Complaint against witness examination rejected

BB.2010.87,BB.2010.90Bundesstrafgericht / Beschwerdekammer21.10.2010Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

A. AG and B. S.A. complained to the Federal Criminal Court against the Federal Prosecutor’s decision to hear D. as a witness in an investigation involving C., the companies, and alleged offences including disloyal management, bribery of foreign officials, money laundering, and corporate liability. They also requested suspensive effect. The court held that the prosecuting authority has discretion to determine whether a person is heard as witness, information person, or accused, and that the person questioned has no choice in that regard. The complaint was dismissed as manifestly unfounded, the suspensive-effect request became moot, and costs of CHF 500 were imposed with a CHF 2,500 refund of the advance.

Omnilex-Regeste

Art. 219 Abs. 1 BStP; witness status in criminal proceedings and no right of the person heard to choose the mode of examination. The competent prosecuting authority determines, on the basis of the factual and legal situation existing at the time of the hearing, whether a person is to be examined as witness, information person or accused. The person concerned may comment on the intended form of examination but has no subjective right to a different status. A complaint challenging such a determination is manifestly unfounded where the authority maintains its decision; a request for suspensive effect becomes moot once the complaint is dismissed. Costs follow the outcome (consid. 2-4).

Gesamter Gesetzestext

Entscheid vom 21. Oktober 2010 I. Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Tito Ponti, Vorsitz, Patrick Robert-Nicoud und Joséphine Contu, Gerichtsschreiberin Andrea Bütler

Parteien

  1. A. AG,

  2. B. S.A.,

beide vertreten durch Rechtsanwalt Jürg Wernli, und Rechtsanwalt Maurice Harari, Beschwerdeführer

gegen

BUNDESANWALTSCHAFT, Beschwerdegegnerin

Gegenstand Ermittlungshandlungen (Art. 102 BStP); Aufschiebende Wirkung (Art. 218 BStP)

Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale Tribunal penal federal Geschäftsnummer: BB.2010.87+BP.2010.51 BB.2010.90+BP.2010.53

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Die I. Beschwerdekammer hält fest, dass

  • die Bundesanwaltschaft gegen C., die A. AG und die B. S.A., Frankreich, ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren eröffnet hat wegen des Ver- dachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung (Art. 158 StGB), der Beste- chung fremder Amtsträger (Art. 322 septies StGB), der qualifizierten Geldwä- scherei (Art. 305 bis Ziff. 2 StGB) und der Verantwortlichkeit des Unterneh- mens (Art. 102 StGB);

  • die Bundesanwaltschaft in genanntem Verfahren verschiedene Einvernah- men durchgeführt hat; u.a. am 20. September 2010 D. befragte; der an der Einvernahme anwesende Rechtsvertreter der Beschwerdeführer – Rechts- anwalt Wernli – beantragt hat, D. als Auskunftsperson und nicht als Zeuge einzuvernehmen; der Verfahrensleiter diesem Antrag jedoch nicht ent- sprach (act. 1.3);

  • die A. AG und die B. S.A. daher am 24. September 2010 mit einer Be- schwerde an die I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts gelangt sind und beantragen, D. nicht als Zeuge zu befragen, solange er nicht als Beschuldigter einvernommen werde; sie zudem verlangen, der Beschwer- de die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen (act. 1 bzw. BP.2010.51 + BP.2010.53 act. 1);

  • die Bundesanwaltschaft in ihrer Stellungnahme zum Gesuch betreffend aufschiebende Wirkung beantragt, auf die Beschwerde sei nicht einzutre- ten; sofern darauf eingetreten werde, sei das Gesuch um aufschiebende Wirkung abzuweisen; die A. AG und die B. S.A. darüber am 5. Oktober 2010 in Kenntnis gesetzt wurden (BP.2010.51 + BP.2010.53 act. 3, 4);

Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass

  • gegen Amtshandlungen und wegen Säumnis der Bundesanwaltschaft die Beschwerde nach den Verfahrensvorschriften der Art. 214 ff. BStP an die I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zulässig ist (Art. 105 bis

Abs. 2 BStP i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. a SGG und Art. 9 Abs. 2 des Regle- ments vom 20. Juni 2006 für das Bundesstrafgericht; SR 173.710);

  • eine Beschwerde gegen Amtshandlungen des Bundesanwalts innert fünf Tagen seit deren Kenntnis durch den Beschwerdeführer einzureichen ist (Art. 217 StPO);

