No appeal statement required after valid service over holidays

6B_401/2013Bundesgericht / Strafrechtliche Abteilung28.05.2013Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Supreme Court dismissed a criminal complaint against a cantonal non-entry decision. It held that the appellant had not filed the required appeal statement, that the reasoned judgment was validly served despite being sent shortly before Christmas because criminal proceedings have no court vacations, and that a postal hold request did not prevent service absent notice to the court. The appellant was ordered to pay court costs of CHF 2,000.

Omnilex-Regeste

Art. 89 Abs. 2 StPO; validity of service during the holiday period in criminal proceedings and admissibility of the appeal: In criminal proceedings there are no court vacations, so the dispatch of a reasoned judgment shortly before Christmas is unobjectionable. A party who anticipates absence must notify the court and request deferred service; a mere postal hold does not preclude deemed service. Without a timely appeal statement, the cantonal appellate court is entitled to refuse entry into the appeal (consid. 2).

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
6B_401/2013

Urteil vom 28. Mai 2013
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Mathys, Präsident,
Bundesrichter Denys, Oberholzer,
Gerichtsschreiber C. Monn.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
Beschwerdeführer,

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Thurgau, Zürcherstrasse 323, 8510 Frauenfeld,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Verletzung von Strassenverkehrsregeln,

Beschwerde gegen den Entscheid des Obergerichts
des Kantons Thurgau vom 6. März 2013.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Das Bezirksgericht Frauenfeld stellte am 27. Oktober 2012 ein Urteil im Dispositiv zu. Am 31. Oktober 2012 meldete der Beschwerdeführer fristgerecht Berufung an. Das begründete Urteil wurde am 18. Dezember 2012 versandt und traf am 3. Januar 2013 wieder beim Bezirksgericht ein mit dem Vermerk "nicht abgeholt". Am 23. Januar 2013 teilte das Obergericht des Kantons Thurgau dem Beschwerdeführer mit, die Berufungserklärung sei nicht fristgerecht eingereicht worden, und er erhalte Gelegenheit zur Stellungnahme. Am 14. Februar 2013 machte der Beschwerdeführer geltend, nachdem er am 31. Oktober 2012 in aller Klarheit und Deutlichkeit eine vollumfängliche Berufung angemeldet habe, habe er keine weiteren Nachrichten oder Rückmeldungen vom Bezirksgericht erhalten. Am 6. März 2013 trat das Obergericht des Kantons Thurgau auf das Rechtsmittel mit der Begründung nicht ein, der Beschwerdeführer habe keine Berufungserklärung eingereicht.
Der Beschwerdeführer wendet sich mit dem sinngemässen Antrag ans Bundesgericht, der Entscheid des Obergerichts sei aufzuheben und auf die Berufung einzutreten.

2.
Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer keine Berufungserklärung eingereicht hat. Eine solche wäre jedoch Voraussetzung dafür, auf das Rechtsmittel einzutreten.

Der Beschwerdeführer rügt, dass ihm der angefochtene Entscheid kurz vor Weihnachten zugestellt wurde, obwohl er diese Tage für eine verlängerte Abwesenheit genutzt habe. Indessen gibt es im Strafverfahren (im Gegensatz zum Beschwerdeverfahren vor Bundesgericht) keine Gerichtsferien (Art. 89 Abs. 2 StPO). Folglich ist die Zustellung des begründeten Urteils kurz vor Weihnachten nicht zu beanstanden. Der Beschwerdeführer musste denn auch nach seiner Berufungsanmeldung mit der Sendung rechnen.

Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe bei der Post über die Weihnachtsfeiertage einen Postrückbehalt in Auftrag gegeben. Auch dies hilft ihm nicht. Der Beschwerdeführer hätte seine Abwesenheit dem Gericht melden und ersuchen müssen, von einer Urteilszustellung während der Feiertage abzusehen. Eine solche Meldung ans Gericht hat er unterlassen. Bei dieser Sachlage gilt das Urteil als zugestellt.
Die Beschwerde ist im Verfahren nach Art. 109 BGG abzuweisen.

3.
Die Gerichtskosten sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Thurgau schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 28. Mai 2013

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Mathys

Der Gerichtsschreiber: Monn

Schlagwörter

appeal admissibilityservice of judgmentcourt vacationscriminal procedurepostal holdnon-entrycourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the appellant had to file an appeal statement to perfect the cantonal appeal

Extrahierter Entscheid

Yes. Since no appeal statement was filed, the cantonal appeal court rightly refused to enter into the appeal.

Extrahierte Begründung

A notice of appeal alone was insufficient; an appeal statement was a necessary prerequisite for admissibility.

Kernrechtsfrage

Whether delivery of the reasoned judgment shortly before Christmas was improper because of the appellant's absence

Extrahierter Entscheid

No. Criminal proceedings have no court vacations, so the delivery was unobjectionable and the appellant had to expect service after lodging appeal.

Extrahierte Begründung

Art. 89(2) StPO does not provide court vacations in criminal proceedings, unlike Federal Supreme Court complaint proceedings.

Kernrechtsfrage

Whether a postal hold request made by the appellant prevented valid service

Extrahierter Entscheid

No. He should have notified the court of his absence and asked it to defer service; without such notice, the judgment was deemed served.

Extrahierte Begründung

A postal hold alone did not suffice against the court; valid service was therefore assumed.

Kernrechtsfrage

Court costs of the federal complaint proceedings

Extrahierter Entscheid

The appellant must bear the court costs.

Extrahierte Begründung

Costs follow the outcome of the dismissed complaint.

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