Non-entry for missing substantive prayer in accident insurance appeal

8C_576/2011Bundesgericht / IV. öffentlich-rechtliche Abteilung01.09.2011Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Supreme Court did not enter into the appeal against the Aargau insurance court judgment because the appellant’s filing contained only a request for remittal and no substantive prayer. The Court held that, as a reformatory remedy, an appeal must state the relief sought on the merits unless an exception applies, which was neither demonstrated nor evident. The request for free legal aid was refused because the appeal was hopeless, and court costs of CHF 300 were charged to the appellant.

Omnilex-Regeste

Art. 42 Abs. 1 and Art. 107 Abs. 2 BGG; admissibility of a federal appeal requiring a substantive prayer. Since the appeal is a reformatory remedy, the appellant must indicate the requested merits relief and the contested points; a mere annulment or remittal request is in principle insufficient. An exception exists only where the Federal Supreme Court could not decide itself because decisive factual findings are lacking and remittal would be unavoidable. If this exception is neither apparent from the decision nor substantiated, the appeal is not admitted in simplified procedure under Art. 108 Abs. 1 lit. a and Abs. 2 BGG. An obviously hopeless appeal also excludes free legal aid under Art. 64 BGG; costs follow Art. 66 Abs. 1 BGG.

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
8C_576/2011

Urteil vom 1. September 2011
I. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Niquille als Einzelrichterin,
Gerichtsschreiber Batz.

Verfahrensbeteiligte
M.________,
vertreten durch Fürsprecherin Vida Hug-Predavec,
Beschwerdeführer,

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA), Fluhmattstrasse 1, 6004 Luzern,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Unfallversicherung (Prozessvoraussetzung),

Beschwerde gegen den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons Aargau vom 25. Mai 2011.

Sachverhalt:
Mit Entscheid vom 25. Mai 2011 hat das Versicherungsgericht des Kantons Aargau eine Beschwerde des M.________ gegen einen Einspracheentscheid der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) vom 30. Juni 2010 abgewiesen. Gegen diesen Entscheid lässt M.________ mit Eingabe vom 12. August 2011 (Poststempel) Beschwerde an das Bundesgericht führen und folgendes Begehren stellen:
"1. Das Urteil vom 25. Mai 2011 sei an die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzuweisen.
2. Dem Beschwerdeführer sei für das Verfahren vor Bundesgericht die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren."
Das Bundesgericht hat auf die Einholung von Vernehmlassungen verzichtet.

Erwägungen:

1.
Das Bundesgericht prüft von Amtes wegen und mit freier Kognition, ob ein Rechtsmittel zulässig ist (BGE 135 III 1 E. 1.1 S. 3 mit Hinweisen).

2.
2.1 Die Beschwerdeschrift hat u.a. ein Rechtsbegehren zu enthalten (Art. 42 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [BGG; SR 173.110]). Da die Beschwerde ein reformatorisches Rechtsmittel ist (Art. 107 Abs. 2 BGG), darf sich der Beschwerdeführer grundsätzlich nicht darauf beschränken, die Aufhebung bzw. Rückweisung des angefochtenen Entscheids zu beantragen, sondern muss einen Antrag in der Sache stellen. Der Beschwerdeführer hat demnach anzugeben, welche Punkte des Entscheides angefochten und welche Abänderungen beantragt werden. Grundsätzlich ist ein materieller Antrag erforderlich; Anträge auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zu neuer Entscheidung oder blosse Aufhebungsanträge genügen nicht und machen die Beschwerde unzulässig. Ein blosser Rückweisungsantrag reicht ausnahmsweise aus, wenn das Bundesgericht im Falle der Gutheissung in der Sache nicht selbst entscheiden könnte, weil die erforderlichen Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz fehlen (BGE 133 III 489 E 3.1 S. 489 f.; 132 III 186 E. 1.2 S. 188; 130 III 136 E. 1.2 S. 139; 125 III 412 E. 1b S. 414 mit Hinweisen; Niggli/Uebersax/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz [BGG], Basel 2008, N 14 ff. und 18 zu Art. 42).

2.2 Im "Begehren" seiner Eingabe vom 12. August 2011 verlangt der Beschwerdeführer - abgesehen von dem im vorliegenden Zusammenhang nicht relevanten Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege - lediglich, "das Urteil vom 25. Mai 2011 sei an die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzuweisen". Einen materiellen Antrag stellt er nicht. Der blosse Rückweisungsantrag genügt nach den in E. 2.1 hievor dargelegten Grundsätzen nicht und macht die Beschwerde unzulässig, zumal der Versicherte auch in der Beschwerdebegründung die von ihm verlangte materielle Entscheidung (Gewährung von Leistungsansprüchen sowie deren Beginn und Höhe) nicht erwähnt. Dass das Bundesgericht im Falle der Gutheissung der Beschwerde nicht selbst in der Lage wäre, ein Urteil zu fällen, und die Streitsache an die Vorinstanz zurückweisen müsste, geht aus dem angefochtenen Entscheid nicht hervor und wird auch in der Beschwerde nicht in rechtsgenüglicher Weise dargetan, wird doch nicht hinreichend begründet, weshalb das Verfahren an die Vorinstanz zurückzuweisen sei.

2.3 Demnach ist auf die - offensichtlich unzulässige - Beschwerde im vereinfachten Verfahren (Art. 108 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 BGG) ohne Durchführung eines Schriftenwechsels (Art. 102 Abs. 1 BGG) nicht einzutreten.

3.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist wegen Aussichtslosigkeit der Begehren abzuweisen (Art. 64 Abs. 1 und 2 BGG). Der Beschwerdeführer wird nach Art. 66 Abs. 1 BGG kostenpflichtig.
Demnach erkennt die Einzelrichterin:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 300.- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Versicherungsgericht des Kantons Aargau und dem Bundesamt für Gesundheit schriftlich mitgeteilt.

Luzern, 1. September 2011

Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Die Einzelrichterin: Niquille

Der Gerichtsschreiber: Batz

Schlagwörter

admissibilitysubstantive prayerreformatory remedynon-entrylegal aidcourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the federal appeal contained a sufficient substantive request under Art. 42 Abs. 1 and Art. 107 Abs. 2 BGG.

Extrahierter Entscheid

No. A mere request to remit the case for reconsideration, without a substantive prayer, was insufficient and made the appeal inadmissible.

Extrahierte Begründung

Because the appeal is a reformatory remedy, the appellant must state the relief sought on the merits. A remittal request is only exceptional when the Federal Supreme Court could not itself decide due to missing factual findings; that exception was neither shown nor apparent here.

Kernrechtsfrage

Whether legal aid should be granted for the federal proceedings.

Extrahierter Entscheid

No. The request was refused because the appeal had no prospects of success.

Extrahierte Begründung

The appeal was obviously inadmissible, so the relief sought was hopeless within the meaning of Art. 64 BGG.

Kernrechtsfrage

Allocation of court costs.

Extrahierter Entscheid

Court costs of CHF 300 were imposed on the appellant.

Extrahierte Begründung

As the unsuccessful party, the appellant had to bear the costs under Art. 66 Abs. 1 BGG.

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