  • 3 -

  • sich die Frage stellt, ob die Beschwerdefrist vorliegend gewahrt worden ist, wurde D. laut Beschwerdegegnerin doch bereits als Zeuge vorgeladen und am 23. August 2010 erstmals als solcher befragt; der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer offenbar bereits damals Einwände dagegen erhob, aber anschliessend keine Beschwerde einreichte (act. 1.3 Zeile 29-32; BP.2010.51 + BP.2010.53 act. 3);

  • diese Frage vorliegend offen bleiben kann, da sich die Beschwerde als so- fort unbegründet erweist (vgl. nachfolgend);

  • die zuständige Strafbehörde darüber entscheidet, ob eine Person als Zeu- ge, Auskunftsperson oder Beschuldigter zu befragen ist; dieser Entscheid aufgrund der im Zeitpunkt der Befragung bestehenden Sach- und Rechts- lage getroffen wird; der Einzuvernehmende sich zur Art der Einvernahme zwar äussern kann, er aber kein Wahlrecht hat (SCHMID, Strafprozessrecht,

  1. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2004, N. 659h; SCHMID, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, Zürich/St. Gallen 2009, N. 920; DO- NATSCH/HANSJAKOB/LIEBER, Kommentar zur Schweizerischen Strafpro- zessordnung, Zürich/Basel/Genf 2010, Art. 178 N. 10 – 13);
  • der Verfahrensleiter vorliegend entschieden hat, D. als Zeuge zu befragen, er an diesem Entscheid auch nach den Vorbringen des Rechtsvertreters der Beschwerdeführer festgehalten hat (act. 1.3);

  • sich die Beschwerde nach dem Gesagten gemäss Art. 219 Abs. 1 BStP als sofort unbegründet erweist und demnach abzuweisen ist;

  • das Gesuch um aufschiebende Wirkung somit gegenstandslos wird;

  • bei diesem Ausgang des Verfahrens die Beschwerdeführer als unterliegen- de Partei die Kosten zu tragen haben (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 66 Abs. 1 BGG), wobei die Gerichtsgebühr auf Fr. 500.-- festzusetzen ist (Art. 245 Abs. 2 BStP und Art. 3 des Reglements vom 11. Februar 2004 über die Gerichtsgebühren vor dem Bundesstrafgericht; SR 173.711.32), unter Verrechnung des geleisteten Kostenvorschusses von Fr. 3'000.--; die Bundesstrafgerichtskasse anzuweisen ist, den Beschwerdeführern den Restbetrag von insgesamt Fr. 2'500.-- zurückzuerstatten.

  • 4 -

Demnach erkennt die I. Beschwerdekammer:

  1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

  2. Das Gesuch um aufschiebende Wirkung wird infolge Gegenstandslosigkeit als erledigt abgeschrieben.

  3. Die Gerichtsgebühr von Fr. 500.-- wird den Beschwerdeführern auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 3'000.-- verrechnet. Die Bun- desstrafgerichtskasse wird angewiesen, den Beschwerdeführern den Rest- betrag von insgesamt Fr. 2'500.-- zurückzuerstatten.

Bellinzona, 22. Oktober 2010

Im Namen der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Zustellung an

  • Rechtsanwalt Maurice Harari
  • Rechtsanwalt Jürg Wernli
  • Bundesanwaltschaft

Rechtsmittelbelehrung Gegen Entscheide der I. Beschwerdekammer über Zwangsmassnahmen kann innert 30 Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde geführt werden (Art. 79 und 100 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005; BGG). Das Verfahren richtet sich nach den Artikeln 90 ff. BGG. Eine Beschwerde hemmt den Vollzug des angefochtenen Entscheides nur, wenn der Instruktionsrichter oder die Instruktionsrichterin es anordnet (Art. 103 BGG).

Schlagwörter

criminal investigationwitness examinationprocedural statuscomplaintsuspensive effectcourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether D. had to be questioned as a witness rather than as an information person or accused person

Extrahierter Entscheid

The prosecuting authority decides whether a person is heard as witness, information person, or accused based on the facts and law at the time of the examination; the person questioned has no right to choose the form of examination.

Extrahierte Begründung

The complaint was clearly unfounded because the prosecutor had already decided to hear D. as a witness and maintained that decision. Any objection by the parties did not create a right to a different hearing status.

Kernrechtsfrage

Request for suspensive effect

Extrahierter Entscheid

The request became moot once the complaint was dismissed.

Extrahierte Begründung

Because the main complaint was rejected immediately, there was no remaining need to decide suspensive effect.

Kernrechtsfrage

Court costs

Extrahierter Entscheid

The appellants had to bear the court fee of CHF 500, offset against the CHF 3,000 advance; CHF 2,500 was to be reimbursed.

Extrahierte Begründung

As the losing parties, the appellants were ordered to pay costs under the applicable fee rules.

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