Non-entry for unpaid advance on extradition compensation appeal

RR.2008.247Bundesstrafgericht / Beschwerdekammer24.11.2008Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

A. appealed to the Federal Criminal Court against the Federal Office of Justice’s refusal to award compensation for alleged unlawful extradition detention. After being ordered to pay an advance on costs of CHF 4,000, he failed to pay it in time and his request for legal aid was also late. The II. Criminal Chamber therefore refused to enter into the appeal. It nevertheless waived court fees.

Omnilex-Regeste

Art. 63 Abs. 4 VwVG, Art. 21 Abs. 1 VwVG; non-payment of an ordered advance on costs and untimely filing of a legal-aid request lead to non-entry. The time limit is preserved only if the amount is credited in due time or the application for legal aid is lodged within the same period; dispatch to a foreign post office does not suffice. Where the advance is not timely paid and no timely legal-aid request is filed, the appellate authority must refuse entry on the appeal. In exceptional circumstances, the court may waive the levying of judicial fees (consid. 2).

Gesamter Gesetzestext

Entscheid vom 24. November 2008 II. Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Cornelia Cova, Vorsitz, Andreas J. Keller und Jean-Luc Bacher, Gerichtsschreiberin Andrea Bütler

Parteien

A., vertreten durch Rechtsanwalt Borko S. Spase- noski, Beschwerdeführer

gegen

BUNDESAMT FÜR JUSTIZ, FACHBEREICH RECHTSHILFE, Beschwerdegegnerin

Gegenstand Auslieferungsersuchen der Schweiz an Bulgarien

Entschädigung für ungerechtfertigte Auslieferungs- haft (Art. 15 IRSG)

Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale Tribunal penal federal Geschäftsnummer: RR.2008.247

  • 2 -

Die II. Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:

  • die schweizerischen Behörden im Jahre 1998 via Interpol um Festnahme von A. wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz ersucht haben;

  • die bulgarischen Behörden A. am 13. Dezember 2005 am Grenzübergang Z. (Bulgarien) festgenommen haben;

  • die Staatsanwaltschaft Zürich (nachfolgend „Staatsanwaltschaft“) daraufhin am 19. Dezember 2005 gegen A. einen neuen Haftbefehl ausstellte, und das Bundesamt für Justiz (nachfolgend „Bundesamt“) das Auslieferungser- suchen am 6. Januar 2006 an Bulgarien übermittelte;

  • die Staatsanwaltschaft am 4. April 2006 den Haftbefehl gegen A. aufhob, worauf das Bundesamt das Auslieferungsersuchen am 14. April 2006 for- mell zurückzog;

  • A. in der Folge aus dem Gefängnis entlassen wurde und am 18. April 2007 beim Bundesamt eine Schadenersatzklage wegen unrechtmässiger Auslie- ferungshaft eingereicht hat;

  • das Bundesamt das Gesuch um Schadenersatz und Genugtuung mit Ver- fügung vom 15. August 2008 abgewiesen hat (act. 1.1);

  • der Rechtsvertreter von A. daraufhin mit Beschwerde vom 12. September 2008 an das Bundesstrafgericht, II. Beschwerdekammer, gelangt ist (act. 1);

  • der Beschwerdeführer am 16. September 2008 eingeladen wurde, bis zum

  1. September 2008 in der Schweiz ein Zustelldomizil (eine Adresse, an die alle gerichtlichen Schriftstücke rechtsgültig übermittelt werden können) zu bezeichnen, ansonsten weitere Zustellungen durch das Bundesstrafge- richt grundsätzlich unterbleiben und insbesondere der Schlussentscheid nicht zugestellt wird (act. 3);
  • der Beschwerdeführer am 24. September 2008 sein Zustelldomizil in der Schweiz mit B. benannt hat (act. 4);

  • mit Schreiben vom 8. Oktober 2008 der Beschwerdeführer aufgefordert worden ist, bis am 22. Oktober 2008 einen Kostenvorschuss von

  • 3 -

CHF 4'000.00 zu bezahlen, ansonsten auf die Beschwerde nicht eingetre- ten werde (act. 5);

  • der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 20. Oktober 2008 mitteilte, dass er nicht in der Lage zur Bezahlung des Kostenvorschusses sei (act. 6);

