Non-entry for untimely advance payment in disability insurance appeal

I 889/06Bundesgericht06.07.2007Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The appellant challenged a disability insurance decision, but the Federal Supreme Court did not enter into the appeal because the CHF 500 advance on costs was paid after the deadline. The court rejected a request to restore the deadline: the appellant had been served through his lawyer, and any fault of counsel is attributable to the appellant. Although a medical certificate described a depressive disorder and missed obligations, counsel should have ensured the client understood the deadline and acted accordingly. No court costs were charged, and the late advance payment was ordered refunded.

Omnilex-Regeste

Art. 150 OG, Art. 32 Abs. 3 OG, Art. 35 Abs. 1 OG; non-payment of the advance on costs within the judicial time limit leads to non-entry unless the deadline is restored for an unexcused impediment. A party must bear the conduct of its legal representative; where counsel knows or must know that the client may miss obligations because of illness, counsel cannot discharge the duty of informing the client merely by forwarding the order. Restoration is denied absent a qualifying, faultless impediment.

Gesamter Gesetzestext

{T 7}
I 889/06

Urteil vom 6. Juli 2007
II. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter U. Meyer, Präsident,
Bundesrichter Lustenberger, Seiler,
Gerichtsschreiber Scartazzini.

Parteien
D.________, 1976, Beschwerdeführer,
vertreten durch die Beratungsstelle für Ausländer, Schützengasse 7, 8001 Zürich,

gegen

IV-Stelle des Kantons Thurgau, St. Gallerstrasse 13, 8500 Frauenfeld, Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Invalidenversicherung,

Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen den Entscheid der AHV/IV-Rekurskommission des Kantons Thurgau vom 20. September 2006.

In Erwägung,
dass D.________ am 18. Oktober 2006 Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen einen Entscheid der AHV/IV-Rekurskommission des Kantons Thurgau vom 20. September 2006 erhoben hat,
dass die Präsidentin des Eidgenössischen Versicherungsgerichts D.________ mit Verfügung vom 20. Oktober 2006 in Anwendung von Art. 150 OG aufgefordert hat, innert 14 Tagen nach Erhalt dieses Schreibens einen Kostenvorschuss von Fr. 500.- zu bezahlen, und angedroht hat, dass bei Nichtleistung innert der gesetzten Frist aus diesem Grunde auf die Rechtsvorkehr nicht eingetreten werde,
dass die Verfügung am 23. Oktober 2006 an den Rechtsvertreter des D.________ ausgehändigt und von ihm gegen unterschriftliche Bestätigung entgegengenommen worden ist,
dass der Kostenvorschuss innert der gesetzten, am 6. November 2006 abgelaufenen Frist (Art. 32 Abs. 3 OG) nicht bezahlt worden ist,
dass das Eidgenössische Versicherungsgericht dem Vertreter des Beschwerdeführers am 13. November 2006 Gelegenheit gegeben hat, sich zur Rechtzeitigkeit der Bezahlung des Kostenvorschusses zu äussern,
dass sich dieser innert Frist mit Eingabe vom 28. November 2006 unter Auflage eines Arztzeugnisses vernehmen lässt mit dem Antrag, die am 7. November 2006 erfolgte Einzahlung sei als rechtzeitig bezahlt zu betrachten,
dass er ausführt, er habe die Verfügung vom 20. Oktober 2006 dem Beschwerdeführer mit eingeschriebener Post am 24. Oktober 2006 weitergeleitet mit der Aufforderung, den Vorschuss fristgerecht zu bezahlen,
dass der Vertreter weiter darlegt, sein Mandant habe offenbar erst einige Tage später den Brief bei der Post abgeholt, wobei er wegen seiner Erkrankung nicht in der Lage gewesen sei, verantwortlich zu handeln und deswegen, aus gesundheitlichen Gründen die Frist verpasst habe,

