No admissibility without final inter-cantonal venue dispute

BG.2010.16Bundesstrafgericht / Beschwerdekammer14.09.2010Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Zug public prosecutor asked the Federal Criminal Court to determine territorial jurisdiction in a criminal case against A. concerning alleged breach of trust linked to investment placements. The court held that it could not enter into the request because there was no final inter-cantonal venue conflict: the legally competent authorities of Zurich and Fribourg had not yet ruled, only subordinate offices had commented. Since the suspect was not detained, the urgency exception did not justify departure from the general admissibility requirement. The request was therefore not entertained and no court costs were levied.

Omnilex-Regeste

Art. 345 StGB; Art. 279 Abs. 1 BStP; inter-cantonal venue disputes before the Federal Criminal Court are admissible only once a final conflict exists and the competent cantonal authority designated by cantonal law has been seized and has ruled. Mere informal statements by subordinate prosecutorial or investigative offices do not suffice. In the absence of detention, the special acceleration rationale under Art. 5 Ziff. 3 EMRK and Art. 31 Abs. 3 BV does not justify entering into the matter despite the lack of a final conflict. A request filed prematurely is immediately inadmissible under Art. 219 Abs. 1 BStP by analogous application (consid. 1).

Gesamter Gesetzestext

Entscheid vom 14. September 2010 I. Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Tito Ponti, Vorsitz, Emanuel Hochstrasser und Patrick Robert-Nicoud, Gerichtsschreiber Stefan Graf

Parteien

KANTON ZUG, Staatsanwaltschaft des Kantons Zug, Gesuchsteller

gegen

  1. CANTON DE VAUD, Juge d'instruction du can- ton de Vaud,
  2. KANTON ZÜRICH, Oberstaatsanwaltschaft,
  3. KANTON BASEL-LANDSCHAFT, Besonderes Untersuchungsrichteramt Basel-Landschaft,
  4. KANTON FREIBURG, Kantonsgericht des Kan- tons Freiburg, Präsident der Strafkammer, Gesuchsgegner

Gegenstand Örtliche Zuständigkeit (Art. 279 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 345 StGB)

Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale Tribunal penal federal Geschäftsnummer: BG.2010.16

  • 2 -

Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:

  • am 22. März 2010 bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug gegen A. eine Strafanzeige wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesor- gung im Sinne von Art. 158 StGB und/oder weiterer Straftatbestände im Zusammenhang mit von A. vermittelten Geldanlagen bei der B.-Gruppe eingegangen ist (2A 2010 72, act. 1/1);

  • die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug in der Folge feststellte, dass dies- bezüglich in verschiedenen Kantonen der Schweiz bereits sachverwandte Verfahren hängig sind (vgl. act. 1, S. 4 ff.);

  • sie daher verschiedene Behörden der Kantone Zürich, Freiburg, Waadt und Basel-Landschaft anging und um Äusserung zur Gerichtsstandsfrage er- suchte, diese jedoch allesamt ihre Zuständigkeit zur Verfolgung von A. ab- lehnten (act. 1, S. 6 f. m.w.H.);

  • sie hierauf mit Gesuch vom 6. September 2010 an die I. Beschwerdekam- mer des Bundesstrafgerichts gelangte und diese um Bestimmung des Ge- richtsstandes zur Verfolgung von A. ersuchte (act. 1);

  • sich die Zuständigkeit der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zum Entscheid über Gerichtsstandsstreitigkeiten aus Art. 345 StGB i.V.m. Art. 279 Abs. 1 BStP, Art. 28 Abs. 1 lit. g SGG und Art. 9 Abs. 2 des Reg- lements vom 20. Juni 2006 für das Bundesstrafgericht (SR 173.710) ergibt;

  • es allerdings Voraussetzung für die Anrufung der I. Beschwerdekammer ist, dass ein Streit über einen interkantonalen Gerichtsstand vorliegt und dass die Kantone über diesen Streit einen Meinungsaustausch durchgeführt ha- ben (SCHWERI/BÄNZIGER, Interkantonale Gerichtsstandsbestimmung in Strafsachen, 2. Aufl., Bern 2004, N. 599);

