Revision request against prior Federal Supreme Court judgments

6F_20/2011Bundesgericht / Strafrechtliche Abteilung01.03.2012Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The applicant sought revision of two earlier Federal Supreme Court judgments and also asked for a new bench, effectively requesting recusal of the judges involved in the prior cases. The Court held that prior participation in earlier Federal Supreme Court proceedings is not a recusal ground and that the allegations against the court clerk were unsubstantiated. It therefore did not enter into the recusal request, dismissed the revision request insofar as it was admissible, refused the requested stay of proceedings because the matter was ripe for decision, and imposed court costs of CHF 2,000 on the applicant. No compensation was awarded to the second respondent.

Omnilex-Regeste

Art. 34 Abs. 2 BGG; Art. 121 lit. a BGG; revision and recusal in Federal Supreme Court proceedings: prior participation of the judges in earlier proceedings before the same court does not constitute a ground for recusal, even where the party disagrees with the previous outcome. Nor can bias of a court clerk be inferred merely from ties to the canton concerned or from shared party affiliation with deciding judges. Revision is not a vehicle for rearguing inadmissible contentions; where no statutory ground is shown, the request is dismissed insofar as admissible. If the matter is ripe for decision, a stay is refused. Costs follow the outcome under Art. 66 Abs. 1 BGG.

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
6F_20/2011

Urteil vom 1. März 2012
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Mathys, Präsident,
Bundesrichterin Jacquemoud-Rossari,
Bundesrichter Schöbi,
Gerichtsschreiber C. Monn.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
Gesuchsteller,

gegen

  1. Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau,
    Frey-Herosé-Strasse 12, Wielandhaus, 5001 Aarau,
  2. Y.________,
    vertreten durch Fürsprecher Martin Lüscher,
    Gesuchsgegner.

Gegenstand
Revisionsgesuch gegen die Urteile des Schweizerischen Bundesgerichts 6B_256/2011 vom 31. August 2011 und 6F_14/2011 vom 24. November 2011.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Das Bundesgericht wies am 31. August 2011 eine Beschwerde des Gesuchstellers ab, soweit darauf einzutreten war (Urteil 6B_256/2011). Ein erstes Revisionsgesuch wurde mit Urteil vom 24. November 2011 abgewiesen (6F_14/2011).

Der Gesuchsteller stellt ein weiteres Revisionsgesuch gegen die Urteile 6B_256/2011 und 6F_14/2011. Soweit er verlangt, es sei eine neue Gerichtsbesetzung vorzusehen (act. 1 S. 5 Antrag 5), stellt er sinngemäss den Antrag, die Richter, die an den früheren Urteilen mitwirkten, hätten in den Ausstand zu treten. Auf dieses Gesuch ist indessen nicht einzutreten, weil die Mitwirkung in einem früheren Verfahren des Bundesgerichts keinen Ausstandsgrund darstellt (Art. 34 Abs. 2 BGG). Dies gilt auch, wenn der Gesuchsteller mit dem Ausgang des früheren Verfahrens nicht einverstanden ist.

Nebst Vorbringen, die im Rahmen eines Revisionsgesuches von vornherein unzulässig sind, bringt der Gesuchsteller unter Berufung auf Art. 121 lit. a BGG nur vor, die Gerichtsschreiberin, die an den beiden angeblich mangelhaften Urteilen mitgewirkt hat, hätte in Anwendung von Art. 32 (recte 34) Abs. 1 lit. e BGG in den Ausstand treten müssen (act. 1 S. 4). Aus dem Umstand, dass eine Gerichtsschreiberin Beziehungen zu dem Kanton unterhält, in welchem der angefochtene Entscheid erging, lässt sich indessen keine Befangenheit herleiten. Auch eine gemeinsame Parteizugehörigkeit mit Richtern, die den angefochtenen Entscheid gefällt haben, stellt für sich allein keinen Ausstandsgrund dar. Der Beschwerdeführer vermag seinen ungehörigen Vorwurf, die Gerichtsschreiberin habe "sich schützend vor das höchst problematische Urteil des Obergerichts" gestellt und sei "vor wenig" zurückgeschreckt (act. 5 S. 4), denn auch durch nichts zu belegen. Das Revisionsgesuch ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.

Da die Angelegenheit spruchreif ist, muss das Verfahren entgegen einem Antrag des Gesuchstellers (act. 12 S. 3) nicht sistiert werden.

2.
Die Gerichtskosten sind dem Gesuchsteller aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Dem Gesuchsgegner 2 ist keine Entschädigung auszurichten, weil er vor Bundesgericht keine Umtriebe hatte.

3.
Der Gesuchsteller wird darauf aufmerksam gemacht, dass das Bundesgericht sich vorbehält, weitere Eingaben in dieser Sache und insbesondere weitere offensichtlich unbegründete Revisionsgesuche ohne Antwort zu den Akten zu legen.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Auf das Ausstandsgesuch gegen die an früheren Verfahren beteiligten Bundesrichter wird nicht eingetreten.

2.
Das Revisionsgesuch wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden dem Gesuchsteller auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau, Strafgericht, 3. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 1. März 2012

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Mathys

Der Gerichtsschreiber: Monn

Schlagwörter

revisionrecusalbiascourt clerkcourt costsinadmissibility

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the judges who took part in the prior Federal Supreme Court judgments had to recuse themselves in the revision proceedings.

Extrahierter Entscheid

No recusal ground was established from their prior participation in earlier Federal Supreme Court proceedings.

Extrahierte Begründung

Previous participation in a Federal Supreme Court case is not, by itself, a ground for recusal, even if the applicant disagrees with the outcome.

Kernrechtsfrage

Whether the additional recusal complaint against the court clerk was substantiated under Art. 121 lit. a BGG.

Extrahierter Entscheid

The complaint was unfounded; no bias was shown from the clerk's alleged ties to the canton or shared party affiliation with the judges.

Extrahierte Begründung

A clerk's relationship with the canton where the challenged decision originated, or mere shared party membership with judges, does not in itself establish bias.

Kernrechtsfrage

Whether the revision request against judgments 6B_256/2011 and 6F_14/2011 should be granted.

Extrahierter Entscheid

The revision request was dismissed insofar as it was admissible.

Extrahierte Begründung

The applicant raised, in part, inadmissible arguments in a revision proceeding and failed to demonstrate any ground for revision.

Kernrechtsfrage

Whether the proceedings should be stayed.

Extrahierter Entscheid

The case was ready for decision and did not need to be suspended.

Extrahierte Begründung

Because the matter was ripe for judgment, a stay was unnecessary despite the applicant's request.

Kernrechtsfrage

Allocation of court costs.

Extrahierter Entscheid

Court costs were imposed on the applicant; the opposing party 2 received no compensation.

Extrahierte Begründung

Costs follow the outcome, and party 2 had no reimbursable effort before the Federal Supreme Court.

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