Premature compensation claim under Art. 122 BStP

BK.2006.8Bundesstrafgericht27.07.2006Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

A. sought compensation of CHF 4,200 for 42 days of pre-trial detention after the Federal Prosecutor dismissed the investigation and referred the compensation request to the Federal Criminal Court. The Appeals Chamber held that a compensation claim under Art. 122 BStP can be filed only after the investigation dismissal has become final. Because A. had submitted the request too early, the court did not enter into it. No court fee was imposed, as the premature filing was triggered by the prosecutor's invitation.

Omnilex-Regeste

Art. 122 BStP; compensation claim after discontinuance of investigation; admissibility of premature filing. A request for compensation for pre-trial detention and other disadvantages may be lodged only once the discontinuance or dismissal of the investigation has become final. A filing made before finality is premature and leads to non-entry; an exception based on good faith is not available where the relevant practice has been published. If the premature filing was induced by the authority, the court may waive fees (consid. 1-3).

Gesamter Gesetzestext

Entscheid vom 27. Juli 2006 Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Emanuel Hochstrasser, Vorsitz, Barbara Ott und Tito Ponti, Gerichtsschreiber Hanspeter Lukács

Parteien

A., vertreten durch Fürsprecher Martin Schmutz,

Gesuchsteller

gegen

SCHWEIZERISCHE BUNDESANWALTSCHAFT,

Gesuchsgegnerin

Gegenstand Entschädigungsbegehren (Art. 122 BStP)

Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale Tribunal penal federal Geschäftsnummer: BK.2006.8

  • 2 -

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:

  • die Gesuchsgegnerin nach Abschluss der Voruntersuchung mit Verfügung vom 14. Juli 2006 das Ermittlungsverfahren gegen den Gesuchsteller we- gen Verdachts der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz (Art. 19 Ziff. 2 BetmG), ausgehend von einer kriminellen Organisation (Art. 260 ter StGB), einstellte und die Kosten des Verfahrens dem Bund auf- erlegte (act. 2.1);

  • die Gesuchsgegnerin mit gleicher Verfügung das vom Gesuchsteller am

  1. Juli 2006 eingereichte (teilweise) Entschädigungsbegehren unter Beilage der Verfahrensakten der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zur Entscheidung vorlegte;
  • mit Blick auf den Ausgang des Verfahrens auf das Einholen einer Ver- nehmlassung (Art. 122 Abs. 3 und 4 BStP) in sinngemässer Anwendung von Art. 219 Abs. 1 BStP verzichtet wird;

  • sich aus den Verfahrensakten ergibt, dass die Gesuchsgegnerin den Ge- suchsteller bzw. dessen Verteidiger mit Schreiben vom 31. Mai 2006 im Hinblick auf die beabsichtigte Verfahrenseinstellung gestützt auf Art. 122 BStP Frist ansetzte, um „allfällige Begehren um Entschädigung für die Un- tersuchungshaft und für andere Nachteile einzureichen“, worauf dieser in- nert erstreckter Frist Antrag auf Entschädigung von Fr. 4'200.-- für eine ausgestandene Untersuchungshaft von 42 Tagen stellte;

  • der Beschuldigte ein Begehren um Entschädigung für die Untersuchungs- haft und für andere erlittene Nachteile im Sinne von Art. 122 Abs. 1 BStP erst nach rechtskräftiger Einstellung der Untersuchung bzw. des Ermitt- lungsverfahrens stellen kann (TPF BK.2006.2 vom 10. März 2006 E. 1.2), weshalb die Vorgehensweise der Gesuchsgegnerin unverständlich er- scheint;

  • das Entschädigungsbegehren vom 6. Juli 2006 sich somit als verfrüht er- weist, weshalb darauf nicht – auch nicht ausnahmsweise unter dem Blick- winkel von Treu und Glauben, nachdem die diesbezügliche Praxis der Be- schwerdekammer publiziert worden ist (TPF BK.2006.2 vom 10. März 2006; www.bstger.ch ) – eingetreten werden kann;

  • angesichts der Tatsache, dass der Gesuchsteller sein Gesuch verfrüht ein- reichte, weil er dazu von der Gesuchsgegnerin aufgefordert wurde, von der Erhebung einer Gerichtsgebühr abzusehen ist;

  • 3 -

  • dem Gesuchsteller durch das Nichteintreten kein Nachteil erwächst, weil er sein Gesuch jederzeit (vollständig) erneut einreichen kann;

  • 4 -

und erkennt:

  1. Auf das Gesuch wird nicht eingetreten.

  2. Es werden keine Kosten erhoben.

Bellinzona, 28. Juli 2006

Im Namen der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Zustellung an

  • Fürsprecher Martin Schmutz
  • Schweizerische Bundesanwaltschaft

Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.

Schlagwörter

compensation claimpre-trial detentioninadmissibilityfinalitygood faithcourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the compensation request for pre-trial detention and other disadvantages under Art. 122 BStP was admissible when filed before the investigation dismissal became final.

Extrahierter Entscheid

The request was filed too early and therefore could not be examined.

Extrahierte Begründung

A compensation claim under Art. 122 BStP may be made only after the investigation or preliminary inquiry has been finally discontinued. Because A. filed the request before finality, the court could not enter into it, even exceptionally on the basis of good faith.

Kernrechtsfrage

Whether court costs should be charged despite the non-entry result.

Extrahierter Entscheid

No court fee was levied because the premature filing was prompted by the respondent's own invitation.

Extrahierte Begründung

Since the applicant submitted the request prematurely only because the Federal Prosecutor had asked him to do so, the court dispensed with fees.

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