  • solange jene Behörde, die vom kantonalen Recht für die Behandlung der interkantonalen Gerichtsstandskonflikte als zuständig bezeichnet wird, nicht angegangen worden ist und sich nicht ausgesprochen hat, noch kein end- gültiger Gerichtsstandskonflikt vorliegt und die I. Beschwerdekammer nicht angerufen werden kann (SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 564; Entscheid des Bundesstrafgerichts BG.2008.13 vom 2. Juli 2008, E. 1.2);

  • von Seiten des Kantons Zürich bzw. des Kantons Freiburg bisher lediglich Äusserungen der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich (2A 2010 72,

  • 3 -

Dossier 2/1) bzw. des Untersuchungsrichters des Kantons Freiburg (2A 2010 72, Dossier 2/2) vorliegen;

  • sich demnach die von Gesetzes wegen zuständigen Behörden der Kantone Zürich und Freiburg, namentlich die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich (§ 6 lit. m der Verordnung über die Organisation der Oberstaatsan- waltschaft und der Staatsanwaltschaften des Kantons Zürich vom 27. Ok- tober 2004 [LS 213.21]) und der Präsident der Strafkammer des Kantons- gerichts Freiburg (Art. 26 Abs. 2 der Strafprozessordnung des Kantons Freiburg vom 14. November 1996 [StPO/FR; BDLF 32.1]), noch nicht zur vorliegenden Strafsache geäussert haben;

  • somit kein endgültiger Gerichtsstandskonflikt vorliegt, was dem Eintreten auf das Gesuch entgegensteht;

  • der Beschuldigte nicht inhaftiert ist, was die I. Beschwerdekammer auf Grund des besonderen Beschleunigungsgebots nach Art. 5 Ziff. 3 EMRK bzw. Art. 31 Abs. 3 BV in der Regel dazu bewegt, trotz Fehlens eines end- gültigen Gerichtsstandskonflikts auf ein entsprechendes Gesuch einzutre- ten (Entscheid des Bundesstrafgerichts BG.2009.28 vom 20. Okto- ber 2009);

  • sich das vorliegende Gesuch daher nach Art. 219 Abs. 1 BStP, welcher nach der Praxis der I. Beschwerdekammer auch bei der Beurteilung von Gesuchen kantonaler Behörden um Bestimmung des Gerichtsstandes sachgemäss Anwendung findet, als sofort unzulässig erweist, weshalb von der Einholung von Gesuchsantworten abgesehen wird (vgl. den Entscheid des Bundesstrafgerichts BG.2008.13 vom 2. Juli 2008, E. 1.2 in fine);

  • keine Gerichtskosten zu erheben sind (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 66 Abs. 4 BGG);

  • 4 -

und erkennt:

  1. Auf das Gesuch wird nicht eingetreten.

  2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

Bellinzona, 14. September 2010

Im Namen der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Zustellung an

  • Staatsanwaltschaft des Kantons Zug
  • Juge d'instruction du canton de Vaud
  • Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich
  • Besonderes Untersuchungsrichteramt Basel-Landschaft
  • Kantonsgericht des Kantons Freiburg, Präsident der Strafkammer

Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.

Schlagwörter

territorial jurisdictioninadmissibilityinter-cantonal conflictcriminal procedurecostsdetained accusedacceleration principle

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the Federal Criminal Court could determine venue absent a final inter-cantonal jurisdictional conflict and prior opinion from the competent cantonal authorities.

Extrahierter Entscheid

The application was inadmissible because no final venue conflict existed; the legally competent authorities of Zurich and Fribourg had not yet ruled.

Extrahierte Begründung

Only informal statements existed from subordinate offices. The authorities designated by cantonal law to decide inter-cantonal venue disputes had not been seized, so the prerequisite for referral to the I. Beschwerdekammer was missing. The exception for detained accused did not apply.

Kernrechtsfrage

Whether court costs should be charged.

Extrahierter Entscheid

No court costs were imposed.

Extrahierte Begründung

The court found no basis to levy costs in this inadmissibility decision.

Setzen Sie Ihre Recherche in ChatGPT oder Claude fort

Verbinden Sie Omnilex, um den Rechtskorpus über Ihren KI-Assistenten zu durchsuchen.