Invalidity pension denied; appeal dismissed

9C_639/2008Bundesgericht / III. öffentlich-rechtliche Abteilung30.09.2008Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

A woman living in Germany challenged the denial of a Swiss invalidity pension. The Federal Administrative Court had upheld the IV office's refusal, relying on expert reports that found 80% work capacity in adapted work. Before the Federal Supreme Court, she argued that later medical reports, unsuccessful treatment attempts, and the existence of a somatoform pain disorder required a different result. The court held that these objections were largely unsupported or merely appellatory, that the relevant assessment period ended with the objection decision, and that no federal-law error was shown in the invalidity calculation. The appeal was dismissed and costs of CHF 500 were imposed on her.

Omnilex-Regeste

Art. 28 Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG; Art. 105 BGG; prognostic assessment of incapacity and somatoform pain disorder. The Federal Supreme Court reviews the assessment of invalidity by income comparison only within the limits of Art. 105 BGG; appellatory criticism against the expert-based finding of residual earning capacity is inadmissible. The material time frame is closed by the objection decision. Prognostic considerations regarding treatment and the duty to mitigate damage may support a later re-examination, but do not, without substantiation, negate the assessed capacity for the period under review. A somatoform pain disorder does not per se have invalidating effect; its legal relevance depends on the concrete medical and functional assessment (consid. 2-4).

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
9C_639/2008

Urteil vom 30. September 2008
II. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter U. Meyer, Präsident,
Bundesrichter Lustenberger, Seiler,
Gerichtsschreiber Fessler.

Parteien
O.________, Deutschland, Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Philipp Zirlewagen, Theodor-Hanloser-Strasse 1, DE-78224 Singen,

gegen

IV-Stelle für Versicherte im Ausland,
Avenue Edmond-Vaucher 18, 1203 Genf,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Invalidenversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid
des Bundesverwaltungsgerichts
vom 4. Juli 2008.

In Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht mit Entscheid vom 4. Juli 2008 die Beschwerde der in Deutschland wohnhaften O.________ gegen den Einspracheentscheid der IV-Stelle für Versicherte im Ausland vom 5. Mai 2006 betreffend den Anspruch auf eine Rente der schweizerischen Invalidenversicherung abwies,
dass O.________ Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten erhoben hat,
dass die Vorinstanz bei der Ermittlung des Invaliditätsgrades durch Einkommensvergleich (Art. 28 Abs. 2 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG) gestützt auf das - am 12. September 2005 beim Sozialgericht eingereichte - internistische Gutachten der Kliniken X.________ sowie das psychiatrische Sachverständigengutachten des Universitätsklinikums Y.________ vom 24. Oktober 2005 von einer verbliebenen Arbeitsfähigkeit von 80 % (sechs bis acht Stunden im Tag) in leidensangepassten Tätigkeiten ausgegangen ist,
dass der Einwand der Beschwerdeführerin, aufgrund von noch nachzureichenden Gutachten könne sie höchstens bis zu drei Stunden täglich leichte Tätigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ausführen, eine unzulässige appellatorische Kritik am vorinstanzlichen Entscheid darstellt (Art. 105 BGG; Urteil 9C_882/2007 vom 11. April 2008 E. 5.1),
dass sodann der Einspracheentscheid vom 5. Mai 2006 die zeitliche Grenze der gerichtlichen Prüfung bildet (BGE 131 V 353 E. 2 S. 354),
dass die Vorinstanz weiter festgestellt hat, von den Gutachtern seien konkrete Behandlungsmöglichkeiten sowie Therapien für diverse diagnostizierte Leiden (so etwa das Schlafapnoesyndrom) vorgeschlagen worden, die positive Auswirkungen auf Leistungsfähigkeit, Schmerzverarbeitung und Depressivität haben können,
dass diese auf fachärztlicher prognostischer Beurteilung beruhende Sachverhaltsfeststellung nicht offensichtlich unrichtig und daher für das Bundesgericht verbindlich ist (Art. 105 Abs. 2 BGG),
dass der daraus gezogene Schluss, die Beschwerdeführerin sei bis zum Zeitpunkt der Therapierung, die durchgeführt worden sei, gerade nicht in der Lage gewesen, die von der IV-Stelle angenommene Arbeitsleistung zu erbringen, soweit er nicht dem Grundsatz der prognostischen Beurteilung der Anspruchsberechtigung (BGE 124 V 108 E. 3b S. 111, 110 V 99 E. 2 S. 102 oben) und der Schadenminderungspflicht (BGE 130 V 97 E. 3.2 S. 99, 114 V 176) widerspricht, weder näher begründet noch aktenmässig belegt wird,
dass sodann die Vorinstanz der im psychiatrischen Gutachten vom 24. Oktober 2005 diagnostizierten somatoformen Schmerzstörung keinen invalidisierenden Charakter zuerkannt hat (vgl. dazu BGE 131 V 49, 130 V 352),
dass dagegen vorgebracht wird, es sei versucht worden, die Depression konsequent zu behandeln und auch die somatoforme Schmerzstörung zu therapieren, was jedoch nicht möglich gewesen sei,
dass eine aufgrund prognostischer Beurteilung zur Verbesserung oder zur Verhinderung einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes als notwendig erachtete, trotz vorhandener Motivation- und Eigenanstrengung der versicherten Person jedoch erfolglose psychotherapeutische Behandlung allenfalls Anlass für eine Neuüberprüfung der Anspruchsberechtigung für die Zeit nach Verfügungserlass sein kann (Urteil 9C_386/2007 vom 29. August 2007 E. 4.3),
dass schliesslich nicht ersichtlich ist und auch nicht dargelegt wird, inwiefern die Ermittlung des Schwerbehindertengrades einerseits und der Minderung der Erwerbsfähigkeit anderseits in je gesonderten Verfahren nach deutschem Recht die vorinstanzliche Berechnung des Invaliditätsgrades als bundesrechtswidrig erscheinen lässt,
dass dies auch für die ergänzenden Anmerkungen zu der von der Beschwerdeführerin angeblich nie ausgeübten Tätigkeit in der Hausaufgaben- und Seniorenbetreuung gilt,
dass die vorinstanzliche Invaliditätsbemessung im Übrigen nicht bestritten ist und kein Anlass zu einer näheren Prüfung besteht,
dass die Beschwerde, soweit zulässig, unbegründet ist,
dass die Beschwerdeführerin als unterliegende Partei die Gerichtskosten zu tragen hat (Art. 66 Abs. 1 BGG),

