No standing to appeal dismissal of criminal investigation

6B_456/2010Bundesgericht / Strafrechtliche Abteilung16.06.2010Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Supreme Court held that the complainant lacked standing to challenge the cantonal dismissal of the criminal investigation because she was neither private prosecutor nor victim in the sense of the Federal Act on Victim Assistance. Her remaining arguments, including the complaint that the accused had not been questioned and the challenge to the refusal of legal aid, were insufficiently substantiated. The Court therefore declined to enter into the appeal under Art. 108 BGG, denied free legal aid at federal level, and imposed reduced court costs of CHF 500 on the appellant.

Omnilex-Regeste

Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 and 5 BGG; standing of an injured party to challenge the dismissal of criminal proceedings; only a private prosecutor or a victim directly affected in personal integrity has broad appeal standing. A merely injured person may invoke only violations of procedural rights specifically conferred by cantonal procedural law, the Federal Constitution or the ECHR, and such grievances must be precisely pleaded and reasoned under Art. 106 Abs. 2 BGG. Where standing is lacking and the residual complaints are inadequately substantiated, the Federal Supreme Court may decline to enter into the matter summarily under Art. 108 BGG. Free legal aid under Art. 64 BGG is refused if the appeal is hopeless; financial hardship only affects the amount of court costs under Art. 65 Abs. 2 BGG and Art. 66 Abs. 1 BGG.

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
6B_456/2010

Urteil vom 16. Juni 2010
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Schneider, Einzelrichter,
Gerichtsschreiber Monn.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
Beschwerdeführerin,

gegen

Staatsanwaltschaft des Kantons Zug, An der Aa 4, 6301 Zug,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Einstellung einer Strafuntersuchung,

Beschwerde gegen das Urteil und die Verfügung des Obergerichts des Kantons Zug, Justizkommission, Strafrechtliche Kammer, vom 15. April 2010.
Der Einzelrichter zieht in Erwägung:

1.
Die Beschwerdeführerin wendet sich dagegen, dass eine Strafuntersuchung betreffend Betrug, Urkundenfälschung, Unterdrückung von Urkunden, Datenbeschädigung und Widerhandlung gegen das Datenschutzgesetz durch die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug eingestellt und im angefochtenen Entscheid die dagegen gerichteten Beschwerden abgewiesen wurden, soweit darauf einzutreten war. Zudem rügt sie, ihr Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege sei zu Unrecht abgewiesen worden.

Die Staatsanwaltschaft war am kantonalen Verfahren beteiligt, weshalb die Beschwerdeführerin nicht Privatstrafklägerin im Sinne von Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 BGG ist. Sie wurde durch die angezeigten Straftaten in ihrer körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität nicht unmittelbar beeinträchtigt, weshalb sie auch nicht Opfer im Sinne von Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 5 BGG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 OHG ist. Als Geschädigte, die nicht Opfer ist, ist sie zur vorliegenden Beschwerde grundsätzlich nicht legitimiert (BGE 136 IV 29; 133 IV 228). Auf die meisten Vorbringen ist mangels Legitimation der Beschwerdeführerin nicht einzutreten.

Die Geschädigte kann nur die Verletzung von Rechten rügen, die ihr als am Verfahren beteiligte Partei nach dem massgebenden Prozessrecht oder unmittelbar aufgrund der BV oder der EMRK zustehen (BGE 136 IV 29). Eine solche Rüge muss in der Beschwerde präzise vorgebracht und begründet werden (Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 133 II 249 E. 1.4.2).

Die Beschwerdeführerin macht insoweit geltend, die Beschuldigten seien bis heute weder von der Polizei noch von der Staatsanwaltschaft verhört worden (Beschwerde S. 5). Aus diesem nicht näher begründeten Vorbringen ergibt sich nicht, welches Recht der Beschwerdeführerin den Strafuntersuchungsorganen vorschreiben könnte, Beschuldigte unter allen Umständen einzuvernehmen. Die Rüge genügt den Anforderungen von Art. 106 Abs. 2 BGG nicht.

Dasselbe gilt für die Rüge, die Vorinstanz habe der Beschwerdeführerin zu Unrecht die unentgeltliche Rechtspflege verweigert (Beschwerde S. 5). Aus dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin aufgrund des Unfalls, um den es im vorliegenden Fall letztlich geht, mittellos geworden ist, ergibt sich nicht, dass die Vorinstanz der Beschwerdeführerin auch im Falle einer offensichtlich unbegründeten kantonalen Beschwerde (angefochtener Entscheid S. 9 E. 9.2) die unentgeltliche Rechtspflege hätte gewähren müssen.

Auf die Beschwerde ist im Verfahren nach Art. 108 BGG nicht einzutreten.

2.
Die Gerichtskosten sind der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist in Anwendung von Art. 64 BGG abzuweisen, weil die Rechtsbegehren aussichtslos erschienen. Der finanziellen Lage der Beschwerdeführerin ist bei der Bemessung der Gerichtsgebühr Rechnung zu tragen (Art. 65 Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt der Einzelrichter:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Zug, Justizkommission, Strafrechtliche Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 16. Juni 2010

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Schneider Monn

Schlagwörter

standingcriminal investigationnon-entrylegal aidvictim statusprocedural rightssummary procedure

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the complainant had standing to appeal the dismissal of the criminal investigation.

Extrahierter Entscheid

She lacked standing because she was neither a private prosecutor nor a victim directly affected in her personal integrity.

Extrahierte Begründung

The prosecution was a party in the cantonal proceedings, excluding private-prosecutor status. The alleged offences did not directly impair bodily, psychological, or sexual integrity, so victim status was absent; as a mere injured party, she could not challenge the merits absent a specific infringement of her procedural rights.

Kernrechtsfrage

Whether the complaint adequately invoked a procedural right requiring the authorities to question the accused.

Extrahierter Entscheid

No specific procedural right was shown or sufficiently reasoned.

Extrahierte Begründung

The assertion that the accused had not been interviewed did not identify any right obliging the investigative authorities to question them in all circumstances and therefore failed the strict substantiation requirement.

Kernrechtsfrage

Whether the refusal of free legal aid in the cantonal proceedings was unlawfully challenged.

Extrahierter Entscheid

The argument was insufficiently substantiated and did not show entitlement to legal aid despite the appeal being manifestly unfounded.

Extrahierte Begründung

Indigence caused by the underlying accident did not demonstrate that legal aid had to be granted even for an obviously unfounded complaint.

Kernrechtsfrage

Whether the Federal Supreme Court should enter into the appeal in summary procedure.

Extrahierter Entscheid

The appeal was not entered into under the summary non-entry procedure.

Extrahierte Begründung

Because the appellant lacked standing and the remaining grievances were inadequately reasoned, the appeal could not be examined on the merits.

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