Life certificate requirement for foreign pension recipients

9C_329/2009Bundesgericht / III. öffentlich-rechtliche Abteilung22.05.2009Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The complainant, a foreign-resident pension recipient, challenged the Thurgau pension fund’s semiannual life-certificate requirement and the accepted forms of proof. The Federal Supreme Court held that the complaint was inadmissible insofar as it did not meet the strict substantiation requirements for fundamental-rights claims. To the extent a proportionality argument could be understood, it was manifestly unfounded because the complainant failed to show any concrete inability or unreasonableness in obtaining a certificate from Swiss consular or diplomatic authorities abroad. The complaint was therefore dismissed to the extent admissible, with no court costs levied and the legal-aid request rendered moot.

Omnilex-Regeste

Art. 42 Abs. 1 und 2, Art. 106 Abs. 2, Art. 108 Abs. 1 lit. b and Art. 109 Abs. 2 lit. a BGG; life-certificate requirements for pension recipients abroad and substantiation of constitutional complaints. A complaint must, in a manner linked to the reasoning of the challenged decision, identify specifically and in detail the constitutional rights allegedly violated and explain the alleged violation; otherwise it is inadmissible. Where proportionality is invoked against a measure controlling the lawful and non-abusive payment of benefits abroad, the complainant must demonstrate concrete circumstances showing that the prescribed means are impossible or unreasonable in the individual case. In the absence of such circumstances, a life-certificate requirement and the acceptance of consular or diplomatic confirmation are compatible with proportionality (consid. 2-4).

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
9C_329/2009

Urteil vom 22. Mai 2009
II. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter U. Meyer, Präsident,
Bundesrichter Seiler, Bundesrichterin Pfiffner Rauber,
Gerichtsschreiberin Amstutz.

Parteien
M.________, Beschwerdeführerin,
vertreten durch H.________,

gegen

Pensionskasse Thurgau, Hauptstrasse 45, 8280 Kreuzlingen, Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Andreas Hebeisen, Löwenstrasse 12, 8280 Kreuzlingen.

Gegenstand
Berufliche Vorsorge,

Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Thurgau
vom 18. März 2009.

Nach Einsicht
in die Beschwerde der M.________ gegen einen Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Thurgau vom 18. März 2009 betreffend Lebensbescheinigung von Rentenbezügern im Ausland (berufliche Vorsorge) vom 14. April 2009 (Posteingang) sowie die von ihr am 11. Mai 2009 (Posteingang) innert Beschwerdefrist nachgereichten Unterlagen,

