Federal appeal inadmissible for insufficient reasoning

8C_331/2009Bundesgericht / IV. öffentlich-rechtliche Abteilung08.05.2009Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

F.________ appealed a Thurgau administrative court judgment in a social welfare dispute. The Federal Court held that the appeal did not satisfy the reasoning requirements of Art. 42 and Art. 106 BGG because the appellant failed to address the decisive cantonal reasoning and to show a specific constitutional violation. The request to extend the filing period was denied as inadmissible by law. The court therefore issued a non-entry decision under Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG and waived court costs exceptionally.

Omnilex-Regeste

Art. 42 Abs. 1 and 2, Art. 106 Abs. 2, Art. 108 Abs. 1 lit. b, Art. 47 Abs. 1, Art. 66 Abs. 1 Satz 2 BGG; requirements of the appeal reasoned pleading and qualified grievance in complaints against cantonal-law decisions. An appeal must, in concise form, demonstrate by reference to the challenged reasoning which legal norms have been violated. Where the contested decision applies cantonal law, the violation of cantonal law as such is not a free-standing ground; the appellant must specifically invoke and substantiate the infringement of constitutional rights. Failure to address the decisive considerations results in non-entry. The statutory appeal period cannot be extended ex lege; in appropriate circumstances, costs may exceptionally be waived (consid. 1 ff.).

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
8C_331/2009

Urteil vom 8. Mai 2009
I. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Ursprung, Präsident,
Gerichtsschreiber Batz.

Parteien
F.________,
Beschwerdeführer,

gegen

Sozialhilfekommission der Stadt X.________,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Fürsorge,

Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Thurgau vom 25. Februar 2009.

Nach Einsicht
in die Beschwerde des F.________ vom 11. April 2009 (Poststempel) gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Thurgau vom 25. Februar 2009,

in die Mitteilung des Bundesgerichts vom 16. bzw. 22. April 2009, wonach eine Beschwerde bestimmten Formerfordernissen zu genügen hat und eine Erstreckung der Rechtsmittelfrist von Gesetzes wegen ausser Betracht fällt,

in die dem Bundesgericht von F.________ zugesandte Eingabe vom 30. April 2009 (Poststempel),

in Erwägung,
dass ein Rechtsmittel gemäss Art. 42 Abs. 1 und 2 BGG u.a. die Begehren und deren Begründung mit Angabe der Beweismittel zu enthalten hat, wobei im Rahmen der Begründung in gedrängter Form darzulegen ist, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt; Art. 95 ff. BGG nennt dabei die vor Bundesgericht zulässigen Beschwerdegründe,

dass bei Beschwerden, die sich - wie vorliegend - gegen einen in Anwendung kantonalen Rechts ergangenen Entscheid richten, die Verletzung blossen kantonalen Rechts keinen selbstständigen Beschwerdegrund bildet; vielmehr hat die Beschwerde führende Person darzulegen, inwiefern der beanstandete Akt gegen verfassungsmässige Rechte, wie etwa das Willkürverbot oder das Recht auf persönliche Freiheit, verstossen soll; hinsichtlich der Verletzung von Grundrechten gilt der in Art. 106 Abs. 1 BGG verankerte Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen nicht, weshalb insofern eine qualifizierte Rügepflicht besteht (Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 133 II 249 E. 1.4.2 S. 254; vgl. auch BGE 133 IV 286 ff.): es obliegt daher der Beschwerde führenden Person (entsprechend den altrechtlichen Begründungsanforderungen des Art. 90 Abs. 1 lit. b OG: Botschaft vom 28. Februar 2001 zur Totalrevision der Bundesrechtspflege, BBl 2001, S. 4207 ff., Ziff. 4.1.2.4 zu Art. 39 Entwurf, S. 4294), klar und detailliert anhand der Erwägungen des angefochtenen Entscheids darzulegen, welche verfassungsmässigen Rechte und inwiefern sie durch den kantonalen Entscheid verletzt sind (BGE 134 II 244 E. 2.2 S. 246 mit weiteren Hinweisen),

dass sich im vorliegenden Fall der Beschwerdeführer in seinen Eingaben an das Bundesgericht insbesondere nicht rechtsgenüglich mit den entscheidenden Erwägungen der Vorinstanz auseinandersetzt, indem er jedenfalls nicht nach den erwähnten gesetzlichen Anforderungen anhand dieser Erwägungen aufzeigt, welche verfassungsmässigen Rechte und inwiefern diese durch das angefochtene Urteil des kantonalen Gerichts verletzt worden sein sollen,

dass mithin keine hinreichende Begründung und daher kein gültiges Rechtsmittel vorliegt, woran auch das vom Beschwerdeführer gestellte Fristerstreckungsgesuch nichts ändert, welchem von Gesetzes wegen nicht stattgegeben werden kann (Art. 47 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 100 Abs. 1 BGG),

dass im Übrigen das Bundesgericht den Beschwerdeführer auf die entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen in der Mitteilung vom 16. bzw. 22. April 2009 noch eigens hingewiesen hatte, wobei deren nicht früher mögliche Zustellung mangels getroffener Vorkehren vom Versicherten zu vertreten ist (vgl. BGE 130 III 396 E. 1.2.3 S. 399 mit Hinweisen; s.a. BGE 107 V 187 ff. und 191),

dass somit auf die - offensichtlich unzulässige - Beschwerde in Anwendung von Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG nicht eingetreten wird,

dass es sich bei den gegebenen Verhältnissen rechtfertigt, von der Erhebung von Gerichtskosten für das bundesgerichtliche Verfahren ausnahmsweise abzusehen (Art. 66 Abs. 1 Satz 2 BGG),
dass in den Fällen des Art. 108 Abs. 1 BGG das vereinfachte Verfahren zum Zuge kommt und der Abteilungspräsident zuständig ist,

erkennt der Präsident:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau und dem Departement für Finanzen und Soziales des Kantons Thurgau schriftlich mitgeteilt.

Luzern, 8. Mai 2009

Im Namen der I. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Ursprung Batz

Schlagwörter

inadmissibilityreasoning requirementconstitutional grievancesocial welfarenon-entrycost waiver

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the federal appeal met the formal reasoning requirements under the BGG

Extrahierter Entscheid

No. The appellant did not engage sufficiently with the decisive reasoning of the cantonal judgment and did not show any violation of constitutional rights in a legally adequate way.

Extrahierte Begründung

A federal appeal must contain requests and reasons showing how the challenged decision violates law. Where only cantonal law is applied, mere errors of cantonal law are not independent grounds; constitutional rights must be specifically and clearly invoked. The submission failed to satisfy this qualified pleading duty.

Kernrechtsfrage

Whether the deadline for filing could be extended

Extrahierter Entscheid

No. An extension of the appeal period is excluded by law.

Extrahierte Begründung

The court held that the requested extension could not be granted ex lege.

Kernrechtsfrage

Whether court costs should be charged

Extrahierter Entscheid

No court costs were imposed in view of the circumstances.

Extrahierte Begründung

The court exercised discretion to waive fees exceptionally.

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