Beschluss vom 7. November 2019
Berufungskammer
Besetzung
Bundesstrafrichter Claudia Solcà, Vorsitzende
Beatrice Kolvodouris Janett und Petra Venetz,
nebenamtliche Richterinnen
Gerichtsschreiberin Francesca Pedrazzi
Parteien
A.,
Gesuchsteller
zwecks Revision des Urteils der Strafkammer des
Bundesstrafgerichts SK.2017.19 vom 19. Dezember
2017
Gegenstand
Revisionsgesuch (Art. 410 ff. StPO)
B u n d e s s t r a f g e r i c h t
T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l
T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e
T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l
Ges c häft s n um m er: C R . 20 19. 7
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Die Berufungskammer hält fest, dass:
̶ A. das Urteil SK.2017.19 der Strafkammer des Bundesstrafgerichts vom 19. Dezem-
ber 2017 mit Beschwerde in Strafsachen angefochten hatte, wobei dieser Entscheid
vom Bundesgericht mit Urteil 6B_879/2018 vom 26. April 2019 bestätigt worden war;
̶ die Berufungskammer des Bundesstrafgerichts (nachfolgend Berufungskammer) mit
Beschluss vom 29. Juli 2019 auf die vom Beschwerdeführer gegen das Urteil
SK.2017.19 der Strafkammer des Bundesstrafgerichts vom 19. Dezember 2017 ein-
gereichte Berufung nicht eintrat (Beschluss der Berufungskammer CA.2019.12 vom
- Juli 2019);
̶ der Gesuchsteller mit Schreiben vom 4. September 2019 die Revision des Urteils
SK.2017.19 der Strafkammer des Bundesstrafgerichts vom 19. Dezember 2017 bei
der Berufungskammer beantragte (S. 1.100.001 ff.);
̶ die Präsidentin der Berufungskammer am 6. September 2019 der Bundesanwaltschaft
sowie dem Gesuchsteller den Eingang des Revisionsgesuchs sowie die Zusammen-
setzung des Spruchkörpers mitteilte (S. 1.200.001 ff.).
Die Berufungskammer zieht in Erwägung, dass:
̶ die Berufungskammer gemäss Art. 21 Abs. 1 lit. b der Schweizerischen Strafprozess-
ordung (SR 312.0; StPO) sowie Art. 38a des Bundesgesetzes über die Organisation
der Strafbehörden des Bundes (SR 173.71; StBOG) über Revisionsgesuche entschei-
det;
̶ nach dem Willen des Gesetzgebers die Berufungskammer auf Bundesebene erst seit
dem 1. Januar 2019 existiert (BBI 2008 8125);
̶ vor dem 1. Januar 2019, Revisionen gegen Entscheide der Strafkammer des Bun-
desstrafgerichts vom Bundesgericht beurteilt worden waren, wobei das Verfahren sich
nach der StPO richtete (Art. 119a Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesge-
richt, SR 173.110; aBGG, in seiner Version in Rechtskraft bis am 31. Januar 2018;
SCHMID/JOSITSCH, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, N. 5 ad Art. 21 StPO);
̶ gemäss Art. 453 Abs. 1 StPO Rechtsmittel gegen einen Entscheid, der vor Inkrafttre-
ten der StPO gefällt worden ist, nach bisherigem Recht, von den bisher zuständigen
Behörden, beurteilt werden;
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̶ die Regel von Art. 453 Abs. 1 StPO problematisch sein kann, wenn sie auf die Revi-
sion angewandt werden soll, da Revisionsgesuche noch nach Jahren und in einem
Zeitpunkt aktuell werden können, in welchem die früheren Revisionsinstanzen nicht
mehr vorhanden sind (Urteil des Bundesgerichts 6B_41/2012 vom 28. Juni 2012
E. 1.1; SCHMID, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, N. 2 ad Art. 453 StPO; USTER, Basler
Kommentar, 2. Aufl. 2014, N. 1 ad Art. 453 StPO; MOREILLON/PAREIN-REYMOND, Petit
Commentaire, 2. Aufl. 2016, N. 3 ad Art. 453 StPO);
̶ wenn dies der Fall ist und die Revisionsinstanzen nicht mehr vorhanden sind, die Re-
vision vom Berufungsgericht nach Art. 21 Abs. 1 lit. b StPO nach den Verfahrensregeln
von Art. 411 ff. StPO behandelt werden kann, allerdings unter Berücksichtigung der
Revisionsgründe des früheren Rechts (Urteil des Bundesgerichts 6B_41/2012 vom
- Juni 2012 E. 1.2; SCHMID, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, N. 2 ad Art. 453 StPO;
MOREILLON/PAREIN-REYMOND, Petit Commentaire, 2. Aufl. 2016, N. 3 ad Art. 453
StPO);
̶ im konkreten Fall die frühere Revisionsinstanz – das Bundesgericht – noch vorhanden
ist und sich mit Urteil 6B_879/2018 vom 26. April 2019 mit der betreffenden Strafsache
bereits auseinandergesetzt hat;
̶ aufgrund des oben Gesagten die Berufungskammer mangels Zuständigkeit nicht auf
das Revisionsgesuch eintreten kann;
̶ in Anwendung von Art. 73 Abs. 1 lit. a und b sowie Abs. 3 lit. c StBOG i.V.m. Art. 1
Abs. 4, Art. 5 und Art. 7bis des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August
2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafsachen (BStKR;
SR 173.713.162) eine Gebühr von Fr. 200.-- festzusetzen ist.
- Auf das Revisionsgesuch wird nicht eingetreten.
- Die Gerichtsgebühr von Fr. 200.-- wird dem Gesuchsteller auferlegt.
Im Namen der Berufungskammer
des Bundesstrafgerichts
Die Vorsitzende Die Gerichtsschreiberin
Zustellung an (Gerichtsurkunde)
- Herrn A.
- Bundesanwaltschaft, Herrn Werner Pfister, Staatsanwalt des Bundes
Mitteilung an (Kopie)
- Strafkammer des Bundesstrafgerichts (brevi manu)
Nach Eintritt der Rechtskraft mitzuteilen an
- Bundesanwaltschaft, Urteilsvollzug & Vermögensverwaltung (zum Vollzug)
Rechtsmittelbelehrung
Beschwerde an das Bundesgericht
Gegen verfahrensabschliessende Entscheide der Berufungskammer des Bundesstrafgerichts kann beim Bun-
desgericht, 1000 Lausanne 14, innert 30 Tagen nach der Zustellung der vollständigen Ausfertigung Be-
schwerde eingelegt werden (Art. 78, Art. 80 Abs. 1, Art. 90 und Art. 100 Abs. 1 BGG).
Für die Beschwerde ans Bundesgericht gelten die Voraussetzungen gemäss Art. 78 - 81 und 90 ff. BGG.
Versand: 7. November 2019