in Erwägung,
dass ein Rechtsmittel gemäss Art. 42 Abs. 1 und 2 BGG u.a. die Begehren und deren Begründung mit Angabe der Beweismittel zu enthalten hat, wobei im Rahmen der Begründung in gedrängter Form darzulegen ist, inwiefern der angefochtene Akt Recht (Art. 95 BGG) verletzt,
dass hinsichtlich der Verletzung von Grundrechten eine qualifizierte Rügepflicht besteht (Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 133 II 249 E. 1.4.2 S. 254; vgl. auch BGE 133 IV 286 ff.) und es daher der Beschwerde führenden Person (entsprechend den altrechtlichen Begründungsanforderungen des Art. 90 Abs. 1 lit. b OG: Botschaft vom 28. Februar 2001 zur Totalrevision der Bundesrechtspflege, BBl 2001, S. 4207 ff., Ziff. 4.1.2.4 zu Art. 39 Entwurf, S. 4294) obliegt, klar und detailliert anhand der Erwägungen des angefochtenen Entscheids darzulegen, welche verfassungsmässigen Rechte und inwiefern sie durch den kantonalen Entscheid verletzt sind (BGE 134 II 244 E. 2.2 S. 246 mit weiteren Hinweisen),
dass das kantonale Gericht die von der Pensionskasse des Kantons Thurgau - gestützt auf die in § 23 des Pensionskassenreglements statuierte allgemeine Auskunfts- und Meldepflicht - von im Ausland lebenden Rentenbezügern halbjährlich verlangte Lebensbescheinigung grundsätzlich als rechtmässig, insbesondere als mit dem Gleichbehandlungsgebot vereinbar und verhältnismässig eingestuft hat,
dass die Vorinstanz sodann bezüglich der Form der Lebensbescheinigung erkannt hat, die von der Pensionskasse als einzige Alternative zum halbjährlichen persönlichen Erscheinen vorgesehene Ausstellung der Bescheinigung von der Wohnsitzgemeinde im Ausland sei bei Personen (wie der Beschwerdeführerin) mit regelmässig wechselndem ausländischem Aufenthaltsort nicht möglich, weshalb unter dem Blickwinkel der Angemessenheit auch eine konsularische oder diplomatische Bestätigung auf einem - von der versicherten Person selbst oder der Pensionskasse - vorformulierten Schriftstück (mit allen notwendigen persönlichen Angaben und dem Text der Bescheinigung) als rechtsgenüglich gelten müsse,
dass die Beschwerdeführerin einzig die vorinstanzlich definierten Formerfordernisse der Lebensbescheinigung beanstandet, jedoch nicht - geschweige denn qualifiziert (Art. 106 Abs. 2 BGG) - dartut, inwiefern diese den Rechtsgleichheitsgrundsatz (Art. 8 Abs. 1 BV), das Verbot des überspitzten Formalismus (Art. 29 Abs. 1 BV) oder sonstige Grundrechte verletzen, weshalb die Eingabe insoweit offensichtlich unzulässig ist (Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG),
dass sodann offengelassen werden kann, ob die sinngemässe Rüge einer Verletzung des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes (Art. 5 Abs. 2 BV) durch die - frei zu prüfende (BGE 134 V 199) - vorinstanzliche Auslegung und Anwendung des kantonalen Berufsvorsorgerechts rechtsgenüglich vorgebracht und begründet worden ist (Art. 106 Abs. 2 BGG),
dass die betreffende Rüge jedenfalls in der Sache offensichtlich unbegründet ist (Art. 109 Abs. 2 lit. a BGG), zumal die Beschwerdeführerin keine spezifischen Umstände dartut, die darauf schliessen lassen, dass ihr das Erhältlichmachen der halbjährlich zu erbringenden Lebensbescheinigung bei einer konsularischen oder diplomatischen Vertretung der Schweiz im Ausland (als Alternative zur Bescheinigung der ausländischen Wohngemeinde) konkret nicht möglich und zumutbar wäre,
dass die vorinstanzlich festgelegten Formerfordernisse ohne weiteres als geeignet und - mit Blick auf das Ziel eines gesetzeskonformen, nicht-missbräuchlichen Bezugs staatlicher Leistungen im Ausland und die erhöhte Beweiskraft von diplomatischen oder konsularischen Bestätigungen im Vergleich zu den von der Beschwerdeführerin als genügend erachteten Bescheinigungen ausländischer Amtsstellen "jede(r) Art" (Beschwerde, S. 2) - als erforderlich und angemessen einzustufen sind,

dass die teilweise offensichtlich unzulässige und im Übrigen offensichtlich unbegründete Beschwerde mit summarischer Begründung (vgl. Art. 108 Abs. 3 und Art. 109 Abs. 3 BGG) und ohne Durchführung eines Schriftenwechsels (Art. 102 Abs. 1 BGG) erledigt wird,
dass umständehalber von der Erhebung von Gerichtskosten abgesehen wird (Art. 66 Abs. 1 Satz 2 BGG), womit das dem Sinne nach gestellte Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gegenstandslos ist,

erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau und dem Bundesamt für Sozialversicherungen schriftlich mitgeteilt.

Luzern, 22. Mai 2009
Im Namen der II. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Meyer Amstutz

Schlagwörter

occupational pensionlife certificateforeign residentssubstantiation requirementfundamental rightsproportionalitysummary proceedingscourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the complaint adequately challenged the formal requirements for the life certificate under the strict reasoning requirements.

Extrahierter Entscheid

The complaint was inadmissible insofar as it failed to raise and substantiate a qualified constitutional grievance against the formal requirements.

Extrahierte Begründung

The appellant only objected to the certificate form but did not specifically and in detail show any violation of equality, prohibition of excessive formalism, or other fundamental rights.

Kernrechtsfrage

Whether the semiannual life-certificate requirement and the accepted alternatives were disproportionate under occupational pension law.

Extrahierter Entscheid

Any proportionality complaint was unfounded; the challenged requirements were suitable, necessary, and reasonable.

Extrahierte Begründung

The appellant did not show any concrete circumstances making it impossible or unreasonable to obtain a certificate from a Swiss consular or diplomatic representation abroad; the requirements served lawful and non-abusive payment control and consular/diplomatic confirmations have greater probative value.

Kernrechtsfrage

Whether legal costs should be charged and whether free legal aid was to be granted.

Extrahierter Entscheid

No court costs were levied, and the request for legal aid became moot.

Extrahierte Begründung

The court waived costs for equitable reasons, so the legal-aid request no longer required a decision.

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