Revision for omitted party compensation

6F_16/2010Bundesgericht / Strafrechtliche Abteilung18.01.2011Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

A. and B., who had joined X.'s criminal appeal as injured parties, sought revision of the Federal Supreme Court judgment 6B_436/2010 because their request for party compensation had been overlooked. The Court treated the filing as a revision request under Art. 121 lit. c BGG, found the omission established, and granted revision. It set aside the earlier judgment and supplemented the dispositive: the appeal in the underlying case remained dismissed, X. was ordered to pay costs and to compensate A. and B., and no court costs were charged for the revision proceedings. A. and B. received compensation from the Court treasury for the revision procedure.

Omnilex-Regeste

Art. 121 lit. c BGG; omitted request for party compensation; revision and supplementation of the dispositive. A revision is admissible where a specific request submitted by a party has remained unadjudicated. If an injured party who participated in the proceedings and prevailed on the main request has an entitlement to party compensation under Art. 68 Abs. 2 BGG, the omission of this claim constitutes an overlooked request within the meaning of Art. 121 lit. c BGG. The remedy results in annulment of the prior judgment to the extent necessary and in a new dispositive entry supplementing the missing ruling; cf. Art. 128 Abs. 1 BGG and consid. 1-2.

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
6F_16/2010

Urteil vom 18. Januar 2011
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Favre, Präsident,
Bundesrichter Wiprächtiger,
Bundesrichterin Jacquemoud-Rossari,
Gerichtsschreiber Briw.

Verfahrensbeteiligte

  1. A.________,
  2. B.________,
    beide vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Martin Suenderhauf,
    Gesuchstellerinnen,

gegen

  1. Staatsanwaltschaft des Kantons Graubünden, Sennhofstrasse 17, 7001 Chur,
  2. X.________,
    vertreten durch Rechtsanwalt Rudolf Kunz,
    Gesuchsgegner.

Gegenstand
Revision,

Revisionsgesuch gegen das Urteil des Schweizerischen Bundesgerichts 6B_436/2010 vom 6. Dezember 2010.

Sachverhalt:

A.
Das Bundesgericht wies am 6. Dezember 2010 eine Beschwerde in Strafsachen von X.________ ab, soweit es darauf eintrat (Urteil 6B_436/2010 vom 6. Dezember 2010).

B.
Mit Eingabe vom 21. Dezember 2010 fragten A.________ und B.________ an, aus welchem Grund ihnen als Geschädigten im Verfahren 6B_436/2010 keine Entschädigung zugesprochen worden sei. Aus dem Urteil sei nicht ersichtlich, dass sich das Bundesgericht mit diesem Begehren auseinandergesetzt hätte.

X.________ liess sich innert Frist nicht vernehmen.

Erwägungen:

1.
Die Eingabe ist als Revisionsgesuch im Sinne von Art. 121 lit. c BGG entgegen zu nehmen. Gemäss dieser Bestimmung kann die Revision verlangt werden, wenn "einzelne Anträge unbeurteilt geblieben sind".

Gemäss Art. 68 Abs. 2 BGG wird die unterliegende Partei verpflichtet, der obsiegenden Partei nach Massgabe des Tarifs des Bundesgerichts (SR 173.110.210.3) alle durch den Rechtsstreit verursachten notwendigen Kosten zu ersetzen.

Wie sich auch aus dem Urteil 6B_436/2010 Bst. D ergibt, reichten die heutigen Gesuchstellerinnen als Geschädigte eine gemeinsame Vernehmlassung ein und obsiegten mit dem Antrag, die Beschwerde abzuweisen. Sie haben einen Anspruch auf Parteientschädigung. Dieser Antrag blieb unbeurteilt. Das Revisionsgesuch ist begründet.

2.
Das Gesuch ist gutzuheissen. Das frühere Urteil 6B_436/2010 ist aufzuheben, und es ist neu zu entscheiden (Art. 128 Abs. 1 BGG). Das frühere Dispositiv wird neu mit Ziff. 2.3 ergänzt (vgl. Urteil 6F_4/2007 vom 9. Mai 2007).

Es sind keine Kosten zu erheben. Die Gesuchstellerinnen sind für das Revisionsverfahren aus der Bundesgerichtskasse zu entschädigen.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Das Revisionsgesuch wird gutgeheissen, und das Urteil 6B_436/2010 vom 6. Dezember 2010 wird aufgehoben.

2.
Im Strafverfahren 6B_436/2010 wird wie folgt neu entschieden:

2.1 Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.2 Die Gerichtskosten von Fr. 4'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

2.3 Der Beschwerdeführer hat A.________ und B.________ mit je Fr. 1'000.--, insgesamt Fr. 2'000.--, zu entschädigen.

3.
Für das Revisionsverfahren werden keine Gerichtskosten erhoben.

4.
Die Gesuchstellerinnen werden mit je Fr. 500.--, insgesamt Fr. 1'000.--, aus der Bundesgerichtskasse entschädigt.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht von Graubünden, I. Strafkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 18. Januar 2011

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Favre Briw

Schlagwörter

revisionomitted requestparty compensationcourt costsinjured partycriminal appeal

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the request for revision under Art. 121 lit. c BGG was admissible because a party request remained undecided.

Extrahierter Entscheid

The filing is treated as a revision request because an individual request for party compensation was left unadjudicated.

Extrahierte Begründung

Under Art. 121 lit. c BGG, revision is available when individual requests have remained undecided. The applicants had filed a joint response as injured parties, prevailed with the request to dismiss the appeal, and were entitled to party compensation under Art. 68 Abs. 2 BGG; this request was omitted from the prior judgment.

Kernrechtsfrage

Whether the prior judgment 6B_436/2010 had to be amended to include party compensation and the associated costs order.

Extrahierter Entscheid

The prior judgment is set aside and re-decided with an added dispositive item awarding compensation to the applicants and imposing costs on the appellant.

Extrahierte Begründung

Because the compensation claim had been overlooked, the prior dispositive had to be supplemented pursuant to Art. 128 Abs. 1 BGG, following the approach in prior case law.

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