Revision granted for omitted request for legal aid

9F_2/2007Bundesgericht / III. öffentlich-rechtliche Abteilung24.04.2007Granted

Zusammenfassung

S.________ requested revision of a Federal Supreme Court judgment after the Court had failed to rule on his alternative request for free legal representation in social insurance proceedings. The Court held that the revision ground under Art. 121 lit. c BGG was plainly met and that the request had been filed in time. It therefore supplemented the prior judgment by granting free legal representation for the earlier case, ordering CHF 1,500 compensation to counsel from the federal treasury, waiving court costs, and awarding S.________ CHF 500 in party compensation for the revision proceeding.

Regest

Art. 121 lit. c BGG; omitted request in the dispositive portion; revision of federal judgments. Revision is admissible where the court has failed to decide on individual prayers for relief. If the omission is established and the application is timely under Art. 124 Abs. 1 lit. b BGG, the judgment must be supplemented to cover the overlooked request. Where the revision succeeds, no court costs are charged under Art. 66 Abs. 1 BGG and a party compensation may be awarded under Art. 68 Abs. 2 BGG. In the pre-BGG proceeding, free legal representation may also be granted and counsel compensated from the federal treasury under Art. 152 Abs. 2 OG; the beneficiary remains subject to reimbursement under Art. 152 Abs. 3 OG if later able to pay.

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
9F_2/2007

Urteil vom 24. April 2007
II. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter U. Meyer, Präsident,
Bundesrichter Lustenberger, Seiler,
Gerichtsschreiberin Keel Baumann.

Parteien
S.________, Gesuchsteller, vertreten durch Rechtsanwalt Franz Fischer, Postfach 6462,
6000 Luzern 6,

gegen

Verwaltungsgericht des Kantons Luzern, Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, Hirschen-
graben 19, 6002 Luzern, Gesuchsgegner

Gegenstand
Invalidenversicherung,

Revisionsgesuch gegen das Urteil des Bundesgerichts vom 19. März 2007 (I 1050/06).

In Erwägung,
dass das Verwaltungsgericht des Kantons Luzern mit Verfügung vom 28. November 2006 das von S.________ gestellte Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege für ein vor dem Verwaltungsgericht hängiges Beschwerdeverfahren abgewiesen hat,
dass S.________ dagegen am 6. Dezember 2006 eine Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhoben hat mit dem Antrag, der Entscheid vom 28. November 2006 sei aufzuheben; eventualiter sei ihm für das bundesgerichtliche Verfahren die unentgeltliche Verbeiständung zu gewähren (Verfahren I 1050/06),
dass das Bundesgericht mit Urteil vom 19. März 2007 die Beschwerde abgewiesen, aber über das eventualiter gestellte Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung nicht befunden hat,
dass S.________ am 3. April 2007 ein Revisionsgesuch gestellt hat mit dem Antrag, das Urteil vom 19. März 2007 sei zu revidieren und das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung zu bewilligen,
dass nach Art. 121 lit. c BGG die Revision eines bundesgerichtlichen Entscheids verlangt werden kann, wenn einzelne Anträge unbeurteilt geblieben sind,
dass dieser Revisionsgrund vorliegend offensichtlich gegeben und das fristgerecht (Art. 124 Abs. 1 lit. b BGG) gestellte Revisionsgesuch gutzuheissen ist,
dass für das Verfahren I 1050/06 die unentgeltliche Verbeiständung gewährt werden kann und dem Anwalt des Gesuchstellers zu Lasten der Bundesgerichtskasse eine Entschädigung auszurichten ist (Art. 152 Abs. 2 des auf jenes Verfahren noch anwendbaren OG), wobei der Gesuchsteller indessen ausdrücklich auf Art. 152 Abs. 3 OG aufmerksam gemacht wird, wonach die begünstigte Partei der Gerichtskasse Ersatz zu leisten haben wird, wenn sie später dazu im Stande ist,
dass bei diesem Ausgang keine Kosten zu erheben sind (Art. 66 Abs. 1 BGG) und dem obsiegenden Gesuchsteller eine Parteientschädigung zu Lasten der Bundesgerichtskasse zusteht (Art. 68 Abs. 2 BGG; Seiler/von Werdt/Güngerich, Kommentar zum Bundesgerichtsgesetz, Bern 2007, N 10 zu Art. 68),
dass dieser Entscheid ohne Schriftenwechsel (Art. 127 BGG) gefällt wird, da er ausschliesslich zu Lasten der Bundesgerichtskasse ergeht und keine Auswirkungen auf andere Beteiligte des früheren Verfahrens hat,

erkennt das Bundesgericht:
1.
Das Revisionsgesuch wird gutgeheissen. Das Urteil des Bundesgerichts vom 19. März 2007 (I 1050/06) wird dahin ergänzt, dass zufolge Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung Rechtsanwalt Franz Fischer, Luzern, für das Verfahren vor dem Bundesgericht aus der Gerichtskasse eine Entschädigung von Fr. 1'500.- ausgerichtet wird.
2.
Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
3.
Dem Gesuchsteller wird für das Revisionsverfahren eine Parteientschädigung von Fr. 500.- (einschliesslich Mehrwertsteuer) aus der Bundesgerichtskasse ausgerichtet.
4.
Dieses Urteil wird dem Gesuchsteller, dem Verwaltungsgericht des Kantons Luzern, der IV-Stelle Luzern und dem Bundesamt für Sozialversicherungen zugestellt.
Luzern, 24. April 2007
Im Namen der II. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Schlagwörter

revisionfree legal aidomitted requestsocial insurancecourt costsparty compensation