Non-entry for insufficiently reasoned complaint in criminal revision matter

6B_426/2009Bundesgericht / Strafrechtliche Abteilung26.05.2009Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Supreme Court treated the filing as a criminal-law complaint under the BGG. It held that the complainant failed to substantiate any federal or constitutional violation against the cantonal refusal to hear his revision request. His submission did not explain how he had stated a revision ground under cantonal law, nor did it show any federal right to remedy an omitted appeal through revision. The Court therefore did not enter into the complaint under Art. 108 BGG. The request for interim measures became moot, free legal aid was refused, and court costs of CHF 500 were imposed on the complainant.

Omnilex-Regeste

Art. 42(2), Art. 95 and Art. 106(2) BGG; non-entry for insufficiently reasoned complaint against a cantonal non-entry decision in revision matters. A complaint must, in a manner tailored to the challenged reasoning, identify the violated rights and show why the lower court’s application of cantonal revision law is unlawful or unconstitutional. Mere disagreement or factual narrative does not suffice. In particular, a party may not use revision to retroactively cure an omitted appeal unless a federal right to such a remedy is substantiated. If the complaint is manifestly insufficiently reasoned, the Federal Supreme Court may decline to enter into it in summary procedure (Art. 108 BGG).

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
6B_426/2009

Urteil vom 26. Mai 2009
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Favre, Präsident,
Gerichtsschreiber Monn.

Parteien
X.________
Beschwerdeführer,

gegen

Generalprokurator des Kantons Bern, Hochschulstrasse 17, 3012 Bern,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Revisionsverfahren,

Beschwerde gegen den Entscheid des Obergerichts des Kantons Bern, Kassationshof, vom 22. April 2009.

Der Präsident zieht in Erwägung:

1.
Der Fall betrifft eine Strafsache, weshalb die als "staatsrechtliche Beschwerde" bezeichnete Eingabe als Beschwerde gemäss Art. 78 ff. BGG entgegenzunehmen ist. Mit diesem Rechtsmittel kann auch die Verletzung verfassungsmässiger Rechte gerügt werden (Art. 95 BGG).

2.
Im angefochtenen Entscheid trat die Vorinstanz auf ein Revisionsgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, weil er keine Revisionsgründe gemäss Art. 368 des Gesetzes über das Strafverfahren des Kantons Bern (StrV) genannt habe. Eine unterlassene Appellation könne nicht im Rahmen eines Revisionsverfahrens nachgeholt werden.

Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des in Art. 9 BV aufgestellten Willkürverbotes und macht geltend, den Erwägungen der Vorinstanz könne er "nicht folgen". Aus seinen Ausführungen ergibt sich indessen nicht, dass und inwieweit er im Gegensatz zur Feststellung der Vorinstanz einen Revisionsgrund gemäss Art. 368 StrV genannt hätte. Er macht sachbezogen nur geltend, er habe seinerzeit nicht appellieren können, weil er "das unhaltbare, willkürliche Urteil nie angenommen habe und sofort an den zuständigen Richter zurückwies, begründet dadurch, dass er mir eine Urteilsbegründung nur gegen Leistung einer Vorauszahlung von Fr. 800.-- ausfertigen wollte" (Beschwerde S. 3). Daraus ergibt sich indessen nicht, dass und inwieweit der Beschwerdeführer gestützt auf schweizerisches Recht im Sinne von Art. 95 BGG einen Anspruch gehabt hätte, seine unterlassene Appellation im Rahmen eines Revisionsverfahrens nachzuholen. Das Vorbringen genügt den Anforderungen von Art. 42 Abs. 2 bzw. Art. 106 Abs. 2 BGG nicht.

Auf die Beschwerde ist im Verfahren nach Art. 108 BGG nicht einzutreten.

Mit dem Entscheid in der Sache ist das Gesuch um vorsorgliche Massnahmen betreffend Inkasso kantonaler Kosten gegenstandslos geworden.

3.
Die Gerichtskosten sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist in Anwendung von Art. 64 BGG abzuweisen, weil die Rechtsbegehren aussichtslos erschienen. Der finanziellen Lage des Beschwerdeführers ist bei der Bemessung der Gerichtsgebühr Rechnung zu tragen (Art. 65 Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt der Präsident:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergerichts des Kantons Bern, Kassationshof, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 26. Mai 2009

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Favre Monn

Schlagwörter

criminal procedurerevisionnon-entryreasoning requirementslegal aidcourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the federal complaint met the reasoning requirements for challenging the cantonal non-entry decision

Extrahierter Entscheid

The complaint did not show, with reference to constitutional or federal law, that the cantonal court had erred in finding no statutory revision grounds; it therefore failed the required reasoning standard.

Extrahierte Begründung

The complainant merely expressed disagreement and repeated that he had not appealed earlier because he considered the judgment arbitrary. This did not demonstrate a legal entitlement to raise the omitted appeal by way of revision, nor did it satisfy the substantiation requirements of Art. 42(2) and Art. 106(2) BGG.

Kernrechtsfrage

Whether the request for interim measures regarding collection of cantonal costs remained pending

Extrahierter Entscheid

It became moot once the case was decided.

Extrahierte Begründung

Because the main complaint was disposed of by non-entry, no separate interim protection was still needed.

Kernrechtsfrage

Whether the complainant was entitled to free legal aid

Extrahierter Entscheid

Free legal aid was refused because the complaint had no prospect of success.

Extrahierte Begründung

Under Art. 64 BGG, legal aid is unavailable for manifestly hopeless claims.

Kernrechtsfrage

Who must bear the federal court costs

Extrahierter Entscheid

The complainant was ordered to pay costs, reduced in light of his financial situation.

Extrahierte Begründung

Costs follow the unsuccessful party under Art. 66(1) BGG; the amount was set with regard to his economic circumstances.

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