No entry for criminal appeal due to unexhausted cantonal remedies

6S.212/2003Bundesgericht / Strafrechtliche Abteilung06.08.2003Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court held that X.'s nullity complaint against the compensation awarded to the victim’s mother was inadmissible because he had not exhausted the available cantonal remedy. In Solothurn, he could have brought a recourse to the cantonal appellate court, which would have reviewed the civil claim freely, including federal-law issues. Because the complaint was inadmissible, the request for free legal aid and appointed counsel was rejected as hopeless. No court fee was charged, and no compensation was awarded to the respondent.

Omnilex-Regeste

Art. 268 Ziff. 1 BStP; exhaustion of cantonal remedies in criminal cases concerning a civil-law compensation claim. A federal nullity complaint is inadmissible where the canton provides a recourse against the challenged civil claim and the cantonal appellate court may review that claim freely, including alleged violations of federal law. The distinction between the criminal conviction and the private-law compensation award is decisive; the availability of an effective cantonal remedy precludes direct federal review. A request for legal aid under Art. 152 OG must be refused where the appeal is manifestly hopeless because inadmissible.

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
6S.212/2003 /kra

Urteil vom 6. August 2003
Kassationshof

Besetzung
Bundesrichter Schneider, Präsident,
Bundesrichter Kolly, Karlen,
Gerichtsschreiber Monn.

Parteien
X.________,
Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Andreas Wehrle, Hauptgasse 35, Postfach 139, 4502 Solothurn,

gegen

Frau Y.________,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Genugtuung (Totschlag),

Nichtigkeitsbeschwerde gegen das Urteil des Kriminalgerichts des Kantons Solothurn vom
20. März 2003.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Kriminalgericht des Kantons Solothurn sprach X.________ am 20. März 2003 des Totschlags, des gewerbsmässigen Diebstahls sowie der mehrfachen unrechtmässigen Aneignung schuldig und verurteilte ihn zu 7 ½ Jahren Zuchthaus, aufgeschoben zu Gunsten einer stationären Massnahme. Das Gericht verpflichtete den Verurteilten, der Mutter des Getöteten eine Genugtuung in Höhe von Fr. 30'000.-- zu bezahlen.

X.________ führt eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde und beantragt, das Urteil des Kriminalgerichts sei insoweit aufzuheben, als der Mutter des Getöteten eine Genugtuung zugesprochen wurde, und es sei die Genugtuung auf einen Betrag von unter Fr. 20'000.-- herabzusetzen. Es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, unter Beiordnung von Rechtsanwalt Andreas Wehrle als amtlichem Verteidiger.
2.
Nebst hier nicht in Betracht kommenden Fällen ist die Nichtigkeitsbeschwerde nur zulässig gegen Urteile kantonaler Gerichte, die nicht durch ein kantonales Rechtsmittel wegen Verletzung eidgenössischen Rechts angefochten werden können (Art. 268 Ziff. 1 BStP).

Der Verurteilte kann gegen ein Urteil des Kriminalgerichts des Kantons Solothurn kantonale Kassationsbeschwerde erheben, wenn ein wesentlicher Verfahrensgrundsatz verletzt worden ist (§ 182 Abs. 1 StPO/SO vom 13. März 1977). Will er ausschliesslich (wie im vorliegenden Fall) den Entscheid über einen privatrechtlichen Anspruch anfechten, ist nur der Rekurs gemäss §§ 198 ff. StPO/SO zulässig. Der Rekurs an das Obergericht des Kantons Solothurn ist in einem solchen Fall nur dann nicht zulässig, wenn der angefochtene Entscheid über den privatrechtlichen Anspruch bereits durch das Obergericht gefällt wurde (§ 198 Abs. 1 StPO/SO). Obergericht und Kriminalgericht sind jedoch verschiedene Gerichtsbehörden (BGE 123 I 152 S. 161 unten). Der Beschwerdeführer hätte deshalb mit Rekurs an das Obergericht des Kantons Solothurn gelangen können.

Das Obergericht des Kantons Solothurn ist im Rekursverfahren an den angefochtenen Entscheid im Strafpunkt gebunden. Im Übrigen entscheidet es frei (§ 202 Abs. 2 StPO/SO). Es kann folglich auch die Frage, ob in Bezug auf den angefochtenen privatrechtlichen Anspruch eidgenössisches Recht im Sinne von Art. 268 Ziff. 1 und 269 Abs. 1 BStP verletzt worden ist, frei überprüfen.

Aus den genannten Gründen hat der Beschwerdeführer den kantonalen Instanzenzug nicht ausgeschöpft. Auf die unzulässige Beschwerde ist folglich nicht einzutreten.
3.
Der Beschwerdeführer stellt ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung. Dieses kann in Anwendung von Art. 152 OG nicht gutgeheissen werden, weil die Beschwerde unzulässig und somit von vornherein aussichtslos war. Auf eine Gerichtsgebühr kann hingegen verzichtet werden. Der Beschwerdegegnerin muss keine Entschädigung ausgerichtet werden, weil sie nicht zur Vernehmlassung aufgefordert wurde und vor Bundesgericht deshalb keine Umtriebe hatte.

Demnach erkennt das Bundesgericht:
1.
Auf die eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde wird nicht eingetreten.
2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung wird abgewiesen.
3.
Es werden keine Kosten erhoben.
4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kriminalgericht des Kantons Solothurn sowie der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 6. August 2003
Im Namen des Kassationshofes
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Schlagwörter

inadmissibilityexhaustion of remediescompensationlegal aidcriminal appealcivil claim

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the federal nullity complaint was admissible despite available cantonal review against the compensation award.

Extrahierter Entscheid

The complaint was inadmissible because the appellant had not exhausted the available cantonal remedies; he could have filed a recourse to the cantonal appellate court on the civil claim.

Extrahierte Begründung

Under Solothurn procedure, a recourse was available to challenge the private-law claim. The cantonal appellate court would have reviewed the civil claim freely, including alleged violations of federal law, so the federal complaint could not bypass that remedy.

Kernrechtsfrage

Whether the appellant was entitled to free legal aid and appointed counsel.

Extrahierter Entscheid

The request was denied because the complaint was inadmissible and therefore manifestly without chances of success.

Extrahierte Begründung

Article 152 OG requires a non-frivolous or at least non-doomed application; an inadmissible complaint is hopeless.

Kernrechtsfrage

Whether court costs should be levied in the federal proceedings.

Extrahierter Entscheid

No court fee was charged.

Extrahierte Begründung

Although legal aid was refused, the court waived the fee in the circumstances.

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