Revision of disability pension denied; three-quarter pension upheld

9C_426/2012Bundesgericht / III. öffentlich-rechtliche Abteilung28.06.2012Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Supreme Court dismissed the IV office's appeal against the cantonal judgment that had ordered payment of an indefinite three-quarter disability pension from 1 October 2005. It held that the lower court could rely on the earlier medical report from 2007 and was entitled to consider the later 2009 expert opinion as merely a different assessment of an essentially unchanged situation. No violation of the investigation principle, free assessment of evidence, or duty to give reasons was shown. Because the appeal was manifestly unfounded, it was decided in simplified procedure, and the question of suspensive effect became moot.

Omnilex-Regeste

Art. 17 Abs. 1 ATSG; revision of disability pension requires a relevant change in the factual circumstances, not merely a different medical assessment of an essentially unchanged state of health. The time proximity of the decisive medical report may justify preference over a later expert opinion if the lower court's evidentiary appreciation is reasoned and not arbitrary (consid. 2.1-2.2). Free assessment of evidence under Art. 61 lit. c ATSG allows the court to weigh earlier and later medical documents according to their probative value; a violation of the investigation principle or duty to give reasons is not established merely because the appellate authority follows one substantiated medical view over another. Manifestly unfounded appeals may be dismissed in simplified procedure under Art. 109 BGG.

Gesamter Gesetzestext

9C_426/2012 {T 0/2}

Urteil vom 28. Juni 2012
II. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter U. Meyer, Präsident,
Bundesrichter Borella, Bundesrichterin Pfiffner Rauber,
Gerichtsschreiber Fessler.

Verfahrensbeteiligte
IV-Stelle Luzern,
Landenbergstrasse 35, 6005 Luzern,
Beschwerdeführerin,

gegen

E.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Alex Beeler,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Invalidenversicherung (Invalidenrente; Revision),

Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Luzern
vom 13. April 2012.

Sachverhalt:

A.
Mit Verfügungen vom 22. Oktober 2010 sprach die IV-Stelle Luzern E.________ ab 1. Oktober 2005 eine Dreiviertelsrente und ab 1. Mai 2009 eine Viertelsrente der Invalidenversicherung samt drei Kinderrenten zu.

B.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde des E.________ änderte das Verwaltungsgericht des Kantons Luzern, Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, mit Entscheid vom 13. April 2012 die Verfügung vom 22. Oktober 2010 insofern ab, als die IV-Stelle verpflichtet wurde, ihm ab dem 1. Oktober 2005 eine unbefristete Dreiviertelsrente auszurichten.

C.
Die IV-Stelle Luzern führt Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ange-legenheiten mit dem Rechtsbegehren, der Entscheid vom 13. April 2012 sei aufzuheben; eventualiter sei der Rentenanspruch ab 1. Oktober 2005 neu festzulegen, subeventualiter die Sache zur weiteren Abklärung zurückzuweisen.

Erwägungen:

1.
Der angefochtene Entscheid spricht dem Beschwerdegegner auf der Grundlage einer Arbeitsfähigkeit von 60 % in angepassten Tätigkeiten eine Dreiviertelsrente der Invalidenversicherung ab 1. Oktober 2005 zu. Die Beschwerde führende IV-Stelle bringt vor, ab 1. Mai 2009 bestehe, wie von ihr verfügt, lediglich Anspruch auf eine Viertelsrente. Gemäss dem interdisziplinären Administrativgutachten vom 7. April 2009 betrage die Arbeitsfähigkeit ab diesem Zeitpunkt mit Sicherheit 80 %.

