No federal complaint against bankruptcy suspension denial and bankruptcy opening

7B.214/2002Bundesgericht / II. strafrechtliche Abteilung07.11.2002Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Supreme Court dismissed the company’s filing as inadmissible. It held that the cantonal appellate judgment on refusal of bankruptcy suspension and opening of bankruptcy was a judicial decision, not a decision of a cantonal supervisory authority, so Art. 19 SchKG did not apply. The court also refused to treat the submission as a constitutional complaint because the alleged denial of service was not sufficiently reasoned and, in any event, the appellant had not collected the judgment within the postal holding period. The request for suspensive effect became moot.

Omnilex-Regeste

Art. 19 SchKG; admissibility of federal complaint against cantonal judgments concerning bankruptcy suspension and bankruptcy opening. A complaint under Art. 19 SchKG lies only against decisions of the higher cantonal supervisory authority in debt-enforcement matters; it is excluded against judicial decisions rendered by a cantonal court acting as a court of law (consid. 1). A filing may not be recharacterized as a constitutional complaint unless the pleading meets the strict reasoning requirements of Art. 90(1)(b) OG and substantiates the alleged constitutional violation; deemed service after an unsuccessful delivery attempt is not defeated by private arrangements with the post (consid. 2).

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
7B.214/2002 /min

Urteil vom 7. November 2002
Schuldbetreibungs- und Konkurskammer

Bundesrichterin Nordmann, Präsidentin,
Bundesrichterin Escher, Bundesrichterin Hohl,
Gerichtsschreiber Levante.

A.________ AG, Beschwerdeführerin,

gegen

Appellationshof des Kantons Bern, 1. Zivilkammer, Hochschulstrasse 17, Postfach 7475, 3001 Bern,

Konkursaufschub, Konkurseröffnung, Rechtsverweigerung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Appellationshofs des Kantons Bern, 1. Zivilkammer, vom 30. September 2002.

Die Kammer hat nach Einsicht
in das Urteil vom 30. September 2002 des Appellationshofs (1. Zivilkammer) des Kantons Bern, womit die Appellation der A.________ AG gegen die Entscheide der Gerichtspräsidentin X.________ vom 19. August 2002, mit welchen ihre Überschuldungsanzeige und ihr Gesuch um Konkursaufschub zurückgewiesen sowie über sie der Konkurs eröffnet worden war, abgewiesen und mit Wirkung ab Montag, 30. September 2002, 9.00 Uhr, gestützt auf Art. 171 SchKG der Konkurs eröffnet worden ist;

in die Eingabe der A.________ AG vom 23. Oktober 2002, womit die Beschwerdeführerin die Aufhebung des angefochtenen Urteils und um dessen erneute Eröffnung sowie um aufschiebende Wirkung ersucht;

in Erwägung,

dass gegen Urteile betreffend die Verweigerung des Konkursaufschubs (Art. 725a Abs. 1 OR) und die Eröffnung des Konkurses (Art. 171, Art. 192 SchKG) die betreibungsrechtliche Beschwerde ausgeschlossen ist, da es sich beim Konkursaufschub und der Konkurseröffnung um eine Gerichtssache handelt (vgl. Art. 17 Abs. 1 SchKG; Amonn/Gasser, Grundriss des Schuldbetreibungs- und Konkursrechts, 6. Aufl. 1997, § 38 Rz. 35 u. 37, § 57 Rz. 10);

dass gemäss Art. 19 Abs. 1 SchKG nur der Entscheid einer oberen kantonalen Aufsichtsbehörde innert 10 Tagen nach der Eröffnung wegen Verletzung von Bundesrecht oder von völkerrechtlichen Verträgen des Bundes oder wegen Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens an das Bundesgericht weitergezogen werden kann, oder gemäss Art. 19 Abs. 2 SchKG wegen Rechtsverweigerung oder -verzögerung gegen die obere kantonale Aufsichtsbehörde beim Bundesgericht Beschwerde geführt werden kann;

