No entry into appeal in Swiss mutual legal assistance case

RR.2008.248Bundesstrafgericht / Beschwerdekammer25.09.2008Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

A. AG challenged a Solothurn prosecutor's order requiring it to produce stored emails for Austrian mutual legal assistance proceedings. The Solothurn court forwarded the matter to the Federal Criminal Court. The II. Appeals Chamber held that it had jurisdiction over mutual legal assistance appeals, but the contested order was neither a final decision nor an independently appealable interim decision under the mutual legal assistance rules. The appeal was therefore not entered into, and no court fees were levied.

Omnilex-Regeste

Art. 80e IRSG; appealability of mutual legal assistance decisions. In international mutual legal assistance in criminal matters, only final decisions of the executing authority closing the proceedings, together with preceding interim decisions, are appealable. Interim decisions are separately challengeable only if they cause immediate and irreparable harm through seizure of assets or the presence of foreign procedural participants. An order to produce data or documents that does not meet these criteria is not independently appealable; the appellate court must therefore refuse entry. Court fees may exceptionally be waived under Art. 63 Abs. 1 VwVG in special circumstances.

Gesamter Gesetzestext

Entscheid vom 25. September 2008 II. Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Cornelia Cova, Vorsitz, Andreas J. Keller und Roy Garré, Gerichtsschreiberin Andrea Bütler

Parteien

A. AG, Beschwerdeführerin

gegen

STAATSANWALTSCHAFT DES KANTONS SOLO- THURN, Beschwerdegegner

Gegenstand Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Öster- reich

Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale Tribunal penal federal Geschäftsnummer: RR.2008.248

  • 2 -

Die II. Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass

  • die Staatsanwaltschaft Feldkirch (Österreich) ein Strafverfahren gegen B. und C. wegen Betruges führt;

  • die Staatsanwaltschaft Feldkirch mit Rechtshilfeersuchen vom 10. Juli 2008 die Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn (nachfolgend "Staatsanwalt- schaft") u.a. ersuchte, rückwirkend die E-Mails, gesendet und empfangen von der Adresse "D." zu erheben;

  • die Staatsanwaltschaft mit Verfügung vom 29. August 2008 die A. AG auffor- derte, sämtliche noch gespeicherten E-Mails, welche über die genannte Ad- resse gesendet oder empfangen wurden, in elektronischer Form der Staats- anwaltschaft zur Verfügung zu stellen (act. 1.3);

  • die A. AG am 11. September 2008 gegen diese Verfügung beim Obergericht des Kantons Solothurn (nachfolgend "Obergericht") Beschwerde erhob mit dem Antrag auf Aufhebung der Verfügung (act. 1.1);

  • das Obergericht sich als nicht zuständig erachtete und daher mit Schreiben vom 15. September 2008 die Akten an das Bundesstrafgericht überwies (act. 1);

  • das Bundesstrafgericht seine Zuständigkeit von Amtes wegen prüft (Art. 7 Abs. 2 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren [VwVG; SR 172.021] i.V.m. Art. 12 Abs. 1 des Bundesgesetzes über internationale Rechtshilfe in Strafsachen [IRSG; SR 351.1.]);

  • die II. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichtes über Beschwerden in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten entscheidet (Art. 25 Abs. 1 IRSG; Art. 28 Abs. 1 lit. e SGG i.V.m. Art. 9 Abs. 3 des Reglementes für das Bun- desstrafgericht), womit die Zuständigkeit der II. Beschwerdekammer grund- sätzlich gegeben und ein Meinungsaustausch i.S.v. Art. 8 Abs. 2 VwVG nicht erforderlich ist;

  • im Rahmen der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen nur Schlussverfü- gungen der ausführenden kantonalen Behörden oder der ausführenden Bun- desbehörde, mit welchen das Rechtshilfeverfahren abgeschlossen wird, zu- sammen mit den vorangehenden Zwischenverfügungen der Beschwerde un- terliegen (Art. 80e Abs. 1 IRSG);

  • 3 -

  • Zwischenverfügungen nur dann selbständig angefochten werden können, wenn sie durch die Beschlagnahme von Vermögenswerten und Wertgegen- ständen oder durch die Anwesenheit ausländischer Prozessbeteiligter einen unmittelbaren und nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken (Art. 80e Abs. 2 IRSG);

  • die Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 29. August 2008 weder eine Schlussverfügung noch eine selbständig anfechtbare Zwischenverfügung im Sinne der genannten Bestimmungen darstellt, weshalb auf die Beschwerde nicht einzutreten ist;

  • angesichts der Besonderheit des Falles ausnahmsweise keine Gerichtsge- bühren zu erheben sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).

  • 4 -

Demnach erkennt die II. Beschwerdekammer:

  1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

  2. Es werden keine Gerichtsgebühren erhoben.

Bellinzona, 25. September 2008

Im Namen der II. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin:

Zustellung an

  • A. AG
  • Obergericht des Kantons Solothurn
  • Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn
  • Bundesamt für Justiz, Fachbereich Rechtshilfe

Rechtsmittelbelehrung Dieser Entscheid ist nicht anfechtbar (vgl. Art. 93 Abs. 1 und 2 BGG)

Schlagwörter

mutual legal assistanceappealabilityinterim decisionfinal decisioninadmissibilityirreparable harmcourt feesemail disclosure

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the Federal Criminal Court had jurisdiction over the appeal in mutual legal assistance matters.

Extrahierter Entscheid

The II. Appeals Chamber of the Federal Criminal Court had jurisdiction to decide mutual legal assistance appeals.

Extrahierte Begründung

The court reviewed jurisdiction ex officio; under the applicable legal framework, the Federal Criminal Court hears appeals in international mutual legal assistance matters.

Kernrechtsfrage

Whether the cantonal prosecutor's order to produce stored emails was appealable at this stage.

Extrahierter Entscheid

The appeal was inadmissible because the order was neither a final decision nor an independently appealable interim decision.

Extrahierte Begründung

Only final decisions concluding the assistance proceedings, together with preceding interim decisions, are appealable. Interim decisions are separately appealable only if they cause immediate and irreparable harm through seizure of assets or the presence of foreign procedural participants; that was not the case here.

Kernrechtsfrage

Whether court fees should be charged.

Extrahierter Entscheid

No court fees were imposed due to the special circumstances of the case.

Extrahierte Begründung

The chamber exceptionally waived fees.

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