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BB.2014.16 ΓÇó Late complaint against denial of access to criminal case file
BB.2014.16Bundesstrafgericht / Beschwerdekammer12.06.2014Inadmissible
A. S.A. requested access to files in federal criminal proceedings. The Federal Prosecutor responded that it would first await a ruling in related proceedings. A. S.A. then filed a complaint alleging denial of justice and seeking access. The Federal Criminal Court held that the prosecutor's response was a negative decision, not actionable inactivity, so the 10-day deadline applied. Because the complaint was filed too late, the chamber did not enter into it. Court costs of CHF 1,000 were imposed on A. S.A.
Art. 396 Abs. 1 StPO; distinction between denial of justice and negative decision in criminal proceedings; where an authority expressly refuses to act for the time being or announces that it will await another decision, the act constitutes a negative decision, so the ordinary 10-day complaint period applies. Formal denial of justice presupposes inactivity or unjustified delay despite a legal duty to act. A complaint filed after expiry of the deadline is inadmissible (consid. 3-4). Costs follow the outcome under Art. 428 Abs. 1 StPO and Art. 418 Abs. 2 StPO.
Beschluss vom 12. Juni 2014 Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, Emanuel Hochstrasser und Andreas J. Keller, Gerichtsschreiberin Chantal Blättler Grivet Fojaja
Parteien
A. S.A., vertreten durch Fürsprecher Gerrit Straub, Beschwerdeführerin
gegen
BUNDESANWALTSCHAFT, Beschwerdegegnerin
Gegenstand Akteneinsicht (Art. 101 f. i.V.m. Art. 107 Abs. 1 lit. a StPO); Rechtsverweigerung (Art. 393 Abs. 2 lit. a StPO)
B u n d e s s t r a f g e r i c h t T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l
Ges c häft s n um m er: B B . 201 4.1 6
Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:
sowohl die Bundesanwaltschaft (Verfahrensnummer SV.09.0185-OCH) wie auch die Staatsanwaltschaft Wien ein Strafverfahren gegen Unterneh- mensverantwortliche der B. GmbH führen und die österreichischen Behör- den in diesem Zusammenhang mit diversen Rechtshilfeersuchen an die Schweiz gelangt sind (act. 1.4);
die Bundesanwaltschaft am 26. Juni 2012 rechtshilfeweise die Konten der A. S.A. bei der Bank C. AG sperrte (act. 1.6);
die A. S.A. unter anderem am 17. Dezember 2013 um Akteneinsicht in das Schweizer Strafverfahren SV.09.0185-OCH ersuchte bzw. andernfalls den Erlass einer anfechtbaren Verfügung beantragte (act. 1.17);
die Bundesanwaltschaft mit Verfügung vom 19. Dezember 2013 das Ak- teneinsichtsgesuch der A. S.A. wie folgt beantwortete (act. 1.2):
"Auch die Frage von Gegenstand und Umfang des Akteneinsichtsrechts betreffend der von Ihnen vertretenen A. SA, wird [...] zufolge der von Ihnen gegen die Schlussverfügung vom 8. August 2013 im Rechtshilfeverfahren (RH.12.0004) erhobenen Beschwerde durch das Bundesstrafgericht ent- schieden. Im Rahmen der Beschwerde haben Sie bekanntlich diesbezüg- lich eine Verletzung des rechtlichen Gehörs gerügt.
[...]
Um unnötige Weiterung zu vermeiden, werden wir den Entscheid der Be- schwerdekammer i.S. A. SA abwarten und Ihnen danach Gelegenheit ge- ben zu entscheiden, ob Sie an den Gesuchen festhalten."
