Non-entry due to missing power of attorney

BB.2005.34Bundesstrafgericht / Beschwerdekammer16.06.2005Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

A defendant appealed to the Federal Criminal Court's Appeals Chamber against the Federal Prosecutor's decision to continue the federal investigation in German rather than Italian. The court had ordered an advance on costs and a written power of attorney, warning that failure to comply would lead to non-entry. The advance was paid in time, but the power of attorney was still missing when the deadline expired. The chamber therefore did not enter into the appeal and ordered the appellant to pay the CHF 500 court fee, offset against the advance payment.

Omnilex-Regeste

Art. 156 Abs. 1 OG i.V.m. Art. 245 BStP; missing written power of attorney after express warning leads to non-entry: where the appellant is ordered to file a power of attorney within a peremptory time limit under threat of non-entry, the appeal is inadmissible if the document is not produced in time, even if the cost advance has been paid. Consequences of non-entry include allocation of the court fee to the appellant and set-off against the advance payment (consid. relevant procedural default).

Gesamter Gesetzestext

Entscheid vom 16. Juni 2005 Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Emanuel Hochstrasser, Vorsitz, Andreas J. Keller und Tito Ponti, Gerichtsschreiber Hanspeter Lukács

Parteien

A.______, vertreten durch Rechtsanwälte Maurice Harari und Matteo Pedrazzini, Genève,

Beschwerdeführer

gegen

SCHWEIZERISCHE BUNDESANWALTSCHAFT, Bern,

Beschwerdegegnerin

Gegenstand Beschwerde gegen Amtshandlung des Bundesan- walts (Art. 105bis Abs. 2 BStP)

Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale Tribunal penal federal Geschäftsnummer: BB.2005.34

  • 2 - Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:

  • die Staatsanwaltschaft des Kantons Tessin mit Verfügung vom 22. März 2005 die Strafuntersuchung gegen A.______ wegen Widerhandlung gegen das Kriegsmate- rialgesetz an die Schweizerische Bundesanwaltschaft abtrat, welche am 29. März 2005 diesbezüglich ihre Zuständigkeit erklärte;

  • die Schweizerische Bundesanwaltschaft (nachfolgend „Bundesanwaltschaft“) im eröffneten Ermittlungsverfahren gegen A.______ mit Schreiben an dessen Verteidi- ger vom 19. April 2005 mitteilte, dass bei der Verfahrensübernahme von der Staats- anwaltschaft des Kantons Tessin die Frage der Verfahrenssprache diskutiert wor- den sei, die zuständige Abteilung der Bundesanwaltschaft über keinen Staatsanwalt verfüge, der den Fall in italienischer Sprache führen könnte, die künftigen Ermittlun- gen sich jedoch voraussichtlich nicht mehr auf das italienische Sprachgebiet bezie- hen würden, für eine Übersetzung der wichtigsten Verfahrensakten in die italieni- sche Sprache gesorgt und bei der Befragung des Beschuldigten ein Übersetzer bei- gezogen werde, deshalb die Verfahrenssprache in dieser Angelegenheit mit formel- ler Begründung der Zuständigkeit des Bundes deutsch sei;

  • der Verteidiger mit Eingabe an die Bundesanwaltschaft vom 26. April 2005 bean- tragte, das Verfahren an die Staatsanwaltschaft des Kantons Tessin zu delegieren, damit dieses in italienischer Sprache geführt werden könne;

  • die Bundesanwaltschaft dem Verteidiger mit Schreiben vom 29. April 2005 mitteilte, dass von einer Delegation an die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Tessin ab- gesehen und das Ermittlungsverfahren in deutscher Sprache fortgesetzt werde;

  • A.______ durch seine Verteidiger gegen diese Verfügung mit (italienischsprachiger) Eingabe an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts vom 6. Mai 2005 Be- schwerde führen liess und beantragte, das Verfahren sei in italienischer Sprache zu führen und die Bundesanwaltschaft sei anzuweisen, sich entsprechend zu organi- sieren, eventuell sei die Sache an die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Tes- sin zu delegieren;

  • die Verteidiger mit Verfügung vom 10. Mai 2005 aufgefordert wurden, bis 20. Mai 2005 einen Kostenvorschuss von Fr. 500.-- zu leisten und innert gleicher Frist eine schriftliche Vollmacht einzureichen, unter der Androhung, dass bei Säumnis auf die Beschwerde nicht eingetreten werde;

  • der verlangte Kostenvorschuss innert Frist beim Bundesstrafgericht einging, die verlangte Vollmacht jedoch nach wie vor ausstehend ist;

  • 3 -

  • auf die Beschwerde demnach androhungsgemäss nicht einzutreten ist;

  • A.______ dementsprechend die Kosten des Verfahrens zu tragen hat, die Gerichts- gebühr auf Fr. 500.-- festzusetzen und diese mit dem Kostenvorschuss zu verrech- nen ist (Art. 156 Abs. 1 OG i.V.m. Art. 245 BStP; Art. 3 Reglement vom 11. Februar 2004 über die Gerichtsgebühren vor dem Bundesstrafgericht);

  • 4 -

und erkennt:

  1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

  2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 500.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt und mit dem von ihm geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe verrechnet.

Bellinzona, 20. Juni 2005

Im Namen der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Zustellung an

  • Rechtsanwalt Maurice Harari, Rechtsanwalt Matteo Pedrazzini, Genève
  • Schweizerische Bundesanwaltschaft, Bern

Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.

Schlagwörter

non-entrypower of attorneycourt costscriminal procedurelanguage of proceedingscost advance

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the appeal against the Federal Prosecutor's decision on the language of proceedings was admissible despite the missing written power of attorney.

Extrahierter Entscheid

The court could not enter into the appeal because the required written power of attorney remained outstanding after the warning deadline expired.

Extrahierte Begründung

The appellants complied with the ordered advance payment, but not with the mandatory submission of a written power of attorney. As the warning expressly provided for non-entry in case of default, the appeal had to be dismissed at the threshold.

Kernrechtsfrage

Allocation of court costs after non-entry

Extrahierter Entscheid

The appellant had to bear the court fee, set at CHF 500, which was set off against the advance payment already made.

Extrahierte Begründung

Costs follow the unsuccessful procedural result; the fee corresponded to the advance paid and was therefore offset.

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