Untimely complaint against house search dismissed as inadmissible

BV.2011.4Bundesstrafgericht / Beschwerdekammer23.03.2011Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

A. challenged a house search carried out by BAKOM in the course of an investigation into an alleged RTVG offense and also sought compensation for carpet cleaning. The I. Beschwerdekammer of the Federal Criminal Court held that the complaint period of three days began the day after the search, when A. had been present, and expired on 2011-02-21. Because the complaint was only handed to the post on 2011-02-23, the court refused to enter into the complaint. It also ordered A. to pay court costs of CHF 200.

Omnilex-Regeste

Art. 28 Abs. 3 VStrR; Art. 31 Abs. 2 VStrR i.V.m. Art. 90 Abs. 1, Art. 91 Abs. 2 und Art. 89 Abs. 1 StPO; complaint against coercive measures in administrative criminal proceedings: the three-day deadline begins on the day following knowledge of the official act and cannot be extended. An appeal lodged by post is timely only if handed over to the Swiss Post on the last day of the period. Where the appellant was personally present at the house search, the time limit runs from the next day; a later posting renders the complaint inadmissible (consid. 1). Costs are allocated according to the outcome of the proceedings.

Gesamter Gesetzestext

Beschluss vom 23. März 2011 I. Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Tito Ponti, Vorsitz, Emanuel Hochstrasser und Joséphine Contu, Gerichtsschreiber Stefan Graf

Parteien

A.,

Beschwerdeführer

gegen

BUNDESAMT FÜR KOMMUNIKATION,

Beschwerdegegner

Gegenstand Hausdurchsuchung (Art. 48 f. VStrR)

Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale Tribunal penal federal Geschäftsnummer: BV.2011.4

  • 2 -

Die I. Beschwerdekammer hält fest, dass:

  • das Bundesamt für Kommunikation (nachfolgend „BAKOM“) gegen A. we- gen des Verdachts der Widerhandlung im Sinne des Art. 101 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 24. März 2006 über Radio und Fernsehen (RTVG; SR 784.40) eine Untersuchung führt (act. 2.6);

  • das BAKOM am 18. Februar 2011 in der Gegenwart von A. in dessen Woh- nung eine Hausdurchsuchung vornahm (act. 2.15);

  • A. hiergegen mit Eingabe vom 20. Februar 2011 (Postaufgabe gemäss Poststempel am 23. Februar 2011) beim BAKOM Beschwerde wegen der Durchsuchung und unmenschlichem Vorgehen erhebt und daneben Fr. 120.-- für die Reinigung des durch die die Durchsuchung vornehmen- den Personen verschmutzten Teppichs verlangt (act. 1);

  • das BAKOM die Beschwerde am 28. Februar 2011 an die I. Beschwerde- kammer des Bundesstrafgerichts weiterleitete und in seiner dazugehörigen Stellungnahme beantragt, auf die Beschwerde sei auf Grund fehlender Wahrung der Beschwerdefrist nicht einzutreten (act. 2);

  • A. von der I. Beschwerdekammer am 1. März 2011 aufgefordert wurde, zur Frage der Fristwahrung bis 11. März 2011 eine allfällige Beschwerdereplik einzureichen (act. 3), diese Frist jedoch unbenutzt verstreichen liess.

Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:

  • gegen Zwangsmassnahmen im Sinne der Art. 45 ff. VStrR und damit zu- sammenhängende Amtshandlungen bei der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde geführt werden kann (Art. 26 Abs. 1 VStrR i.V.m. Art. 37 Abs. 2 lit. b StBOG und Art. 19 Abs. 1 des Organisati- onsreglements vom 31. August 2010 für das Bundesstrafgericht [Organisa- tionsreglement BStGer, BStGerOR; SR 173.713.161]);

  • die Beschwerde innert drei Tagen, nachdem der Beschwerdeführer von der Amtshandlung Kenntnis hat, bei der zuständigen Behörde schriftlich mit An- trag und kurzer Begründung einzureichen ist (Art. 28 Abs. 3 VStrR);

  • 3 -

  • Art. 31 Abs. 1 VStrR, welcher sich systematisch innerhalb der allgemeinen Verfahrensbestimmungen des Verwaltungsstrafrechts befindet, für die Be- rechung der Fristen, die Fristverlängerung und die Wiederherstellung ge- gen die Folgen der Fristversäumnis zwar die Art. 20 – 24 VwVG für sinn- gemäss anwendbar erklärt;