dass in dem mit der Vernehmlassung eingereichten Arztzeugnis Dr. med. S.________ attestiert, sein Patient leide an einer depressiven Störung, weshalb es ihm häufig passiere, gewisse Verpflichtungen zu versäumen und Termine zu verpassen,
dass es Sache des Rechtsvertreters ist, sich darüber zu vergewissern, dass sich sein Mandant im Klaren ist, bis zu welchem Zeitpunkt er den Kostenvorschuss zu leisten hat (vgl. nicht veröffentlichtes Urteil K. vom 9. März 1998, 2A.504/1997 E. 2),
dass der Vertreter unter den gegebenen Umständen, weil beim Beschwerdeführer gemäss dem erwähnten Arztzeugnis offenbar die Gefahr bestand, gewisse Verpflichtungen zu versäumen und Termine zu verpassen, sich nicht damit begnügen durfte, ihm die Verfügung vom 20. Oktober 2006 mitzuteilen mit der Aufforderung, den Vorschuss fristgerecht zu bezahlen,
dass sich der Beschwerdeführer das Verhalten seines zur Überweisung des Kostenvorschusses aufgeforderten Rechtsvertreters anrechnen zu lassen hat (vgl. BGE 114 Ib 67 E. 3 S. 74; Urteile X. vom 14. Oktober 2004, 1P.464/2004 E. 2; H. vom 1. März 2002, 1P.603/2001 E. 2; nicht veröffentlichtes Urteil R. vom 24. November 1993, 1P.633/1993 E. 4),
dass die Vernehmlassung vom 28. November 2006 als Gesuch um Wiederherstellung der Frist gemäss Art. 35 Abs. 1 OG qualifiziert und entgegengenommen werden kann (Urteil H. vom 19. Januar 2007, I 999/06), ihm jedoch mangels eines unverschuldeten Hinderungsgrundes nicht stattzugeben ist,
dass androhungsgemäss nach Art. 150 Abs. 4 OG zu verfahren ist,
dass - obwohl das Verfahren an sich kostenpflichtig ist - praxisgemäss bei Nichteintretensentscheiden zufolge unterbliebener oder verspäteter Leistung des Vorschusses keine Gerichtskosten erhoben werden,

erkennt das Bundesgericht:
1.
Auf die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird nicht eingetreten.
2.
Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
3.
Der verspätet geleistete Kostenvorschuss von Fr. 500.- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet.
4.
Dieses Urteil wird den Parteien, der AHV/IV-Rekurskommission des Kantons Thurgau, der Ausgleichskasse des Schweizerischen Baumeisterverbandes, Zürich, und dem Bundesamt für Sozialversicherungen zugestellt.
Luzern, 6. Juli 2007

Im Namen der II. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Schlagwörter

advance paymentnon-entrydeadline restorationlegal representationillnesssocial insurancecourt costsappeal

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the administrative law appeal could proceed despite late payment of the advance on costs.

Extrahierter Entscheid

No. The appeal had to be dismissed because the advance payment was not made within the time limit.

Extrahierte Begründung

The advance-payment order was duly served through counsel; payment was overdue, and the appellant had to bear the consequences of his representative’s conduct. The court found no excusable impediment justifying reinstatement of the deadline.

Kernrechtsfrage

Whether the deadline for paying the advance on costs should be restored.

Extrahierter Entscheid

No. The filing was treated as a request for restoration, but the requirements for an unexcused impediment were not met.

Extrahierte Begründung

Counsel knew or should have ensured that the client understood the payment deadline. Given the medical certificate indicating a depressive disorder and risk of missing obligations, counsel could not merely forward the order and rely on the client. However, the omission was not shown to be without fault in the sense required for restoration.

Kernrechtsfrage

Whether court costs should be charged after the non-entry decision.

Extrahierter Entscheid

No court costs were imposed as a matter of practice in non-entry cases caused by missing or late advance payment.

Extrahierte Begründung

Although the proceedings are in principle fee-bearing, the court’s settled practice is not to charge costs in such non-entry decisions.

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