die A. S.A. mit Beschwerde vom 22. Januar 2014 an die Beschwerdekam- mer des Bundesstrafgerichts gelangte, Rechtsverweigerung geltend mach- te und Einsicht in sämtliche bei der Bundesanwaltschaft liegenden Akten und Daten im Verfahren SV.09.0185-OCH, insbesondere in die gemäss Ak- tenübersicht der Staatsanwaltschaft Wien betreffend D. erwähnten Akten, beantragte (act. 1);
die Bundesanwaltschaft in ihrer Beschwerdeantwort vom 6. Februar 2014 beantragte, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten; eventualiter sei die Beschwerde abzuweisen (act. 3);
3 -
die A. S.A. in ihrer Replik vom 17. Februar 2014 sinngemäss an ihren An- trägen in der Beschwerde festhält (act. 5), was der Bundesanwaltschaft am
gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Bundesanwaltschaft bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde nach den Vorschriften der Art. 393 ff. StPO erhoben werden kann (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG), wobei zur Beschwerde jede Par- tei oder jeder andere Verfahrensbeteiligte berechtigt ist, welche oder wel- cher ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheides haben (Art. 382 Abs. 1 StPO);
die Bundesanwaltschaft mangelnde Zuständigkeit der Beschwerdekammer geltend macht mit der Begründung, das Strafverfahren sei abgetreten, weshalb die schweizerischen Behörden keine Massnahmen im Rahmen der Strafverfolgung mehr ergreifen könnten (Art. 89 IRSG);
die Frage der Zuständigkeit für die Behandlung von Beschwerden nach Art. 397 ff. StPO bei an einen anderen Staat angetretenem und damit erst vorläufig eingestellten Strafverfahren (vgl. act. 3, Ziff. 2.2.1) in Anbetracht des Wortlauts von Art. 89 Abs. 1 IRSG ("gegen den Verfolgten") und des Umstands, dass das Strafverfahren gerade nicht rechtskräftig abgeschlos- sen ist, offen bleiben kann, da – wie nachfolgend zu zeigen ist – auf die Beschwerde ohnehin nicht einzutreten ist;
die Beschwerde gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide innert zehn Tagen schriftlich und begründet einzureichen ist (Art. 396 Abs. 1 StPO);
die Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit der Rechtzeitigkeit der Be- schwerde ausführt, sie mache Rechtsverweigerung und Rechtsverzöge- rung durch die von der Bundesanwaltschaft erlassene Verfügung geltend, und Beschwerden wegen Rechtsverweigerung seien an keine Frist gebun- den (act. 1 S. 3);
Rechtsverzögerung durch Untätigkeit und damit formelle Rechtsverweige- rung dann vorliegt, wenn die Behörde sich weigert, eine ihr nach Gesetz obliegende Amtshandlung vorzunehmen, wenn sie untätig bleibt, bei- spielsweise auf einen Antrag zur Vornahme einer bestimmten Handlung
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einfach nicht reagiert oder das gebotene Handeln über Gebühr hinauszö- gert, obschon sie zum Tätigwerden verpflichtet wäre; bei einer ausdrücklich erklärten Weigerung, tätig zu werden oder in eine bestimmte Richtung hin zu verfügen, hingegen eine Negativverfügung vorliegt und diesfalls die Be- schwerdefrist von 10 Tagen ab Kenntnisnahme dieser Mitteilung vorliegt (KELLER, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Zü- rich/Basel/Genf 2010, N 9 zu Art. 396, mit Hinweisen auf die Recht- sprechung);
die Bundesanwaltschaft in ihrer angefochtenen Verfügung vom 19. De- zember 2013 ausdrücklich erklärte, einstweilen nicht tätig zu werden und zunächst den Entscheid der Beschwerdekammer im Rechtshilfeverfahren abzuwarten, weshalb die Bundesanwaltschaft eine Negativverfügung erlas- sen hat;
eine Rechtsverzögerung damit nicht vorliegt, und die Beschwerdefrist somit zehn Tage beträgt;
die Beschwerde vom 22. Januar 2014 als verspätet eingereicht zu gelten hat, weshalb darauf nicht einzutreten ist;
bei diesem Ausgang des Verfahrens die Beschwerdeführerin die Gerichts- kosten zu tragen hat (Art. 428 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 418 Abs. 2 StPO), wobei die Gerichtsgebühr auf Fr. 1'000.-- festzusetzen ist (Art. 73 StBOG i.V.m. Art. 5 und 8 Abs. 1 des Reglements des Bundesstrafgerichts vom
Demnach erkennt die Beschwerdekammer:
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- wird der Beschwerdeführerin auferlegt.
Bellinzona, 13. Juni 2014
Im Namen der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts
Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:
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Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.