dass die Beschwerdeführerin gegen die Entscheide der Gerichtspräsidentin X.________ vom 19. August 2002, mit welchen ihr Gesuch um Konkursaufschub zurückgewiesen und über sie der Konkurs eröffnet worden war, Appellation erhoben hat, und der Appellationshof des Kantons Bern das angefochtene Urteil als Gerichtsbehörde und nicht als Aufsichtsbehörde in Schuldbetreibungs- und Konkurssachen gefällt hat;

dass aus diesen Gründen gegen das angefochtene Urteil die Beschwerde gemäss Art. 19 SchKG unzulässig ist;
dass die Beschwerdeführerin indessen ihre Eingabe ausdrücklich als Beschwerde gemäss Art. 19 SchKG bezeichnet und sich bewusst auf die Beschwerde gemäss Art. 19 Abs. 2 SchKG wegen Rechtsverweigerung der oberen kantonalen Aufsichtsbehörde beruft;

dass daher auf die vorliegende Beschwerde nicht eingetreten werden kann;

dass die Eingabe der Beschwerdeführerin im Übrigen nicht als staatsrechtliche Beschwerde entgegengenommen werden könnte, weil darin nicht in einer den Anforderungen von Art. 90 Abs. 1 lit. b OG genügenden Weise dargelegt wird, inwiefern der Appellationshof ihr die Zustellung des angefochtenen Urteils in verfassungswidriger Weise (vgl. Art. 29 Abs. 1 BV) verweigert habe, zumal die Beschwerdeführerin - zum einen - selber davon ausgeht, dass der Appellationshof ihr das angefochtene Urteil erfolglos zuzustellen versucht hat, sie es aber innert der 7-tägigen Frist bei der Poststelle nicht abgeholt hat, und sie - zum anderen - offenbar verkennt, dass Abmachungen mit der Post die Zustellfiktion sieben Tage nach dem erfolglosen Zustellversuch nicht verhindern (BGE 127 I 31 E. 2b S. 35);

dass mit dem vorliegenden Entscheid das Gesuch um aufschiebende Wirkung gegenstandslos wird;

erkannt:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.
2.
Dieses Urteil wird der Beschwerdeführerin, der Beschwerdegegnerin (B.________ AG) und dem Appellationshof des Kantons Bern, 1. Zivilkammer, sowie dem Betreibungs- und Konkursamt Bern-Mittelland, Dienststelle Seftigen, schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 7. November 2002
Im Namen der Schuldbetreibungs- und Konkurskammer
des Schweizerischen Bundesgerichts

Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Schlagwörter

admissibilitybankruptcy suspensionbankruptcy openingsupervisory authoritydenial of justicedeemed service

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether a federal complaint under Art. 19 SchKG is admissible against a cantonal judgment on bankruptcy suspension and bankruptcy opening.

Extrahierter Entscheid

No. The challenged judgment was rendered by a court acting as a judicial authority, not as a cantonal supervisory authority in debt-enforcement matters; therefore Art. 19 SchKG did not provide a remedy.

Extrahierte Begründung

Bankruptcy suspension and bankruptcy opening are court matters. Under Art. 19 SchKG, only decisions of the higher cantonal supervisory authority may be challenged before the Federal Supreme Court on the specified grounds. That was not the case here.

Kernrechtsfrage

Whether the filing could alternatively be treated as a constitutional complaint alleging denial of justice in the service of the judgment.

Extrahierter Entscheid

No. The submission did not satisfy the formal reasoning requirements and, in any event, the appellant's own account showed an attempted service and expiry of the postal pickup period, so no unconstitutional refusal of service was demonstrated.

Extrahierte Begründung

The pleading did not sufficiently explain a violation of Art. 90(1)(b) OG. Agreements with the post do not prevent deemed service after the seven-day period following an unsuccessful delivery attempt.

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