  • sich die Fristen im gerichtlichen Verfahren andererseits nach der StPO rich- ten (Art. 31 Abs. 2 VStrR);

  • das Beschwerdeverfahren vor der I. Beschwerdekammer als solches ge- richtliches Verfahren zu betrachten ist, weshalb sich die Fristen nach den einschlägigen Bestimmungen der StPO richten (Beschluss des Bundes- strafgerichts BV.2011.2 vom 16. März 2011, E. 1.3; vgl. zu Art. 31 Abs. 2 VStrR in seiner bis 31. Dezember 2010 gültigen Fassung TPF 2008 167 E. 1.3.2. sowie u. a. den Entscheid des Bundesstrafgerichts BV.2008.14 vom 30. Januar 2009, E. 1.3, und zur analogen Situation der Anklagekam- mer des Bundesgerichts als früher zuständige Beschwerdeinstanz HAURI, Verwaltungsstrafrecht, Bern 1998, S. 89 mit Hinweis auf BGE 107 IV 72 E. 2 S. 74);

  • Fristen, die durch eine Mitteilung oder den Eintritt eines Ereignisses ausge- löst werden, am folgenden Tag zu laufen beginnen (Art. 90 Abs. 1 StPO);

  • Eingaben spätestens am letzten Tag der Frist bei der Strafbehörde abge- geben oder zu deren Handen der Schweizerischen Post, einer schweizeri- schen diplomatischen oder konsularischen Vertretung oder, im Falle von inhaftierten Personen, der Anstaltsleitung übergeben werden müssen (Art. 91 Abs. 2 StPO), wobei gesetzliche Fristen nicht erstreckt werden kön- nen (Art. 89 Abs. 1 StPO);

  • die dreitägige Beschwerdefrist im vorliegenden Fall am Tag nach der Hausdurchsuchung, welcher der Beschwerdeführer persönlich beiwohnte, zu laufen begann und somit am 21. Februar 2011 endete;

  • die Beschwerdeschrift zu Handen des BAKOM erst am 23. Februar 2011, mithin nach Ablauf der gesetzlichen Beschwerdefrist, der Schweizerischen Post übergeben wurde;

  • auf die Beschwerde nach dem Gesagten nicht eingetreten werden kann;

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  • die Gerichtskosten bei diesem Ausgang des Verfahrens dem Beschwerde- führer aufzuerlegen sind (Art. 66 Abs. 1 BGG analog; vgl. den Beschluss des Bundesstrafgerichts BV.2011.2 vom 16. März 2011, E. 2);

  • die Gerichtsgebühr vorliegend auf Fr. 200.-- festgesetzt wird (Art. 5 und 8 Abs. 1 BStKR);

  • 5 -

und erkennt:

  1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

  2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 200.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt.

Bellinzona, 23. März 2011

Im Namen der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Zustellung an

  • A.
  • Bundesamt für Kommunikation

Rechtsmittelbelehrung Gegen Entscheide der I. Beschwerdekammer über Zwangsmassnahmen kann innert 30 Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde geführt werden (Art. 79 und 100 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005; BGG). Das Verfahren richtet sich nach den Artikeln 90 ff. BGG. Eine Beschwerde hemmt den Vollzug des angefochtenen Entscheides nur, wenn der Instruktionsrichter oder die Instruktionsrichterin es anordnet (Art. 103 BGG).

Schlagwörter

house searchdeadlineinadmissibilityadministrative criminal lawcoercive measurescourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the complaint against the house search was filed within the three-day deadline under VStrR/StPO rules.

Extrahierter Entscheid

The complaint was filed after expiry of the statutory deadline and could not be examined on the merits.

Extrahierte Begründung

The deadline began the day after the search, at which A. was personally present, and ended on 2011-02-21. The complaint was handed to the post only on 2011-02-23. Statutory deadlines cannot be extended.

Kernrechtsfrage

Who bears the court costs and in what amount.

Extrahierter Entscheid

The appellant must bear the costs; the court fee is fixed at CHF 200.

Extrahierte Begründung

Costs follow the outcome of the proceedings, and the fee is set according to the applicable fee rules.

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