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden der Beschwerdeführerin auf-erlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Bundesverwaltungsgericht, der Schweizerischen Ausgleichskasse und dem Bundesamt für Sozialversicherungen schriftlich mitgeteilt.

Luzern, 30. September 2008

Im Namen der II. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

i.V. Seiler Fessler

Schlagwörter

invalidity pensionresidual work capacityincome comparisonsomatoform pain disorderprognostic assessmentduty to mitigateappellatory criticismcourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the invalidity degree was correctly determined by income comparison based on the medical evidence.

Extrahierter Entscheid

The Federal Administrative Court could rely on the internistic and psychiatric expert reports and assume a remaining work capacity of 80% in adapted work.

Extrahierte Begründung

The appellant's objection merely repeated her own view of the evidence. This was inadmissible appellatory criticism; the factual findings were not shown to be manifestly incorrect.

Kernrechtsfrage

Whether the prognosis of potential treatment and therapies invalidated the work-capacity assessment for the relevant period.

Extrahierter Entscheid

No. The decisive time limit was the date of the objection decision, and the prognostic assessment of possible improvement did not justify overturning the denied claim.

Extrahierte Begründung

The court emphasized that prognosis-based assessment and the duty to mitigate damage remain applicable; the appellant failed to substantiate why she could not perform the assessed work before treatment.

Kernrechtsfrage

Whether the diagnosed somatoform pain disorder had invalidating effect.

Extrahierter Entscheid

The psychiatric diagnosis was not recognized as producing invalidity in this case.

Extrahierte Begründung

The appellant's arguments about attempted but unsuccessful treatment did not establish a different legal assessment; any later unsuccessful psychotherapy could at most trigger a renewed review for the period after the decision.

Kernrechtsfrage

Whether differences between German procedures for disability status and earning incapacity affected the Swiss invalidity calculation.

Extrahierter Entscheid

No such conflict with federal law was shown.

Extrahierte Begründung

It was not apparent, and not argued convincingly, that separate German proceedings for severe disability and earning incapacity made the Swiss invalidity assessment unlawful.

Kernrechtsfrage

Court costs.

Extrahierter Entscheid

The appellant had to bear the court costs.

Extrahierte Begründung

As the unsuccessful party, she was charged costs under the Federal Supreme Court Act.

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