wegen eingetretener Bundesunzuständigkeit und Fehlens objektiver Tatbestandsmerkmale von Art. 158 Abs. 1 StGB eingestellt hat; – eine Verfahrenseinstellung durch die Bundesanwaltschaft gemäss Art. 120 BStP nur möglich ist, wenn sie über verfahrensleitende Befugnisse verfügt, was voraussetzt, dass das Verfahren nicht beim Bundesstrafgericht hängig ist;
  • 4 - – der Präsidialentscheid vom 21. November 2008 somit dahingehend ausgelegt wer- den muss, dass mit der Sistierungsverfügung die Rechtshängigkeit auf die Bundes- anwaltschaft übertragen worden ist; – die Voraussetzungen für die Weiterführung des Strafverfahrens gegen A. wegen un- getreuer Geschäftsbesorgung in Folge der Verfahrenseinstellung durch die Bundes- anwaltschaft nicht mehr gegeben sind; – die Verfahrenssistierung vom 21. November 2008 aufzuheben und das Verfahren SK.2008.21 als erledigt abzuschreiben ist; – gemäss Art. 245 BStP für Kosten und Entschädigungen im bundesgerichtlichen Ver- fahren die Artikel 62-68 BGG entsprechend gelten; – Art. 66 Abs. 4 BGG bestimmt, dass dem Bund im Rahmen seiner amtlichen Tätigkeit in der Regel keine Kosten auferlegt werden; und verfügt:
  1. Die Sistierung des Verfahrens SK.2008.21 gegen A. vor dem Bundesstrafgericht wird aufgehoben.
  2. Das Verfahren SK.2008.21 wird als erledigt abgeschrieben.
  3. Es werden keine Kosten erhoben.
  4. Mitteilung an die Bundesanwaltschaft, den Verteidiger Rechtsanwalt Alec Reymond sowie zu den Akten SK.2007.24.

Der Präsident der Strafkammer des Bundesstrafgerichts:

Walter Wüthrich

Schlagwörter

breach of trustsupplementary indictmentsuspension of proceedingsreturn of indictmentlis pendensdiscontinuancecourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the suspension of proceedings in case SK.2008.21 should be lifted

Extrahierter Entscheid

Yes. The suspension had to be lifted because the later discontinuance by the Federal Prosecutor left no basis to continue the case.

Extrahierte Begründung

By analogy to the StPO, the return of the indictment transferred pending status back to the Federal Prosecutor; after the prosecutor discontinued the investigation, the conditions for continuing the criminal case were no longer met.

Kernrechtsfrage

Whether case SK.2008.21 should be struck from the docket as concluded

Extrahierter Entscheid

Yes. The proceedings were to be marked as concluded and removed from the active docket.

Extrahierte Begründung

Since continuation was no longer possible after the discontinuance decision, the suspended proceedings had to be terminated administratively.

Kernrechtsfrage

Whether court costs should be imposed

Extrahierter Entscheid

No costs were charged to the Federal Government.

Extrahierte Begründung

Under the applicable cost rules, the Federal Government generally bears no costs when acting in its official capacity.

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