Speed estimate in traffic offense not arbitrary

6B_57/2009Bundesgericht / Strafrechtliche Abteilung01.05.2009Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Supreme Court dismissed the defendant's criminal appeal against a cantonal judgment for serious traffic rule violation. The lower court had relied on a police report to find that he drove about 90 km/h and kept an insufficient distance. The appellant argued that the technical instructions on speed controls required a different approach and that the offense should be reduced to a simple traffic violation with a lower fine. The Court held that those instructions apply only to device-based measurements and do not limit free judicial appreciation of evidence. It also upheld the cantonal court's replacement custodial sentence of 3 days and imposed federal court costs on the appellant.

Omnilex-Regeste

Art. 66 Abs. 1 BGG; free evaluation of evidence and inapplicability of technical speed-control guidelines to police-report assessments: the UVEK technical instructions on speed controls govern only measurements obtained by devices and do not bind judicial fact-finding based on other evidence. They expressly leave intact the courts’ free assessment of evidence (consid. 2). A party alleging arbitrariness in the factual finding must substantiate, in a precise manner, why the challenged assessment is untenable; a mere disagreement with the inference drawn from a police report is insufficient. Where this threshold is not met, the legal classification derived from the factual finding remains unchanged (consid. 1-2).

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
6B_57/2009

Urteil vom 1. Mai 2009
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Favre, Präsident,
Bundesrichter Ferrari, Mathys,
Gerichtsschreiber Borner.

Parteien
X.________,
Beschwerdeführer, vertreten durch Fürsprecher Dr. Walter Heuberger,

gegen

Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau, Frey- Herosé-Strasse 12, Wielandhaus, 5001 Aarau,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Widerhandlung gegen das SVG,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts
des Kantons Aargau, Strafgericht, 3. Kammer,
vom 3. Dezember 2008.

Sachverhalt:

A.
Das Gerichtspräsidium Baden verurteilte X.________ am 16. Juli 2008 wegen grober Verkehrsregelverletzung (ungenügendes Abstandhalten beim Hintereinanderfahren) zu einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 200.-- und einer Busse von Fr. 500.--. Für den Fall, dass die Busse nicht bezahlt wird, setzte es eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen fest.

Eine Berufung des Verurteilten hiess das Obergericht des Kantons Aargau am 3. Dezember 2008 teilweise gut. Es bestimmte die Ersatzfreiheitsstrafe auf 3 Tage und bestätigte im Übrigen den erstinstanzlichen Entscheid.

B.
X.________ führt Beschwerde in Strafsachen und beantragt, das angefochtene Urteil sei aufzuheben, und er sei wegen einfacher Verkehrsregelverletzung mit Fr. 350.-- zu büssen.

Erwägungen:

1.
Die Verurteilung des Beschwerdeführers basiert auf einem Polizeirapport. Danach folgten die Polizisten dem Fahrzeug des Beschwerdeführers in Neuenhof auf der Autobahn (Überholspur) über eine Distanz von ca. 1'300 m. Die Geschwindigkeit habe zirka 100 km/h, der Abstand des Beschwerdeführers zum vor ihm fahrenden Fahrzeug habe 10-15 m resp. maximal 2-3 PW-Längen betragen.

Weil die rapportierte Geschwindigkeit eine Zirka-Angabe ist, legte die Vorinstanz zugunsten des Beschwerdeführers ihrem Urteil eine Geschwindigkeit von 90 km/h zugrunde "in sinngemässer Anwendung der technischen Weisungen über Geschwindigkeitskontrollen im Strassenverkehr, Ziff. 7.3" (angefochtener Entscheid S. 6 Ziff. 2.2.2).

Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz vermische willkürlich die Auslegung der Geschwindigkeitsangabe "ca. 100 km/h" mit der Sicherheitsmarge, die gemäss den Technischen Weisungen zwingend abzuziehen sei. Bevor sie abgezogen werden könne, müsse zuerst die massgebliche Geschwindigkeit bestimmt werden. Folglich hätte die Vorinstanz von der Angabe "ca. 100 km/h" auf die massgebliche Geschwindigkeit von 90 km/h schliessen und davon die Sicherheitsmarge abziehen müssen.

2.
Der Beschwerdeführer beruft sich vergeblich auf die Technischen Weisungen des UVEK über Geschwindigkeitskontrollen im Strassenverkehr vom 10. August 1998. Denn diese Weisungen betreffen ausschliesslich Geschwindigkeitsmessungen, die mit Geräten festgestellt werden (vgl. Weisungen, Ziff. 1), was bei der Fahrt des Beschwerdeführers nicht der Fall war. Zudem wird in Ziffer 13 der Weisungen ausdrücklich festgehalten, dass die freie Beweiswürdigung durch die Gerichte unberührt bleibt.

Dass und inwiefern gestützt auf den Polizeirapport die von der Vorinstanz angenommene Geschwindigkeit von 90 km/h willkürlich sein sollte, legt der Beschwerdeführer nicht dar. Damit erweist sich die Beschwerde als unbegründet.

3.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die bundesgerichtlichen Kosten zu tragen (Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau, Strafgericht, 3. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 1. Mai 2009

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Favre Borner

Schlagwörter

traffic offensearbitrarinessfree evaluation of evidencepolice reportsubstitute imprisonmentcourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the cantonal court arbitrarily assessed the vehicle speed at 90 km/h from the police report

Extrahierter Entscheid

No. The defendant failed to show arbitrariness in the lower court's assessment of the speed as 90 km/h.

Extrahierte Begründung

The UVEK technical instructions on speed controls apply only to device-based speed measurements and expressly preserve free judicial evaluation of evidence; therefore they did not bind the court's assessment based on the police report.

Kernrechtsfrage

Whether the conviction for serious traffic rule violation should be replaced by a conviction for a simple traffic rule violation with a fine of CHF 350

Extrahierter Entscheid

No. The request to requalify the offense was rejected and the appeal failed.

Extrahierte Begründung

Since the challenge to the factual speed finding failed, the legal classification based on that finding remained unchanged.

Kernrechtsfrage

Whether the replacement custodial sentence for unpaid fine should be reduced from 5 days to 3 days

Extrahierter Entscheid

The replacement custodial sentence of 3 days fixed by the cantonal court remained in force.

Extrahierte Begründung

The Federal Supreme Court rejected the appeal and did not disturb the cantonal court's partial allowance reducing the replacement sentence.

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