  • es sich bei dem angefochtenen Entscheid um eine Verfügung des Bundes- amtes handelt, gegen welche innert 30 Tagen ab der schriftlichen Mittei- lung bei der II. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichtes Beschwerde geführt werden kann (Art. 15 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 IRSG; Art. 28 Abs. 1 lit. e SGG; Art. 9 Abs. 3 des Reglements vom 20. Juni 2006 für das Bundes- strafgericht [SR 173.710] und Art. 12 Abs. 1 IRSG sowie Art. 30 lit. b SGG i.V.m. Art. 50 Abs. 1 VwVG);

  • die Beschwerdefrist vorliegend eingehalten worden ist;

  • die Beschwerdeinstanz, ihr Vorsitzender oder der Instruktionsrichter vom Beschwerdeführer einen Kostenvorschuss in der Höhe der mutmasslichen Verfahrenskosten erhebt (Art. 63 Abs. 4 VwVG Satz 1);

  • dem Beschwerdeführer zur Leistung des Kostenvorschusses, unter Andro- hung des Nichteintretens, eine angemessene Frist angesetzt wird (Art. 63 Abs. 4 VwVG Satz 2; Art. 23 VwVG);

  • diese Frist für die Zahlung eines Kostenvorschusses gewahrt ist, wenn der Betrag rechtzeitig zu Gunsten der Behörde der Schweizerischen Post übergeben oder einem Post- oder Bankkonto in der Schweiz belastet wor- den ist (Art. 21 Abs. 3 VwVG);

  • die Frist auch durch das Einreichen eines Gesuches um unentgeltliche Rechtspflege gewahrt werden kann, das Gesuch aber ebenfalls unter Wah- rung der Frist erfolgen muss (MICHAEL BEUSCH, Kommentar zum Bundes- gesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich / St. Gallen 2008, S. 812 FN 42);

  • schriftliche Eingaben spätestens am letzten Tag der Frist der Behörde ein- gereicht oder zu Handen der schweizerischen Post oder einer schweizeri- schen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben sein müs- sen (Art. 21 Abs. 1 VwVG), worauf der Beschwerdeführer hingewiesen worden war (act. 3);

  • 4 -

  • das Schreiben vom 20. Oktober 2008, welches sinngemäss als Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege anzusehen ist, am 22. Oktober 2008 bei einer Poststelle in Y. (Mazedonien) aufgegeben worden und im internationalen Briefzentrum der schweizerischen Post am 29. Oktober 2008 angekommen ist (act. 6; 6.1);

  • damit weder der Kostenvorschuss fristgerecht eingegangen noch das Ge- such um unentgeltliche Rechtspflege rechtzeitig zu Handen der schweizeri- schen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsulari- schen Vertretung übergeben worden ist (Art. 21 Abs. 1 VwVG);

  • auf die Beschwerde demnach androhungsgemäss nicht einzutreten ist;

  • es sich vorliegend rechtfertigt, auf die Erhebung einer Gerichtsgebühr zu verzichten (Art. 63 Abs. 1 Satz 3 VwVG i.V.m. Art. 30 lit. b SGG).

  • 5 -

Demnach erkennt die II. Beschwerdekammer:

  1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

  2. Es werden keine Kosten erhoben.

Bellinzona, 25. November 2008

Im Namen der II. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin:

Zustellung an

  • Rechtsanwalt Borko S. Spasenoski
  • Bundesamt für Justiz, Fachbereich Rechtshilfe

Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben (vgl. Art. 84 BGG).

Schlagwörter

extradition assistanceadvance on costslegal aidnon-entryappeal admissibilityservice addresscourt fees

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the appeal could be entered into despite the unpaid advance on costs and the late legal-aid request.

Extrahierter Entscheid

No. The advance on costs was not paid within the set period, and the request for legal aid was not filed in time either; therefore the appeal had to be declared inadmissible.

Extrahierte Begründung

The court held that the appeal deadline itself was met, but the appellant had been validly ordered to pay an advance on costs under threat of non-entry. A legal-aid request would only preserve the deadline if filed within the same period. The letter dated 20 October 2008 was posted too late to count as timely filing.

Kernrechtsfrage

Whether court fees should be charged despite the non-entry decision.

Extrahierter Entscheid

No. The court exercised its discretion to waive the collection of court fees.

Extrahierte Begründung

In the circumstances, the court considered it appropriate not to levy a judicial fee.

Setzen Sie Ihre Recherche in ChatGPT oder Claude fort

Verbinden Sie Omnilex, um den Rechtskorpus über Ihren KI-Assistenten zu durchsuchen.