Complaint against edition order found inadmissible

BB.2007.70Bundesstrafgericht / Beschwerdekammer14.12.2007Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Criminal Court held that A. AG could not appeal directly against a federal prosecutor’s edition order in a criminal investigation. An edition order merely transfers custody of documents; only after a search can the paper holder object and request sealing, triggering an unsealing procedure. Since the appellant was not yet legally harmed in the relevant sense, the court did not enter into the appeal. The request for suspensive effect was therefore moot. The appellant was ordered to pay a court fee of CHF 500.

Omnilex-Regeste

Art. 69 Abs. 3 BStP; appealability of an edition order and legal injury: an edition order as a surrogate for seizure merely transfers physical control of documents to the investigating authority and does not itself constitute an appealable coercive measure. The right to object belongs to the paper holder only upon search; objection leads to sealing and to an unsealing procedure, the costs of which are borne by the objecting former holder (consid. 2). Sealing and safekeeping do not yet establish legal detriment capable of appeal. Where the appeal is manifestly inadmissible, the court may dispense with submissions; ancillary requests such as suspensive effect become moot (consid. 3).

Gesamter Gesetzestext

Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale

Tribunal penal federal Geschäftsnummer: BB.2007.70

Entscheid vom 14. Dezember 2007 I. Beschwerdekammer

Besetzung Bundesstrafrichter Emanuel Hochstrasser, Vorsitz, Tito Ponti und Alex Staub, Gerichtsschreiber Stefan Graf

Parteien

A. AG, vertreten durch Rechtsanwältin Regula Dettling-Ott, Beschwerdeführerin

gegen

BUNDESANWALTSCHAFT, Beschwerdegegnerin

Gegenstand Editionsaufforderung (Art. 105 P bis P Abs. 2 BStP) und aufschiebende Wirkung (Art. 218 BStP)

  • 2 -

Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:

  • die Bundesanwaltschaft (nachfolgend „Beschwerdegegnerin“) ein gerichtspo- lizeiliches Ermittlungsverfahren gegen B. und C. wegen des Verdachts der Störung des öffentlichen Verkehrs gemäss Art. 237 StGB führt;

  • die Beschwerdegegnerin im Rahmen dieses Ermittlungsverfahrens der A. AG (nachfolgend „Beschwerdeführerin“) am 30. November 2007 eine Editionsauf- forderung zukommen liess, mit welcher sie die Herausgabe des internen Er- mittlungsberichts der A. AG bezüglich des Flugunfalls auf dem Flughafen Z. sowie sämtliche Unterlagen, auf welche sich der Ermittlungsbericht stützt, verlangte (act. 1.2);

  • die entsprechende Verfügung mit einer Rechtsmittelbelehrung versehen war, wonach gegen die Edition bzw. Durchsuchung von Papieren anstelle der Be- schwerde unverzüglich nach der Kenntnisnahme der Durchsuchung Einspra- che erhoben und die Siegelung der Papiere verlangt werden könne und in diesem Fall die I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts über die Zu- lässigkeit der Durchsuchung entscheide;

  • die Beschwerdeführerin gegen diese Editionsaufforderung am 10. Dezember 2007 Beschwerde erhob und u.a. die Aufhebung der angefochtenen Verfü- gung verlangte (act. 1);

  • die Edition als Surrogat der zwangsweisen Behändigung nur der Sicherstel- lung von Unterlagen dient, indem die physische Kontrolle über die zu edie- renden Unterlagen vom Inhaber der Dokumente auf die Untersuchungsbe- hörde übergeht;

  • lediglich dem Papierinhaber das Recht zukommt, gegen die Durchsuchung derselben Einsprache zu erheben (Art. 69 Abs. 3 BStP), was zwar den physi- schen Übergang der Unterlagen an die Untersuchungsbehörde nicht hindert, aber zur Versiegelung der edierten Papiere führt (TPF BB.2006.1 vom

  1. Januar 2006 m.w.H.);
  • diesfalls von der Bundesanwaltschaft ein Entsiegelungsverfahren einzuleiten ist (Art. 69 Abs. 3 BStP), wobei der einsprechende vormalige Inhaber der Un- terlagen das entsprechende Kostenrisiko trägt;

  • die Versiegelung und Aufbewahrung der Papiere an einem sicheren Ort dabei noch keine beschwerdefähige Zwangsmassnahme darstellt (TPF BB.2006.52 vom 20. Februar 2007 E. 2.2 m.w.H.);

  • 3 -

  • die Beschwerdeführerin in Berücksichtigung der genannten Rechtsprechung durch die Editionsaufforderung allein noch nicht im rechtlichen Sinne be- schwert ist, weshalb auf die Beschwerde nicht eingetreten werden kann (TPF BB.2007.48 vom 30. Juli 2007, BB.2006.52 vom 20. Februar 2007 E. 2.2);

  • sich die Beschwerde nach dem Gesagten sofort als unzulässig erweist, wes- wegen auf die Einholung von Stellungnahmen verzichtet wurde (Art. 219 Abs. 1 BStP);

  • das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung damit hinfällig wird;

  • bei diesem Ausgang des Verfahrens die Beschwerdeführerin die Gerichtsge- bühr von Fr. 500.-- zu tragen hat (Art. 245 Abs. 1 i.V.m. Art. 66 Abs. 1 BGG sowie Art. 3 des Reglements über die Gerichtsgebühren vor dem Bundes- strafgericht vom 11. Februar 2004);

  • 4 -

Demnach erkennt die I. Beschwerdekammer:

  1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

  2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 500.-- wird der Beschwerdeführerin auferlegt.

Bellinzona, 14. Dezember 2007

Im Namen der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Zustellung an

  • Rechtsanwältin Regula Dettling-Ott

  • Bundesanwaltschaft

  • 1 Einzahlungsschein

Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.

Schlagwörter

edition orderinadmissibilitylegal interestseizuresealingunsealingcourt feescriminal investigation

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the appeal against the edition order was admissible before the Federal Criminal Court

Extrahierter Entscheid

The appeal was inadmissible because the appellant was not yet legally affected by the mere edition order; only a paper holder may object after search and sealing.

Extrahierte Begründung

An edition order only transfers physical control of documents to the authority. The protected procedural step is the subsequent search; the document holder may then object and request sealing, after which an unsealing procedure follows. Sealing and safekeeping alone are not appealable coercive measures.

Kernrechtsfrage

Whether suspensive effect had to be granted

Extrahierter Entscheid

The request for suspensive effect became moot once the appeal was found inadmissible.

Extrahierte Begründung

No substantive appeal proceedings remained pending after the non-entry decision.

Kernrechtsfrage

Who bore the court fee

Extrahierter Entscheid

The appellant had to pay the court fee of CHF 500.

Extrahierte Begründung

The costs followed the outcome of the inadmissibility decision.

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