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BB.2015.12 ΓÇó Supervisory complaint cannot be converted into a criminal appeal
BB.2015.12Bundesstrafgericht / Beschwerdekammer23.02.2015Inadmissible
A. AG filed a supervisory complaint concerning a criminal investigation and later clarified that it did not want the filing treated as an appeal under the StPO. The Criminal Appeals Chamber held that a supervisory complaint is a non-formal report, not an appeal, and that an attorney-represented party’s express choice cannot be converted ex officio into a formal remedy. As the chamber only has jurisdiction over appeals under Art. 393 ff. StPO, it lacked competence to examine the supervisory complaint. It therefore did not enter into the matter, returned the file to the supervisory authority over the Federal Prosecutor’s Office, and charged no costs.
Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO; Art. 37 Abs. 1 StBOG: distinction between appeal and supervisory complaint; a supervisory complaint is not a formal remedy but a formloser Rechtsbehelf. Where a legally represented party expressly chooses the supervisory complaint and rejects treatment as an appeal, no ex officio conversion into an appeal is permissible; this applies a fortiori given the different legal nature and cost consequences (consid. 3). The Criminal Appeals Chamber’s competence extends only to appeals under the StPO, not to supervisory complaints; lacking an appeal, it must decline jurisdiction and return the submission to the supervisory authority.
Beschluss vom 23. Februar 2015 Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, Andreas J. Keller und Roy Garré, Gerichtsschreiberin Santina Pizzonia
Parteien
A. AG, vertreten durch Rechtsanwältinnen Mariel Hoch und Vera Naegeli, Anzeigeerstatterin
gegen
BUNDESKRIMINALPOLIZEI,
BUNDESANWALTSCHAFT, Beanzeigte
Gegenstand Aufsichtsbeschwerde
B u n d e s s t r a f g e r i c h t T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l
Ges c häft s n um m er: B B . 201 5.1 2
Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:
mit Eingabe vom 24. Dezember 2014 die A. AG durch ihre Rechtsvertrete- rinnen bei der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (nachfolgend "AB-BA") Aufsichtsbeschwerde bezüglich der Strafuntersuchung Nr. [...] erhob (act. 1);
mit Schreiben vom 29. Januar 2015 sich die AB-BA als in der Sache nicht zuständig erklärte, weil es sich nach ihrer Auffassung um eine Beschwerde gegen Verfahrenshandlungen im Rahmen eines konkreten Strafverfahrens handeln würde, weshalb sie die Beschwerde der A. AG dem Bundesstraf- gericht überwies (act. 3);
mit Schreiben vom 6. Februar 2015 der A. AG Gelegenheit zur Stellung- nahme zur erfolgten Überweisung und namentlich zur Frage gegeben wur- de, ob und inwieweit sie ihre Eingabe vom 24. Dezember 2014 als Be- schwerde im Sinne von Art. 393 ff. StPO behandelt wissen wolle, da sie durch ihre Rechtsvertreterinnen ihre Eingabe vom 24. Dezember 2014 ex- plizit als Aufsichtsbeschwerde hatte ausgestalten und entsprechende An- träge stellen lassen (act. 4);
die A. AG in ihrer Stellungnahme vom 13. Februar 2015 erklärte, dass sich die Aufsichtsbeschwerde vom 24. Dezember 2014 nicht gegen konkrete Verfahrenshandlungen richte, sondern die Aufsichtsbehörde über die Bun- desanwaltschaft über Missstände unterrichte, welche generelle Weisungen und allgemeine Massnahmen erfordern würden, die über den konkreten Einzelfall hinausgingen (act. 5);
davon ausgehend die A. AG abschliessend mitteilte, sie möchte ihre Ein- gabe vom 24. Dezember 2014 nicht als Beschwerde im Sinne von Art. 393 ff. StPO behandelt wissen; sie die Auffassung vertritt, dass eine Rücküberweisung ihrer Eingabe an die zuständige Aufsichtsbehörde erfol- gen müsse (act. 5);
gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalpolizei bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafge- richts Beschwerde nach den Vorschriften der Art. 393 ff. StPO erhoben werden kann (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG);
von der Beschwerde im Sinne von Art. 393 ff. StPO die Aufsichtsbe- schwerde abzugrenzen ist (s. ANDREAS KELLER, in: StPO Kommentar, DO- NATSCH/HANSJAKOB/LIEBER [Hrsg.], 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014,
3 -
Art. 393 N. 3 ff.; PATRICK GUIDON in: Basler Kommentar StPO, 2. Aufl., Ba- sel 2014, Art. 393 N. 5);
es sich bei der Aufsichtsbeschwerde trotz ihrer Bezeichnung nicht um eine Beschwerde im Sinne eines förmlichen Rechtsmittels, sondern um eine Anzeige und formlosen Rechtsbehelf handelt (s. OLIVER ZIBUND, in: Praxis- kommentar VwVG, Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Zürich/Basel/Genf 2009, Art. 71 N. 22; vgl. auch KELLER, a.a.O., Art. 393 N. 3);
nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ein Rechtsmittel nicht von Amtes wegen in ein anderes umgewandelt werden kann, wenn eine von ei- nem berufsmässigen Bevollmächtigten verbeiständete Partei ausdrücklich ein bestimmtes Rechtsmittel wählt (BGE 120 II 270 E. 2 S. 272); dies mit Blick auf die unterschiedliche Rechtsnatur und die nicht zuletzt ungleichen Kostenfolgen a fortiori zu gelten hat und daher die Umwandlung in ein förmliches Rechtsmittel ausser Betracht fällt, wenn eine anwaltlich vertrete- ne Partei ausdrücklich einen formlosen Rechtsbehelf wie die Aufsichtsbe- schwerde ergreift;
vorliegend die anwaltlich vertretene A. AG bewusst eine Aufsichtsbe- schwerde bei der AB-BA einreichte (act. 1); sie gegenüber dem hiesigen Gericht sodann erklärte, dass sie ihre Eingabe vom 24. Dezember 2014 nicht als Beschwerde im Sinne von Art. 393 ff. StPO behandelt wissen möchte (act. 5);
nach dem Gesagten kein Wille zur Beschwerde im Sinne von Art. 393 ff. StPO vorliegt; eine Umdeutung der Aufsichtsbeschwerde in eine solche Beschwerde folglich ausgeschlossen ist;
es damit an einer Beschwerde im Sinne von Art. 393 ff. StPO fehlt; die Be- schwerdekammer sachlich nicht zur Prüfung und Beurteilung einer Auf- sichtsbeschwerde zuständig ist; sie entsprechend auch nicht die Frage nach der Subsidiarität der Aufsichtsbeschwerde zu prüfen hat;
entsprechend auf die überwiesene Aufsichtsbeschwerde vom 24. Dezem- ber 2014 nicht einzutreten und diese der Aufsichtsbehörde zurückzuüber- weisen ist;
keine Kosten zu erheben sind.
4 -
Demnach erkennt die Beschwerdekammer:
Auf die Aufsichtsbeschwerde vom 24. Dezember 2014 wird nicht eingetreten.
Die Aufsichtsbeschwerde vom 24. Dezember 2014 wird samt den entspre- chenden Akten der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft zustän- digkeitshalber zurücküberwiesen.
Es werden keine Kosten erhoben.
Bellinzona, 23. Februar 2015
Im Namen der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts
Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:
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Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.