Social insurance appeal inadmissible for insufficient reasoning

8C_511/2012Bundesgericht / IV. öffentlich-rechtliche Abteilung05.07.2012Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

J. appealed to the Federal Supreme Court against a cantonal non-entry decision in unemployment insurance matters. The Court found that the appeal did not satisfy the pleading requirements of Art. 42 BGG because it failed to engage with the reasoning of the cantonal court and instead addressed mainly the merits. It therefore issued a summary non-entry decision under Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG, refused free legal assistance because the appeal was hopeless, declined any extension of the legal deadline, waived court costs, and did not order a written exchange or consult the file.

Omnilex-Regeste

Art. 42 Abs. 1 and 2 BGG; Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG; admissibility of an appeal against a cantonal non-entry decision. A federal appeal must contain specific requests and a reasoned, case-related critique of the challenged decision; mere discussion of the merits, without addressing the procedural reasons for non-entry, is insufficient. An appeal that manifestly fails these requirements is inadmissible and may be dealt with in summary procedure without exchange of briefs. Statutory appeal periods cannot be extended. Legal aid under Art. 64 BGG is excluded where the remedy has no prospects of success; exceptional waiver of costs remains possible under Art. 66 Abs. 1 sentence 2 BGG.

Gesamter Gesetzestext

8C_511/2012 {T 0/2}

Urteil vom 5. Juli 2012
I. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Gerichtsschreiber Batz.

Verfahrensbeteiligte
J.________,
Beschwerdeführerin,

gegen

Dienststelle Wirtschaft und Arbeit (wira),
Stab Recht, Bürgenstrasse 12, 6005 Luzern,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Arbeitslosenversicherung (Prozessvoraussetzung),

Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Luzern
vom 22. Mai 2012.

Nach Einsicht
in die Beschwerde der J.________ vom 22. Juni 2012 (Poststempel) gegen den Nichteintretensentscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Luzern, Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, vom 22. Mai 2012,

in Erwägung,
dass ein Rechtsmittel gemäss Art. 42 Abs. 1 und 2 BGG unter ande-rem die Begehren und deren Begründung zu enthalten hat, wobei in der Begründung in gedrängter Form darzulegen ist, inwiefern der an-gefochtene Entscheid Recht verletzt; die Vorbringen müssen sachbe-zogen sein, damit aus der Beschwerdeschrift ersichtlich ist, in welchen Punkten und weshalb der angefochtene Entscheid beanstandet wird (BGE 131 II 449 E. 1.3 S. 452; vgl. auch 123 V 335 E. 1 S. 337 f. mit Hinweisen); dies setzt voraus, dass sich die Beschwerde führende Person konkret mit den Erwägungen des angefochtenen Entscheids auseinandersetzt (BGE 136 I 65 E. 1.3.1 S. 68 und 134 II 244 E. 2.1 S. 245 f. mit Hinweisen),
dass nach der Rechtsprechung eine Beschwerdeschrift, welche sich bei der Anfechtung von vorinstanzlichen Nichteintretensentscheiden lediglich mit der materiellen Seite des Falles auseinandersetzt, keine sachbezogene Begründung aufweist und damit keine rechtsgültige Beschwerde darstellt (vgl. BGE 123 V 335; 118 Ib 134; ARV 2002 Nr. 7 S. 59 E. 2 S. 61; RKUV 1998 Nr. U 299 S. 337),
dass die Beschwerde vom 22. Juni 2012 den vorgenannten Erforder-nissen mit Bezug auf ein rechtsgenügliches Begehren sowie eine sachbezogene Begründung offensichtlich nicht gerecht wird, wobei sich die Beschwerdeführerin namentlich nicht in hinreichender Weise mit der prozessualen Erledigung durch die Vorinstanz auseinander-setzt und insbesondere nicht darlegt, weshalb das erstinstanzliche Gericht auf das Rechtsmittel hätte eintreten müssen und demzufolge der kantonale Nichteintretensentscheid zu Unrecht ergangen sein sollte,
dass hieran auch die blosse - in unsubstanziierter Weise erfolgte - Aufzählung verschiedener Normen (u.a. der EMRK und der BV) in der Beschwerde nichts ändert,
dass zudem eine Verlängerung der - gesetzlich bestimmten (vgl. Art. 47 Abs. 1 und Art. 100 Abs. 1 BGG) - Beschwerdefrist ausser Betracht fällt,
dass somit auf die - offensichtlich unzulässige - Beschwerde in Anwendung von Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG nicht eingetreten werden kann, wobei von der Durchführung eines Schriftenwechsels und dem Beizug der Vorakten abgesehen wird (Art. 102 Abs. 1 und 2 BGG),
dass auch dem Gesuch um Gewährung der - an sich jederzeit möglichen - Akteneinsicht derzeit nicht stattgegeben wird, weil die Beschwerdeführerin über die sich beim Bundesgericht befindenden (letztinstanzlichen) Akten schon verfügt,
dass es sich bei den gegebenen Verhältnissen rechtfertigt, von der Erhebung von Gerichtskosten für das bundesgerichtliche Verfahren umständehalber abzusehen (Art. 66 Abs. 1 Satz 2 BGG),
dass das sinngemässe Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung zufolge Aussichtslosigkeit der Rechtsvorkehr (Art. 64 Abs. 1 und 2 BGG) abzuweisen ist, zumal die Verbesserung bzw. Ergänzung der ungültigen Beschwerde auch durch einen "Pflichtverteidiger" nach Ablauf der Rechtsmittelfrist (Art. 100 Abs. 1 BGG) unzulässig ist,
dass sich deshalb auch die anbegehrte "Aufstellung (einer Liste) der vor dem Bundesgericht zugelassenen Pflichtverteidiger" zu Handen der Beschwerdeführerin erübrigt,
dass in den Fällen des Art. 108 Abs. 1 BGG das vereinfachte Verfahren zum Zuge kommt und der Abteilungspräsident zuständig ist,

erkennt der Präsident:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

3.
Das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung wird abgewiesen..

4.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Luzern, Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, und dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) schriftlich mitgeteilt.

Luzern, 5. Juli 2012

Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Ursprung

Der Gerichtsschreiber: Batz

Schlagwörter

admissibilityreasoning requirementnon-entry decisionlegal aidsummary procedureappeal deadlinecourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the federal appeal met the formal pleading and reasoning requirements of Art. 42 BGG

Extrahierter Entscheid

No. The submission did not sufficiently challenge the cantonal non-entry decision with reasoned arguments.

Extrahierte Begründung

An appeal must state requests and reasons, and must engage specifically with the challenged decision. Here, the appellant argued mainly the merits and did not explain why the lower court had to enter the case.

Kernrechtsfrage

Whether the time limit for appeal could be extended

Extrahierter Entscheid

No extension was available beyond the statutory time limit.

Extrahierte Begründung

The court stated that the appeal period is fixed by law and cannot be extended.

Kernrechtsfrage

Whether legal aid and appointed counsel should be granted

Extrahierter Entscheid

No. The request was refused because the appeal had no prospects of success.

Extrahierte Begründung

Since the remedy was manifestly inadmissible, the application for free legal assistance had to be denied; supplementation after expiry of the appeal period was also impermissible.

Kernrechtsfrage

Whether court costs should be charged

Extrahierter Entscheid

No court costs were imposed in view of the circumstances.

Extrahierte Begründung

The court waived costs exceptionally under Art. 66 BGG.

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