Willful factual findings not shown in traffic offense appeal

6B_370/2010Bundesgericht / Strafrechtliche Abteilung15.06.2010Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The defendant appealed to the Federal Supreme Court against a cantonal ruling that upheld a CHF 300 fine, alternatively 5 days' substitute imprisonment, for a traffic-rule violation after an alleged parking-lot collision. She argued she had not come near the damaged vehicle and challenged the factual findings as arbitrary. The Court held that the lower court could rely on a witness who gave repeated consistent statements, and that the Tessin police report did not exclude a collision. The appeal was dismissed under Art. 109 BGG, and court costs of CHF 1,000 were charged to the appellant.

Omnilex-Regeste

Art. 97 Abs. 1 BGG, Art. 9 BV; arbitrariness review of factual findings in criminal appeal proceedings. The Federal Supreme Court will correct factual findings only if they are manifestly inaccurate or arbitrary, i.e. untenable or in clear contradiction with the record. A mere alternative view of the evidence is insufficient. Where the cantonal court relies on a witness whose statements were repeated and consistent, a police report noting only the absence of obvious collision marks does not establish arbitrariness if it does not exclude the occurrence of the incident. In summary proceedings under Art. 109 BGG, a complaint that merely disputes the evidentiary assessment is dismissed.

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
6B_370/2010

Urteil vom 15. Juni 2010
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Schneider, präsidierendes Mitglied, Bundesrichter Mathys, Bundesrichterin Jacquemoud-Rossari,
Gerichtsschreiber Monn.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
Beschwerdeführerin,

gegen

Staatsanwaltschaft des Kantons Graubünden, Sennhofstrasse 17, 7001 Chur,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Verletzung von Verkehrsregeln,

Beschwerde gegen die Verfügung des Kantonsgerichts von Graubünden, I. Strafkammer, vom 24. März 2010.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Die Beschwerdeführerin wendet sich dagegen, dass sie wegen Verletzung von Verkehrsregeln mit einer Busse von Fr. 300.-- bzw. einer Ersatzfreiheitsstrafe von fünf Tagen bestraft wurde. Es wird ihr vorgeworfen, am 23. August 2008 in Graubünden mit ihrem Personenwagen rückwärts fahrend auf einem Parkplatz ein parkiertes Fahrzeug beschädigt zu haben.

Die Beschwerdeführerin macht vor Bundesgericht geltend, sie sei nicht einmal in die Nähe des angeblich beschädigten Fahrzeugs gekommen. Die Feststellung des Sachverhalts im angefochtenen Entscheid kann vor Bundesgericht indessen nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig im Sinne von Art. 97 Abs. 1 BGG bzw. willkürlich im Sinne von Art. 9 BV ist. Willkürlich ist eine Feststellung, wenn sie offensichtlich unhaltbar ist oder zur tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht (BGE 135 V 2 E. 1.3).

Die kantonalen Richter stützen sich bei der Beweiswürdigung auf die Aussagen einer Zeugin, die unter Hinweis auf die Strafdrohung von Art. 307 StGB mehrfach übereinstimmende Aussagen gemacht hat (vgl. Urteil Bezirksgerichtsausschuss Hinterrhein vom 28. Januar 2010 S. 8). Die Beschwerdeführerin beruft sich demgegenüber auf einen Polizeirapport der Kantonspolizei Tessin vom 5. Dezember 2008. Diesem Rapport ist indessen nur zu entnehmen, dass den Polizisten am Personenwagen der Beschwerdeführerin keine offenkundigen Anzeichen für eine Kollision ("segni evidenti di collisione") aufgefallen sind. Sie hielten aber weiter fest, dass sich hinten links drei Reibungsspuren ("tracce di sfregamento") befinden. Auf diesen Umstand hat bereits das Kreisamt Thusis hingewiesen (Strafmandat vom 3. Februar 2009 S. 2). Aus dem Rapport der Kantonspolizei Tessin lässt sich folglich nicht herleiten, dass die kantonalen Richter, die auf die genannte Zeugin abstellten, in Willkür im oben umschriebenen Sinn verfallen wären.

Die Beschwerde ist im Verfahren nach Art. 109 BGG abzuweisen.

2.
Die Gerichtskosten sind der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 1'000.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht von Graubünden, I. Strafkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 15. Juni 2010

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Das präsidierende Mitglied: Der Gerichtsschreiber:

Schneider Monn

Schlagwörter

arbitrarinessevidence assessmenttraffic offensewitness testimonysubstitute imprisonmentcourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the cantonal court's factual findings on the collision were arbitrary or manifestly incorrect.

Extrahierter Entscheid

No. The police report did not contradict the witness testimony relied on by the cantonal courts, so the factual findings were not shown to be arbitrary.

Extrahierte Begründung

Federal review of facts is limited to manifest error or arbitrariness. The courts below relied on a witness who made repeated consistent statements under warning of Art. 307 SCC. The Tessin police report only noted no obvious collision marks, while also mentioning rubbing traces at the rear left, which did not undermine the lower court's assessment.

Kernrechtsfrage

Whether the traffic-offense conviction and fine should be set aside.

Extrahierter Entscheid

No relief was granted; the appeal was dismissed and the fine remained in force.

Extrahierte Begründung

Because the challenge to the factual basis failed, there was no basis to disturb the conviction and sentence imposed below.

Kernrechtsfrage

Allocation of federal court costs.

Extrahierter Entscheid

Costs were imposed on the appellant.

Extrahierte Begründung

As the appeal was dismissed, the losing party had to bear the court costs under Art. 66(1) BGG.

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