Standing to challenge a no-prosecution decision

BB.2010.120Bundesstrafgericht / Beschwerdekammer28.12.2010Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

A. appealed to the Federal Criminal Court against the Federal Prosecutor's decision not to follow up her criminal complaint and against the CHF 500 cost order. The court held that she was not entitled to challenge the no-prosecution decision because she had not shown victim status under the Victims' Assistance Act. It further found that the complaint was plainly unsubstant­iated and that the prosecutor had not exceeded its discretion by charging her costs. The complaint was therefore dismissed insofar as it was admissible, and A. was ordered to pay a CHF 300 court fee.

Omnilex-Regeste

Art. 100 Abs. 5 BStP; standing to challenge a refusal to prosecute is limited to the injured person within the meaning of Art. 1 Abs. 1 OHG. A complainant who does not demonstrate an immediate impairment of physical, psychological or sexual integrity lacks victim status and is therefore not entitled to contest the non-commencement decision. By contrast, a complainant remains entitled to contest a cost order addressed to her under Art. 105bis Abs. 2 in conjunction with Art. 214 Abs. 2 BStP. Under Art. 246bis Abs. 1 and 2 lit. b BStP, costs may exceptionally be imposed on the complainant if the complaint is brought in a grossly negligent or bad-faith manner, in particular where the filing is manifestly unfounded or not a substantiated criminal complaint (consid. 1-3).

Gesamter Gesetzestext

Entscheid vom 28. Dezember 2010 I. Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Tito Ponti, Vorsitz, Emanuel Hochstrasser und Patrick Robert-Nicoud, Gerichtsschreiber Stefan Graf

Parteien

A.,

Beschwerdeführerin

gegen

BUNDESANWALTSCHAFT,

Beschwerdegegnerin

Gegenstand Nichtfolgegebung einer Anzeige (Art. 100 Abs. 3 BStP)

Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale Tribunal penal federal Geschäftsnummer: BB.2010.120

  • 2 -

Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:

  • A. mit Eingabe vom 11. Oktober 2010 bei der Bundesanwaltschaft gegen Frau B., den Kapitän sowie die übrigen Besatzungsmitglieder des Flugs Nr. 1 von Z. nach Y. vom 29. Oktober 2010 Strafanzeige erhob wegen des Verdachts der falschen Anschuldigung nach Art. 303 Ziff. 2, eventualiter Art. 303 Ziff. 1 StGB (act. 2);

  • die Bundesanwaltschaft dieser Anzeige mit Verfügung vom 21. Dezem- ber 2010 in Anwendung von Art. 100 Abs. 3 BStP keine Folge gab und A. in Anwendung von Art. 246 bis Abs. 2 lit. b BStP die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 500.-- auferlegte (act. 1.1);

  • A. am 22. Dezember 2010 bei der I. Beschwerdekammer des Bundesstraf- gerichts gegen die angefochtene Verfügung sowohl den Strafpunkt als auch den Kostenpunkt betreffend Beschwerde erhob (act. 1);

  • lediglich das Opfer im Sinne von Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom

  1. März 2007 über die Hilfe an Opfer von Straftaten (Opferhilfegesetz, OHG; SR 312.5) legitimiert ist, gegen die Nichtfolgegebung einer Anzeige Beschwerde zu erheben (Art. 100 Abs. 5 BStP);
  • als Opfer jede Person gilt, die durch eine Straftat in ihrer körperlichen, psy- chischen oder sexuellen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden ist (Art. 1 Abs. 1 OHG);

  • vorliegend nicht ersichtlich ist, inwiefern A. durch die geltend gemachte Straftat entsprechend beeinträchtigt worden sein soll, weshalb es ihr an der zur Beschwerdeführung notwendigen Opfereigenschaft fehlt;

  • A. demgegenüber durch die ihr gegenüber verfügte Kostenauflage im Sin- ne von Art. 105 bis Abs. 2 i.V.m. Art. 214 Abs. 2 BStP beschwert und somit zur Beschwerdeführung legitimiert ist (vgl. hierzu den Entscheid des Bun- desstrafgerichts BB.2007.10 vom 9. Mai 2007, E. 1.2);

  • bei Nichtanhandnahme des Ermittlungsverfahrens in der Regel die Bun- deskasse die Verfahrenskosten trägt (Art. 246 bis Abs. 1 BStP), wobei diese ausnahmsweise ganz oder teilweise dem Anzeiger auferlegt werden kön- nen, sofern dieser das Verfahren durch Arglist oder grobe Fahrlässigkeit veranlasst oder erschwert hat (Art. 246 bis Abs. 2 lit. b BStP);

  • 3 -

  • die vorgesehene Mindestgebühr für die Nichtfolgegebung Fr. 500.-- beträgt (vgl. Art. 4 lit. a der Verordnung vom 22. Oktober 2003 über die Kosten der Bundesstrafrechtspflege; SR 312.025);

  • der eingangs erwähnten Strafanzeige tatsächlich keinerlei Anhaltspunkte für ein relevantes strafbares Verhalten entnommen werden können;

  • das entsprechende Schreiben klar keine substantiierte Strafanzeige dar- stellt und sich daher als offensichtlich unbegründet erweist;

  • die Bundesanwaltschaft durch die Auferlegung der Verfahrenskosten an A. das ihr zustehende Ermessen in keiner Art und Weise verletzt hat;

  • sich die Beschwerde von A. nach dem Gesagten als offensichtlich unbe- gründet bzw. unzulässig erweist, weshalb diese ohne weiteren Schriften- wechsel abzuweisen ist, sofern auf sie eingetreten werden kann (Art. 219 Abs. 1 BStP e contrario);

  • bei diesem Ausgang des Verfahrens die Beschwerdeführerin als unterlie- gende Partei die Kosten zu tragen hat (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 66 Abs. 1 BGG), wobei die Gerichtsgebühr auf Fr. 300.-- festzusetzen ist (Art. 245 Abs. 2 BStP i.V.m. Art. 3 des Reglements vom 11. Februar 2004 über die Gerichtsgebühren vor dem Bundesstrafgericht, SR 173.711.32);

  • 4 -

und erkennt:

  1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

  2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 300.-- wird der Beschwerdeführerin auferlegt.

Bellinzona, 28. Dezember 2010

Im Namen der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Zustellung an

  • A.
  • Bundesanwaltschaft

Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.

Schlagwörter

standingvictim statuscriminal complaintno-prosecution decisioncostsgross negligenceinadmissibility

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether A. had standing to appeal the Federal Prosecutor's refusal to proceed with her criminal complaint.

Extrahierter Entscheid

She lacked standing because she was not shown to be an 'injured person' under the Victims' Assistance Act.

Extrahierte Begründung

Only an injured person may challenge a no-prosecution decision under Art. 100(5) BStP. A. did not demonstrate any immediate impairment of her physical, psychological, or sexual integrity.

Kernrechtsfrage

Whether the cost order of CHF 500 against A. should be set aside.

Extrahierter Entscheid

The cost order was upheld because the complaint was plainly unfounded and the prosecutor did not misuse its discretion.

Extrahierte Begründung

On a failure-to-prosecute decision, costs normally fall on the federal treasury, but may exceptionally be charged to the complainant if she caused or worsened the proceedings through gross negligence or bad faith. Here the complaint contained no relevant criminal indications and was not a substantiated criminal complaint.

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