2.
2.1 Die Vorinstanz hat für die Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit im Zeitpunkt des frühest möglichen Rentenbeginns ("Beginn des Anspruchs"; aArt. 29 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 IVG, in der bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung) auf den Bericht des Dr. med. G.________, FMH Chirurgie Schwerpunkt Allgemeine und Unfallchirurgie, Leiter Ambulantes Assessement Klinik B.________, vom 8. Februar 2007 abgestellt. Die Beschwerdeführerin scheint neu den Beweiswert dieses Berichts, auf den sie sich selber in der angefochtenen Verfügung stützte, bestreiten zu wollen, ohne indessen substanziiert darzutun, inwiefern die Feststellungen und Schlussfolgerungen des Dr. med. G.________ nicht nachvollziehbar und schlüssig sein sollen. Der Hinweis darauf, beim Administrativgutachten handle es sich um eine interdisziplinäre Expertise und Dr. med. G.________ sei Chirurg, kann nicht genügen. In Anbetracht, dass der Bericht vom 8. Februar 2007 zwei Jahre früher verfasst wurde als das Gutachten vom 7. April 2009, somit bedeutend näher beim Rentenbeginn liegt, und die Diskrepanz in der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, soweit hier von Interesse, die somatische Seite betrifft, kann jedenfalls nicht von einer unhaltbaren Beweiswürdigung durch die Vorinstanz gesprochen werden (Urteil 9C_1063/2009 vom 22. Januar 2010 E. 4.2.2 in fine). Ebenfalls ist der Grundsatz der insbesondere nicht an förmliche Beweisregeln gebundenen freien Beweiswürdigung nicht verletzt (Art. 61 lit. c ATSG; BGE 125 V 351 E. 3a S. 352).

2.2 Ausgehend vom Gesundheitszustand gemäss dem Bericht des Dr. med. G.________ vom 8. Februar 2007 hat die Vorinstanz in Würdigung des Administrativgutachtens vom 7. April 2009 samt ergänzender Stellungnahme vom 3. September 2009 sowie der Berichte der Psychiatrie X.________ vom 14. August 2006, 12. Juli 2007, 10. September 2008 und 8. Juli 2009 eine Änderung, die zu einer Revision der Dreiviertelsrente Anlass geben könnte (Art. 17 Abs. 1 ATSG; Urteil 9C_896/2011 vom 31. Januar 2012 E. 3.1), verneint. Insbesondere stelle die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in der Expertise eine lediglich andere und damit revisionsrechtlich nicht relevante Beurteilung eines im We-sentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts dar (Urteil 9C_889/2011 vom 8. Februar 2012 E. 4.2.1). Die IV-Stelle bringt nichts vor, was die vorinstanzlichen Erwägungen in tatsächlicher oder rechtlicher Hinsicht als bundesrechtswidrig erscheinen liesse. Weder hat das kantonale Gericht den Untersuchungsgrundsatz (Art. 61 lit. c ATSG) verletzt, noch ist es seiner Begründungspflicht (Art. 61 lit. h ATSG und Art. 112 Abs. 1 lit. b BGG) nicht nachgekommen.

3.
Die offensichtlich unbegründete Beschwerde wird im vereinfachten Verfahren mit summarischer Begründung nach Art. 109 Abs. 2 lit. a und Abs. 3 BGG erledigt.

4.
Mit dem sofortigen Entscheid in der Sache ist die Frage der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde gegenstandslos (Urteil 9C_272/2012 vom 1. Juni 2012 E. 3).

5.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die IV-Stelle die Gerichtskosten zu tragen (Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Luzern, Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, und dem Bundesamt für Sozialversicherungen schriftlich mitgeteilt.

Luzern, 28. Juni 2012

Im Namen der II. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Meyer

Der Gerichtsschreiber: Fessler

Schlagwörter

disability pensionrevisionmedical evidencework capacityfree assessment of evidenceadministrative law appealcourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the insured person's disability pension had to be revised downward from 1 May 2009 based on changed health or work capacity

Extrahierter Entscheid

No revision-triggering change in circumstances was shown; the later medical assessment was only a different evaluation of essentially the same facts.

Extrahierte Begründung

The earlier medical report was close in time to the pension start and was not shown to be unreliable. The cantonal court could prefer it over the later interdisciplinary expert opinion without violating free assessment of evidence, the investigation principle, or the duty to give reasons.

Kernrechtsfrage

Whether the cantonal court's assessment of the medical evidence was arbitrary or otherwise contrary to federal law

Extrahierter Entscheid

No; the court's evidentiary appreciation was sustainable.

Extrahierte Begründung

The appellant did not substantiate why the earlier report was unsound, and the discrepancy concerned the somatic assessment. The court's approach was compatible with free evidentiary assessment under the ATSG.

Kernrechtsfrage

Whether the request for suspension of the appeal was still relevant

Extrahierter Entscheid

It became moot after the immediate merits decision.

Extrahierte Begründung

Once the Federal Supreme Court decided the case on the merits, no separate ruling on suspensive effect was needed.

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