Defective seizure notice cured by debtor’s presence at seizure

7B.201/2003Bundesgericht / II. strafrechtliche Abteilung15.09.2003Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The debtor appealed against a Bern supervisory authority decision rejecting her complaint about a seizure notice. She argued that the notice had been improperly served. The Federal Supreme Court held that it was bound by the supervisory authority’s factual findings and could not examine factual objections. In any event, the court found that any defect in the service of the seizure notice was cured because the debtor was present at the seizure and signed the seizure protocol. The complaint was therefore dismissed insofar as it was admissible; the procedure was free of charge and no party compensation was awarded.

Omnilex-Regeste

Art. 63 Abs. 2 i.V.m. Art. 81 OG; binding effect of factual findings in debt-enforcement supervisory complaints. The Federal Supreme Court is bound by the facts established by the supervisory authority unless those findings rest on an obvious oversight or violate federal evidentiary rules; mere objections to the factual circumstances are inadmissible. A defect in the service of a seizure notice is cured when the debtor is present at the seizure and signs the seizure protocol, since the purpose of notification is then achieved notwithstanding prior irregularities (consid. 2-3). In proceedings under the SchKG complaint system, the procedure is generally free of charge and no party compensation is awarded (consid. 4).

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
7B.201/2003 /min

Urteil vom 15. September 2003
Schuldbetreibungs- und Konkurskammer

Besetzung
Bundesrichterin Escher, Präsidentin,
Bundesrichter Meyer, Bundesrichterin Hohl,
Gerichtsschreiberin Scholl.

Parteien
H.________,
Beschwerdeführerin,

gegen

Aufsichtsbehörde in Betreibungs- und Konkurssachen für den Kanton Bern, Hochschulstrasse 17, Postfach 7475, 3001 Bern.

Gegenstand
Pfändungsankündigung,

SchKG-Beschwerde gegen den Entscheid der Aufsichtsbehörde in Betreibungs- und Konkurssachen für den Kanton Bern vom 26. August 2003.

Die Kammer zieht in Erwägung:
1.
Beim Betreibungsamt Bern-Mittelland, Dienststelle Konolfingen, ist gegen H.________ (Schuldnerin) die Betreibung Nr. ... hängig. Am 10. April 2003 beauftragte das erwähnte Betreibungsamt das Betreibungsamt Bern-Mittelland, Dienststelle Bern, rechtshilfeweise gegenüber H.________, die sich im Passantenheim der Heilsarmee in Bern aufhält, die Pfändung zu vollziehen. In der Folge stellte die Dienststelle Bern der Schuldnerin am 30. April 2003 eine erste Pfändungsankündigung zu. Da der Pfändungsweibel H.________ anlässlich einer Vorsprache im Passantenheim jedoch nicht antreffen konnte, wurde sie auf die Dienststelle Bern vorgeladen, wo sie am 26. Mai 2003 erschien.

Am 6. August 2003 erhob H.________ Beschwerde beim Regierungsstatthalteramt, welches diese zuständigkeitshalber an die Aufsichtsbehörde in Betreibungs- und Konkurssachen für den Kanton Bern weiterleitete. Diese wies die Beschwerde mit Entscheid vom 26. August 2003 ab.

H.________ gelangt mit Beschwerde vom 8. September 2003 (rechtzeitig) an die Schuldbetreibungs- und Konkurskammer des Bundesgerichts. Sie rügt insbesondere eine fehlerhafte Zustellung der Pfändungsankündigung.

Die Aufsichtsbehörde hat unter Hinweis auf die Akten und die Motive des angefochtenen Entscheids auf Gegenbemerkungen (Art. 80 Abs. 1 OG) verzichtet. Es sind keine Vernehmlassungen eingeholt worden.
2.
Das Bundesgericht ist an die tatsächlichen Feststellungen der Aufsichtsbehörde gebunden, sofern sie weder offensichtlich auf einem Versehen beruhen noch unter Verletzung bundesrechtlicher Beweisvorschriften zustande gekommen sind (Art. 63 Abs. 2 i.V.m. Art. 81 OG; BGE 119 III 54 E. 2b S. 55; 124 III 286 E. 3b S. 288). Daher kann auf die Rügen der Beschwerdeführerin, welche die tatsächlichen Verhältnisse betreffen, nicht eingetreten werden. Dies gilt insbesondere für ihre Ausführungen in Bezug auf den ersten Pfändungsversuch im Passantenheim.
3.
Die Beschwerdeführerin bringt vor, ihr sei die Pfändungsankündigung nicht zur Kenntnis gebracht worden. Es kann im vorliegenden Fall offen bleiben, ob diese Rüge zutrifft: Sowohl aus dem angefochtenen Entscheid wie auch aus dem von der Beschwerdeführerin unterzeichneten Pfändungsprotokoll vom 26. Mai 2003 ergibt sich, dass die Schuldnerin bei der Pfändung anwesend war. Allfällige Mängel bei der Zustellung der Pfändungsankündigung sind damit durch die Anwesenheit der Beschwerdeführerin bei der Pfändung geheilt (BGE 115 III 41 E. 1 S. 43; André E. Lebrecht, in: Staehelin/Bauer/Staehelin, Kommentar zum Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs, N. 16 zu Art. 90 SchKG; Amonn/Gasser, Grundriss des Schuldbetreibungs- und Konkursrechts, 1997, § 22 N. 28).
4.
Damit ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. Das Beschwerdeverfahren ist grundsätzlich kostenlos (Art. 20a Abs. 1 SchKG), und es darf keine Parteientschädigung zugesprochen werden (Art. 62 Abs. 2 GebV SchKG).

Demnach erkennt die Kammer:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.
2.
Dieses Urteil wird der Beschwerdeführerin, dem Betreibungsamt Bern-Mittelland, Dienststelle Bern, dem Betreibungs- und Konkursamt Bern-Mittelland, Dienststelle Konolfingen, und der Aufsichtsbehörde in Betreibungs- und Konkurssachen für den Kanton Bern schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 15. September 2003
Im Namen der Schuldbetreibungs- und Konkurskammer
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin:

Schlagwörter

debt enforcementseizure noticeservice of processcure of defectbinding factual findingscosts

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the Federal Supreme Court could review the debtor’s challenges to the factual findings of the supervisory authority.

Extrahierter Entscheid

The Court was bound by the supervisory authority’s factual findings unless they were manifestly mistaken or obtained in violation of federal evidentiary rules; the factual objections were therefore inadmissible.

Extrahierte Begründung

The appellant’s complaints concerned the factual circumstances, especially the first attempt at seizure service, and could not be entertained under the binding effect of the lower authority’s findings.

Kernrechtsfrage

Whether an alleged defect in the service of the seizure notice required annulment of the enforcement step.

Extrahierter Entscheid

Any defect in the service of the seizure notice was cured because the debtor was present at the seizure and signed the seizure record.

Extrahierte Begründung

The Court considered it unnecessary to decide whether the notice had actually been served properly, because the debtor’s presence at the seizure and her signature on the seizure protocol cured any service defect.

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